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    NBA

    vor 7 Stunden

    Meisterstück auf Umwegen?

    Fox bei den Spurs: Das beeindruckende Meisterstück des LeBron-Agenten

    De’Aaron Fox sollte bei den San Antonio Spurs der designierte zweite Star neben Victor Wembanyama sein. Das ist der 28-Jährige nicht immer - und nicht zuletzt deshalb steht das Team viel früher als gedacht kurz vor der Krönung.

    De'Aaron Fox ist einer der älteren Spieler der Spurs. Dabei ist auch er erst 28 Jahre alt.
    De'Aaron Fox ist einer der älteren Spieler der Spurs. Dabei ist auch er erst 28 Jahre alt. Scott Wachter

    Sein wichtigster Beitrag war vielleicht kein Steal, kein Assist, kein Field Goal. Sondern ein Foul: Als die letzte Minute von Spiel 7 der Conference Finals sich dem Ende neigte, OKC mit voller Verzweiflung versuchte, einen 6-Punkte-Rückstand noch irgendwie zu egalisieren, als die Spurs-Defense nach einem gegnerischen Steal unsortiert war, griff De’Aaron Fox zu.

    Der 28-Jährige, den sie in San Antonio "Unc" nennen, weil es kaum echte Veteranen gibt, machte ein prototypisches Veteran-Play. Er wusste, dass die Spurs 22 Sekunden vor dem Ende ein Foul übrig und OKC keine Auszeit mehr hatten. Er wusste, dass jede Sekunde zählte und dass die sortierte Defense seines Teams beste Chancen haben würde, den Thunder auch die letzte Überlebenschance zu nehmen.

    Also hielt er Shai Gilgeous-Alexander kurz, ehe dieser selbst werfen oder den in der Ecke völlig freien Lu Dort für einen Dreier bedienen konnte. Es folgten: Ein Einwurf, zwei Verzweiflungsdreier der Thunder, ehe San Antonio den Ball sichern konnte und Devin Vassell - nach Pass von Fox - nach vorne laufen und den Ball durch die Reuse stopfen durfte - als letztes Ausrufezeichen und Schlusspunkt dieser Serie. Fox' Plan war aufgegangen.

    So langsam scheint das zur Norm zu werden.

    Wiedersehen mit Brown

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Fox nun in den Finals unter anderem auf Mike Brown trifft. Der Knicks-Coach zählte noch vor drei Jahren wie er zu den Hauptprotagonisten einer historischen Saison: 22/23 erreichten die Sacramento Kings zum ersten Mal nach 16 Jahren Durststrecke die Playoffs, mit Brown als Coach und Fox als Clutch Player des Jahres.

    Es war diese Saison, die Fox dazu qualifiziert, während jeder Übertragung eines Playoff-Spiels der Spurs als der erfahrene, alte Hase des Teams beschrieben zu werden - obwohl er bloß eine Runde spielte, mehr war da nicht. Die "Light the Beam!"-Saison war ja nicht repräsentativ für die siebeneinhalb Jahre, die Fox bei den Kings verbrachte, sie war ein Ausreißer.

    Jahrelang in einem Team, nun Gegenspieler: De'Aaron Fox (li.) und Mike Brown (re.).
    Jahrelang in einem Team, nun Gegenspieler: De'Aaron Fox (li.) und Mike Brown (re.). Getty Images

    Der Erfolg war danach so plötzlich wieder weg, wie er aufgetaucht war. Die Protagonisten auch: Brown wurde Ende 2024 entlassen, vom 22/23er Spielerkader ist mittlerweile kaum noch jemand da, die Kings sind wieder zurück im Keller, gewannen in der laufenden Saison als wohl hoffnungslosestes Team der Liga 22 Spiele.

    Fox selbst verließ etwas mehr als einen Monat nach Brown das Team, auf eigenen Wunsch, wobei sich dieser Wunsch mit der Zeit verändert haben soll. "Er wollte die Kings nie verlassen", sagte sein Agent Rich Paul Anfang Januar 2026 im Podcast "Game Over". Vielleicht war das zu Beginn wirklich so, die Realität wurde auch dank des Power-Agenten jedoch eine andere.

    Trade-Wunsch mit Kalkül

    Auch wenn nach dem Durchbruch 2023 in der Folgesaison noch immerhin 46 Siege geholt wurden, zeichnete sich recht schnell ab, dass die Kings keinen allzu guten Plan hatten, um auf diesem Erfolg aufzubauen. Als Fox im Sommer 2024 eine vorzeitige Vertragsverlängerung ablehnte, ließ das bereits aufhorchen. Als Brown, mit dem er eine gute Verbindung hatte (und hat), entlassen wurde, drängte sich ein Wechsel wohl endgültig auf.

    Wie Paul es rückwirkend beschrieb, verfolgte er dabei ein klares Ziel. Fox solle zu einem Team kommen, das Bedarf auf der Eins hatte, aber nicht bei Null anfangen würde und auch nicht zwingend nach einem neuen "besten Spieler" suchte. Zwei Teams kamen dabei laut Paul in die engere Verlosung.

    "Der Gedanke war: Lass uns diese Teams ansehen: Orlando, San Antonio. Teams, die wirklich einen Point Guard brauchen, aber schon einige gute Spieler haben, bei denen er reinpasst und eine neue Stufe ermöglichen kann. Wir sind letztlich bei San Antonio gelandet, und San Antonio sah diese Vision ebenfalls", erinnerte sich Paul.

    Der Fox-Trade im Überblick

    San Antonio spursSacramento KingsChicago Bulls
    De'Aaron FoxZach LaVineZach Collins
    Jordan McLaughlinSidy CissokoTre Jones
    2025 1st (Hornets)Kevin Huerter
    2027 1st (Spurs)2025 1st (Bulls)
    2031 1st (T-Wolves)
    2025 2nd (Nuggets)
    2028 2nd (Bulls)
    2028 2nd (Kings)

    Eine Veränderung der Gleichung

    Tatsächlich formulierte Paul Fox' Trade-Wunsch im Frühjahr 2025 sehr explizit mit dem Wunschziel San Antonio, wo zwar bis dahin noch kein Playoff-Basketball in Reichweite war, wo sich Victor Wembanyama jedoch bereits als (künftiger) Superstar entpuppte. Fox sollte der primäre Spielpartner für das Alien werden, so der Gedanke.

    Am 3. Februar 2025 einigten sich beide Teams (gemeinsam mit den Chicago Bulls) auf den Deal, der Fox zu den Spurs brachte. Die damals drei Dinge noch nicht wissen konnten, die sich danach einstellten und die den Fit des bis dahin einmaligen All-Stars zumindest auf der Oberfläche etwas komplizierter aussehen ließen:

    1. Bei Wemby wurde kurz nach dem Trade eine tiefe Venenthrombose diagnostiziert - weshalb in Jahr eins fast nichts von der Fox-Wemby-Kombination zu sehen war und stattdessen nach der All-Star-Pause Niederlage um Niederlage angehäuft wurde.

    2. Stephon Castle, auch ein Point Guard, entpuppte sich in der zweiten Saisonhälfte endgültig als bester Rookie seines Jahrgangs.

    3. San Antonio sprang in der Lottery 2025 erneut bis auf Platz 2. Wo Dylan Harper, ein weiterer balldominanter Guard, als richtige Entscheidung und nächstes Superstar-Talent auf die Spurs wartete.

    Spurs-Coach Johnson über Guard-Fülle: "Bei anderen Teams müssten sie wohl weniger Opfer bringen"

    Es ist unmöglich zu wissen, ob die Spurs sich Fox auch dann geangelt hätten, wenn sie vorher gewusst hätten, dass sie bald zwei der talentiertesten jungen Guards in der Liga in ihren Reihen haben würden, die überdies - wie Fox ja auch - nicht die allerstabilsten Jump-Shooter sind. Auch wenn sie Fox im Sommer direkt das Vertrauen aussprachen und ihm einen neuen Vierjahresvertrag über 229 Mio. Dollar vorlegten, den höchsten der Franchise-Geschichte.

    Der Head Coach hat trotzdem selbst zugegeben, dass er sich ursprünglich nicht ganz sicher war, wie diese drei Guards koexistieren würden. "Es ist leicht, sich in die Perspektive von jedem von ihnen hineinzuversetzen und zu denken, dass sie bei anderen Teams wohl weniger Opfer bringen müssten, den Ball weniger teilen müssten", sagte Mitch Johnson.

    In anderen Teams hätte diese Guard-Fülle vielleicht tatsächlich zum Problem werden können. Etwa bei den Kings, die unter anderem wegen Fox einst Marvin Bagley statt Luka Doncic drafteten und den jungen Tyrese Haliburton wegschickten. Die Spurs hingegen versuchten zu adaptieren und sind dabei, die Früchte dieser Entscheidung zu ernten.

    Das Erfolgstrio der San Antonio Spurs: De'Aaron Fox, Victor Wembanyama und Stephon Castle.
    Das Erfolgstrio der San Antonio Spurs: De'Aaron Fox, Victor Wembanyama und Stephon Castle. Getty Images

    Mehr ist besser

    Schon die gesamte Saison über ist die Fülle im Backcourt nach Wemby die wohl größte Stärke der Spurs, nicht zuletzt im Matchup gegen Oklahoma City. Es gibt nicht wirklich eine Hackordnung, aber genau das scheint oft ein Vorteil zu sein: Oft ist Castle der Aggressor, mal übernimmt Harper von der Bank kommend ganze Viertel oder Spiele.

    Fox spielt mit einer gewissen vornehmen Zurückhaltung, hat kein Problem damit, den jüngeren Kollegen Spielanteile zu überlassen. Es gibt daher nicht den einen Ballhandler, auf den sich gegnerische Defensiven einstellen können. Er kann aber durchaus zuschlagen, wenn die Situation das erfordert.

    "Ich dachte, ich komme hierher und reihe mich ein", sagte Fox kürzlich zu ESPN. "Aber sie sagten zu mir: Mach dein Ding! Von daher gibt es Zeiten, in denen ich das tue, und andere Zeiten, in denen ich eher dafür sorge, dass jeder den Ball berührt, jeder seine Möglichkeiten bekommt und sich wohlfühlt."

    Die Auswirkungen dieser neuen Rolle sind klar spürbar, wenig überraschend punktet Fox viel weniger als in Sacramento, wo er in seiner letzten kompletten Spielzeit noch 26,6 Punkte auflegte, hat auch deutlich seltener den Ball. Ein All-Star (als Nachrücker) war er trotzdem, und sein Team ist bloß vier Siege vom Titel entfernt. Eine bessere Begründung kann es nicht geben, um individuell einen "Rückschritt" zu machen.

    De'Aaron Fox: Statistiken in San Antonio und Sacramento

    TeamSpieleMinPTSFG3PTAST
    Kings51433,221,547,2%33,1%6,1
    Spurs8931,618,847,8%32,0%6,3

    Kein Turbo in den Playoffs

    Das Team profitiert derweil immens von diesem Triumvirat. Auch in den Playoffs, in denen sich mehr und mehr zeigt, dass es hilft, die Abhängigkeit von einzelnen Spielern zu reduzieren, viele Optionen zu haben. Bei der hohen Belastung sind Ausfälle normal, Verletzungen haben auch bei den Spurs bereits ihre Rolle gespielt, wo sowohl Fox als auch Harper schon ausgefallen sind beziehungsweise nur in limitierter Verfassung auftreten konnten.

    Bei Fox spielt eine Knöchelverletzung schon seit der Serie gegen die Timberwolves eine Rolle und führt mit dazu, dass sein Impact nicht wirklich konstant da ist. Gegen die Thunder fiel über mehrere Spiele fast nichts, der normalerweise so elitäre Turbo zündete selten, lediglich 11,2 Punkte (bei 36,5% aus dem Feld) legte Fox im Schnitt über diese Serie auf.

    Über den Playoff-Run zählt er wohl nicht zu den drei besten Spielern der Spurs, nüchtern betrachtet. Das Besondere an diesem Team ist jedoch, dass er das auch nicht sein muss. Und das Besondere an Fox ist, dass sein Impact trotz der Probleme nicht wegzudiskutieren ist, er auch ohne große Scoring-Arien seinen Einfluss ausüben kann.

    Der Ruhepol

    Er war wesentlich daran beteiligt, dass San Antonio nach Spiel 2 seine massiven Turnover-Probleme in den Griff kriegen konnte, glänzte in vielen Spielen als Playmaker (31 Assists bei nur 7 Ballverlusten über die Serie). Er brachte immer wieder Ruhe rein, wenn (vor allem) Castle ein Stück weit überdrehte. Er holte Rebounds, Steals, zur Not auch Fouls.

    Und als die Saison in Spiel 7 auf dem Tisch lag, war er auch als Scorer zur Stelle - genug zumindest. Es mögen nur sechs Field Goals gewesen sein, gefühlt kamen sie alle zu Zeitpunkten, in denen San Antonio kurz mal die Stabilität fehlte. Ohne zu dominieren, zeigte Fox im letzten Spiel seinen besten Auftritt der Serie.

    Er spielt grundsätzlich nicht so laut wie Castle oder Harper, definitiv bringt er weniger unausgeschöpftes Potenzial mit. Er hat ihnen aber eben trotzdem sieben respektive acht Jahre in der Liga voraus, was sich in manchen Situationen durchaus noch zeigt. Weshalb es so wertvoll ist, alle drei in einem Team zu haben.

    Spurs "überflügeln selbst die unglaubliche Timeline der Thunder"

    Was nicht ewig so bleiben muss. Oder kann. Es gibt Redundanzen zwischen den Guards, gerade zwischen Fox und Harper. Es wird der Tag kommen, an dem sich der Rookie (noch mehr) aufdrängt, ein Starter zu sein - schon jetzt wirkt er nicht selten wie der zweitbeste Spieler der Spurs, ein künftiger Superstar. Höchst unwahrscheinlich, dass die Spurs ihn wie einst Manu Ginobili über seine gesamte Prime von der Bank bringen werden.

    Es wird darüber hinaus - und hier kennen wir die Daten - der Tag kommen, an dem nicht mehr zwei der drei Guards auf günstigen Rookie-Verträgen unterwegs sind. Bei Castle sind es noch zwei, bei Harper drei Saisons; mit recht großer Sicherheit wird San Antonio nicht in vier Jahren drei Guards Maximal-Gehälter überweisen können.

    Das ist jedoch ein Zukunftsthema. In der Gegenwart sind die Spurs in den Finals - weil sie schneller den Sprung gemacht haben als jedes moderne Team vor ihnen, zu einem Zeitpunkt, wo selbst Wembanyama noch ein Jahr seines Rookie-Vertrages vor sich hat. Das ist ein Luxus, der selbst die unglaubliche Timeline der Thunder vor ihnen noch einmal überflügelt.

    De'Aaron Fox gilt mit 28 Jahren bereits als alter Hase bei den jungen Spurs.
    De'Aaron Fox gilt mit 28 Jahren bereits als alter Hase bei den jungen Spurs. Daniel Dunn-Imagn Images

    Nur ein Ziel zählt

    Fox kann in diesem Kontext der bestbezahlte Spieler des Teams sein, ohne der Beste sein zu müssen. Oder der Zweitbeste - all das spielt für ihn ohnehin keine Rolle mehr. Nach Jahren der Obskurität in Sacramento weiß er ganz genau, wie seine Prioritäten aussehen, und wie einmalig die Chance ist, die er durch seinen Wechsel erhalten hat.

    "Ich war ein All-NBA-Spieler, ein All-Star. Mir geht es nur noch darum, eine Meisterschaft zu gewinnen", sagte Fox schon während der ersten Playoff-Runde. "Ich denke, wir haben hier eine gute Möglichkeit dazu." Das war offensichtlich richtig, und das liegt auch daran, dass er bereitwillig in die Rolle als "Unc" geschlüpft ist, ohne wenigstens die 30 erreicht zu haben.

    Offensichtlich ist auch dieser Plan aufgegangen. Selbst wenn sich die Variablen auf dem Weg dorthin drastisch verändert haben.

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    Ole Frerks