vor 7 Stunden
Warum der deutsche Finaltraum platzte
Der Traum vom WM-Finale ist für die deutschen Basketballerinnen geplatzt. Beim 64:86 gegen Frankreich bekam das junge DBB-Team aufgezeigt, was ihm zur absoluten Weltspitze noch fehlt - zugleich ändert die Niederlage nichts an einer historischen deutschen Weltmeisterschaft.

Letztlich war das Ergebnis deutlicher, als der Spielverlauf das widerspiegelte, gleichzeitig entsprach es aber auch den Kräfteverhältnissen. Frankreich war an diesem Abend schlicht zu lang, zu athletisch und zu schnell. Gefühlt hatten die Französinnen auf jeder Position körperliche Vorteile und setzten diese mit enormer Konsequenz ein. Deutschland hielt phasenweise dagegen, konnte dem permanenten Druck über die gesamte Spielzeit aber nicht standhalten.
Das zeigte sich vor allem an den 25 deutschen Ballverlusten. Frankreich attackierte die ballführenden Spielerinnen über das gesamte Feld und verhinderte häufig schon die ersten Anspiele auf die eigentlichen Aufbauspielerinnen. So mussten etwa Luisa Geiselsöder oder Lina Sontag den Ball nach vorne bringen und im Halbfeld Aufgaben in der Spielgestaltung übernehmen, die normalerweise nicht zu ihren Stärken zählen.
Die daraus resultierenden Ballverluste waren häufig vermeidbar, aber keineswegs zufällig. Frankreich bestimmte mit seiner aggressiven Verteidigung, wer bei Deutschland Entscheidungen treffen durfte, und brachte das DBB-Team damit immer wieder aus seiner offensiven Struktur. Auch Alexis Peterson-Smalls bot zwar eine zusätzliche Option als Ballhandlerin, ließ sich vom französischen Druck jedoch mehrfach zu überhasteten Aktionen verleiten.
In diesen schwierigen Phasen suchte Deutschland fast zwangsläufig Leonie Fiebich. Die Flügelspielerin sollte Würfe kreieren, Angriffe beruhigen und Verantwortung übernehmen - gegen eine derart starke Defensive konnte sie diese Last jedoch nicht allein tragen.
Fiebich ist eine tolle Spielerin, jedoch ist sie dann am besten, wenn sie eben nicht die erste Option ist. Ohne Satou Sabally ist sie aber genau das. Die verletzte Berlinerin hätte die Spielerin sein können, die unabhängig von System und Spielsituation verlässlich zu einem Abschluss kommt.
Eine solche Rolle könnte künftig auch Frieda Bühner übernehmen, doch gegen Frankreich wurde deutlich, dass sie in ihrer Entwicklung noch Zeit benötigt. Die 22-Jährige muss lernen, auch gegen große, schnelle und physische Defensivreihen effektiv zu bleiben. Frankreich hatte diese Kreation, sie waren mit ihrem Guard-Play deutlich überlegen.

So deutlich das Ergebnis am Ende ausfiel, so wenig sollte es den Blick auf das große Ganze verstellen. Deutschland hatte vor diesem Turnier noch nie ein WM-Viertelfinale erreicht, gewann dieses auf Anhieb und begegnete im Halbfinale einer französischen Mannschaft, die derzeit wohl die zweitbeste der Welt ist, zeitweise auf Augenhöhe.
Das DBB-Team ist jung und hat auf höchstem Niveau wertvolle Erfahrungen gesammelt, vielleicht spring am Sonntag im Spiel um Bronze dennoch noch eine Medaille heraus. Frankreich zeigte, woran Deutschland bis zu den kommenden Großereignissen arbeiten muss - vor allem beim Umgang mit physischem Druck und bei der offensiven Entlastung seiner Stars. Die Entwicklung dieser deutschen Mannschaft ist noch nicht zu Ende, aber bei dieser WM hat Deutschland einen riesigen Schritt zurückgelegt - egal, was am Sonntag noch passiert.
Sam Müller