vor 7 Stunden
Für den Dunk-Champion geopfert
Vor drei Jahren wurde Julian Champagnie von den Philadelphia 76ers aussortiert, um Platz für Dunk-Contest-Star Mac McClung zu schaffen. Heute ist der Undrafted Forward Starter bei den San Antonio Spurs und steht nach einem starken Spiel 7 plötzlich in den NBA-Finals.

Als die Philadelphia 76ers Julian Champagnie im Februar 2023 entließen, interessierte das außerhalb der G-League kaum jemanden. Der damals 22-Jährige hatte lediglich zwei NBA-Spiele absolviert, pendelte zwischen Delaware Blue Coats und Philadelphia hin und her und galt als einer von vielen Undrafted-Spielern, die um ihre Chance kämpften.
Der Grund für seine Entlassung sorgte jetzt aber wieder für Schlagzeilen. Die Sixers trennten sich damals von Champagnie, um Platz für Mac McClung zu schaffen. Der Guard sollte einen Two-Way-Vertrag erhalten und Philadelphia beim Slam Dunk Contest repräsentieren. Drei Jahre später wirkt diese Entscheidung wie ein Eigentor.
McClung wurde zunächst tatsächlich zur Attraktion des All-Star Weekends. Er gewann den Dunk Contest 2023, 2024 und 2025 dreimal in Serie und rettete damit gefühlt ein Event, das über Jahre an Strahlkraft verloren hatte.

Sportlich verlief seine Karriere allerdings ganz anders. Trotz zahlreicher Chancen bei Philadelphia, Orlando, Indiana und Chicago gelang ihm nie der dauerhafte Durchbruch in der NBA. McClung wurde in der G-League zum MVP und gehört dort zu den besten Spielern überhaupt, seine Rolle in der stärksten Liga der Welt blieb aber überschaubar. Bis heute kommt er nur auf 30 NBA-Einsätze und kämpft weiterhin um einen festen Platz in einer Rotation.
Champagnie dagegen spielte kürzlich beim entscheidenden 111:103-Sieg der Spurs gegen Titelverteidiger Oklahoma City die Partie seines Lebens. Der Forward erzielte 20 Punkte, traf sechs Dreier und war hinter Victor Wembanyama der zweitbeste Scorer seines Teams. Mit seiner Leistung half er San Antonio dabei, den amtierenden Champion in dessen eigener Halle auszuschalten und erstmals seit 2014 wieder in die NBA Finals einzuziehen.
Nach dem Spiel sprach Champagnie offen über die schwerste Phase seiner Karriere. "Ich dachte damals, es wäre vorbei", erklärte der 24-Jährige. "Mir wurde immer gesagt, wie klein das Fenster in der NBA ist. Dann bekommst du nur Chancen in der G-League und wirst ohne Vorwarnung entlassen."
Die Spurs gaben ihm eine zweite Chance. Nur zwei Tage nach seinem Rauswurf griffen sie zu und sicherten sich Champagnie von der Waiver-Liste. Für den ehemaligen St.-John's-Star war das die letzte Chance, sich in der NBA festzubeißen. "Ich habe mir einfach gesagt: Mach es irgendwie möglich", erinnerte sich Champagnie. "Egal, was das Team von dir verlangt, mach es." Genau diese Einstellung brachte ihm in San Antonio schnell das Vertrauen der Organisation ein. Noch im selben Jahr unterschrieben die Spurs einen Vierjahresvertrag mit dem Flügelspieler.
Mittlerweile gehört Champagnie fest zur Rotation. In der abgelaufenen Regular Season stand er in allen 82 Spielen auf dem Parkett, erzielte 11,1 Punkte pro Partie und traf rund 38 Prozent seiner Dreier. Seit Januar ist er zudem fester Bestandteil der Starting Five.
| Spiele | Minuten | Punkte | FG % | 3PT % | Rebounds | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 18 | 30,4 | 11,3 | 45,4 | 39,3 | 5,8 |
Spurs-Coach Mitch Johnson bezeichnete Champagnie nach Spiel 7 sogar als einen der unterschätztesten Spieler des Teams: "Julian war über die gesamte Saison herausragend", erklärte Johnson. "Sein Spacing verändert unsere Offensive, seine Würfe geben uns wichtige Impulse und er hilft uns beim Rebounding und in der Teamverteidigung. Er ist einer unserer unsung heroes."
Auch Superstar Victor Wembanyama fand deutliche Worte: "Er hat sich alles verdient", sagte der Franzose. "Julian ist die Art von Spieler, für die man auf dem Feld alles geben möchte."

Die Geschichte erhält zusätzlich eine besondere Note, weil Champagnie nun ausgerechnet gegen sein Heimatteam antreten wird. Der gebürtige New Yorker wuchs in Brooklyn auf, spielte später für St. John's und träumte jahrelang davon, eines Tages im Madison Square Garden um die Meisterschaft zu kämpfen.
Nun wird genau das Realität. "Ich fahre seit Jahren an dieser Halle vorbei", sagte Champagnie nach dem Finaleinzug. "Dort um eine Meisterschaft zu spielen, gibt mir ein unglaubliches Gefühl."
Lukas Hetterich