13.09.2026
Der Hunger bleibt
Deutschland steht vor dem letzten Spiel dieser Heim-WM - und kann sich mit Bronze selbst belohnen. Nach der 64:86-Niederlage gegen Frankreich muss die DBB-Auswahl wieder schnell den Schalter umlegen. Denn ausgerechnet Spanien wartet erneut - die Erinnerungen an die 53:83-Auftaktpleite vor neun Tagen sind noch frisch. Die Aussicht auf die erste WM-Medaille der deutschen Basketball-Frauen dürfte Motivation genug sein.

Die Enttäuschung über das verpasste Finale war den deutschen Spielerinnen anzumerken. Gleichzeitig wussten sie schon kurz nach der Schlusssirene: Lange kann man sich damit nicht beschäftigen. "Nach Abpfiff, als die Halle nochmal hinter uns stand und laut wurde, war uns bewusst: Morgen ist noch ein Spiel. Es ist jetzt nicht vorbei", sagte Emma Eichmeyer hinterher. "Deswegen gilt jetzt einfach, den Fokus schnell wieder umzudrehen."
Dass das schnelle Umschalten beim Turnier zum Alltag geworden ist, untermauert auch Leonie Fiebich. Das Spiel um Platz drei ist bereits die dritte Back-to-back-Partie der WM. "Es ist nichts Neues, oder? Es ist unser drittes Back-to-back, was ehrlich gesagt verrückt ist bei so einem Turnier", findet die 26-Jährige.
Sieben Spiele innerhalb von zehn Tagen verlangt der Spielplan der DBB-Auswahl ab. Dennoch sieht Fiebich keinen Grund, nach dem Halbfinal-Aus negativ auf die letzte Aufgabe zu schauen: "Wir wissen, was wir tun müssen. Wir hatten ein sehr schwieriges Spiel zum Anfang, haben uns danach umgedreht und die nächsten Spiele sehr gut gespielt. Von jetzt an ist alles positiv."
Auch Kapitänin Marie Gülich glaubt daran, dass ihr Team schnell den Resetknopf drücken kann: "Genauso wie wir das nach Spanien gemacht haben. Das gehört zum Sport dazu, zu unserem Beruf. Wir sind alle sehr erfahren darin. Ich vertraue dem Team und glaube, dass wir das schaffen", so die Centerspielerin.
Die Konstellation macht die Partie besonders. Gegen Spanien begann für Deutschland vor neun Tagen die WM mit einem krassen Dämpfer. Danach folgten vier Siege in Folge - bis Frankreich die Serie im Halbfinale stoppte. Nun bietet sich die Gelegenheit zur Wiedergutmachung.
Für Olaf Lange ist das allerdings nicht der entscheidende Antrieb. "Wir wollen eine Bronzemedaille haben. Das ist die Motivation", stellt der Bundestrainer klar. Dabei soll Deutschland vor allem die Eigenschaften aus den vergangenen Spielen wieder auf den Court bringen: "Unseren Kampf, unsere Vielseitigkeit und dass wir immer wieder Wege finden können, um ins Spiel zu kommen."
Lina Sontag sieht es wie ihr Coach. "Klar, eine Revanche gegen Spanien wäre ganz cool", meint die 22-Jährige. Wichtiger sei aber etwas anderes: "Wir müssen als Team zusammenhalten und dann auch die Medaille holen."
Seit dem ersten Duell hat sich einiges getan - das weiß auch Iyana Martin. Spaniens Point Guard war im Gruppenspiel gegen Deutschland mit zwölf Punkten eine der auffälligsten Spanierinnen und Topscorerin im Halbfinale gegen die USA. Vor der erneuten Begegnung hat sie Respekt: "Wir müssen bescheiden bleiben, denn es ist nicht dasselbe Deutschland wie im ersten Spiel. Wir müssen bei 0:0 anfangen und dürfen nicht daran denken, dass wir sie schon einmal geschlagen haben." Selbstbewusst ist die Spanierin trotzdem: "Ich denke, wir können das schaffen - und das werden wir."
Deutschland hat am Sonntag ab 16.30 Uhr dasselbe Ziel: einen Platz auf dem Podium. Nach dem bisher stärksten WM-Lauf der deutschen Frauen-Nationalmannschaft könnte am Ende die erste Medaille stehen.
"Der Hunger ist natürlich riesig", erklärt Eichmeyer. "Vor allem vor heimischer Kulisse wollen wir den Fans etwas zurückgeben. Wir sind schon so weit gekommen - jetzt wollen wir gerne etwas in den Händen halten."
Gülich will die Enttäuschung über Frankreich dabei als zusätzlichen Antrieb nutzen. "Es geht immer noch um was. Deswegen will ich das jetzt einfach mitnehmen als Motivation, als Tritt in den Allerwertesten sozusagen."
Franziska Staupendahl