08.09.2026
Deutschland vor Playoff-Duell mit Südkorea
Deutschland hat seinen Rhythmus gefunden - und geht mit wachsendem Selbstvertrauen in die K.-o.-Phase der Heim-WM. Nach zwei überzeugenden Siegen zum Abschluss der Gruppenphase wartet am Dienstag Südkorea. Die DBB-Auswahl weiß, was sie erwartet - und was sie jetzt noch besser machen muss.

Es ist gerade einmal vier Tage her, dass Deutschlands Basketballerinnen nach dem 53:83 gegen Spanien vor einem ziemlich ernüchternden WM-Start standen. Seitdem hat sich viel verändert. Erst der 74:58-Sieg gegen Japan, dann das 83:58 gegen Mali - und plötzlich geht die DBB-Auswahl als Gruppenzweiter und mit ordentlich Rückenwind in die Zwischenrunde.
"Wir haben unser Selbstbewusstsein gefunden, das ist offensichtlich für mich", sagt Bundestrainer Olaf Lange. Gegen Spanien habe es noch "viele Zweifel" gegeben. Die Mannschaft habe nach dem starken Start der Spanierinnen "noch nicht so richtig geglaubt". Zwei überzeugende Auftritte später klingt das deutlich anders. "Jetzt, über die beiden Spiele gegen Japan und heute, glauben wir ein bisschen mehr an unsere Stärke", so Lange.
Das zeigt sich nicht nur an den Ergebnissen, sondern auch an der Art, wie Deutschland auftritt. Die Defense wurde von Spiel zu Spiel stabiler, offensiv greifen die Abläufe immer besser ineinander. Lina Sontag beschreibt im Gespräch mit basketball-world.news, was sich seit dem Auftakt verändert hat: "Wir haben jetzt unseren Weg gefunden, wie wir schneller zusammenspielen, wie wir besser unsere Laufwege finden, besser den nächsten richtigen Pass finden und der Ball nicht stecken bleibt."
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Ein weiterer Faktor: Deutschland ist längst nicht von einer einzelnen Spielerin abhängig. In jedem der drei Gruppenspiele stachen andere heraus. Gegen Spanien war Leonie Fiebich mit 13 Zählern die Topscorerin, gegen Japan waren es Nyara Sabally (18) und Frieda Bühner (19), gegen Mali Luisa Geiselsöder (17) und erneut Bühner (21).
Für Lange ist diese Breite gerade angesichts des Spielplans entscheidend. "Wir spielen das vierte Spiel in fünf Tagen. Wer das mal gemacht hat, viel Glück", sagt der Bundestrainer. Es sei nicht nur körperlich eine Herausforderung, sondern auch "mental, psychologisch, emotional". Ohne tiefe Bank sei das kaum zu bewältigen.
Gegen Mali spielte Deutschland mit allen zwölf Spielerinnen. Auch als die vermeintlich zweite Reihe auf dem Feld stand, blieb die Intensität hoch. "Insofern ist es ein kompletter Teamerfolg und ein Teamergebnis", betont Lange.
Genau das Gefühl soll Deutschland nun mit in die K.-o.-Phase nehmen. "Ich glaube, man sieht, dass wir als Team extrem gut funktionieren", sagt Luisa Geiselsöder. Frieda Bühner beschreibt es ähnlich: "Wir können immer aufs Team vertrauen." Wenn sie einmal nicht gut spielte, würde immer jemand kommen und sagen: "Du machst das gut, mach weiter so!"

Zeit zum Durchatmen bleibt nicht - Dienstagabend wartet Südkorea. Gegen die Asiatinnen gewann Deutschland im März in der WM-Qualifikation deutlich mit 76:49. Ein Freifahrtschein ist das für die Zwischenrunde aber keineswegs.
"Das Spiel ist sechs Monate her und da können wir uns nicht mehr damit vergleichen. Die waren anders, wir waren anders", sagt Emily Bessoir zu basketball-world.news. Auch Lange erwartet ein stärkeres koreanisches Team als damals. "Man muss sagen, dass Korea, so wie sie sich hier präsentiert haben beim Turnier, schon besser spielt als im März. Aber das Gleiche trifft auch auf uns zu", sagt der Coach.
Der Spielstil dürfte dabei an Japan erinnern: viel Tempo, viel Bewegung und Würfe von der Dreierlinie. "Wir müssen wirklich gucken, dass unsere Defense wieder on point ist und dass wir nicht die easy Sachen zulassen", sagt Bessoir.
Für Lange geht es darum, dass Deutschland künftig auch in kritischen Phasen an sich glaubt. "Es wird sicherlich schwieriger. Wir haben sehr dominant gespielt die letzten beiden Spiele. Es wird nicht immer so abgehen." Entscheidend sei deshalb, "wenn es dann ein bisschen enger oder schwierig wird", weiter an die eigene Stärke zu glauben.
Darin liegt die vielleicht wichtigste Entwicklung dieser ersten drei WM-Spiele. Aus der Unsicherheit gegen Spanien ist Selbstvertrauen geworden. Jetzt muss Deutschland beweisen, dass dieses Gefühl auch trägt, wenn es wirklich um alles geht. Denn nicht nur Geiselsöder findet: "Wir sind noch nicht fertig."
Franziska Staupendahl