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    NBA

    vor 10 Stunden

    Fehlen die Go-to-Moves wie sie Brunson hat?

    Wemby sucht die Antwort: Haben die Knicks ihn entschlüsselt?

    Perfekt lief für Victor Wembanyama wenig in Spiel eins der Finals. Weil die Knicks ihn bestens studiert hatten, fand er nie einen Rhythmus. Als es eng wurde, konnte sich Wemby, anders als Jalen Brunson, auch nicht auf klare Waffen verlassen. Braucht es sie - oder liegt der Schlüssel für Wembanyama und die Spurs gegen New Yorks Defense an anderer Stelle?

    Die Spurs stehen erstmals seit 2014 in den Finals.
    Die Spurs stehen erstmals seit 2014 in den Finals. Getty Images

    Kaum zwei Minuten sind gespielt, da dribbelt Victor Wembanyama auf Karl-Anthony Towns zu. Sein primärer Verteidiger weicht minimal zurück. Währenddessen gleiten von rechts OG Anunoby, von links Mikal Bridges in Wembys Richtung. Die Knicks wissen, was kommt.

    Auf Höhe der Freiwurflinie dribbelt der Defensive Player of the Year kurz nach rechts, um sich danach nach links zu drehen und freie Startbahn Richtung Ring zu haben. Dazu kommt es nicht. Im Moment der Drehung, im Moment minimalen Ballschutzes, schnellen sowohl Anunobys als auch Bridges’ Arm nach innen. Ballverlust.

    Fünf Minuten vor dem Ende, die Knicks führen mit acht, leistet sich Wembanyama ebenfalls einen Ballverlust, als er von rechts gegen Mitchell Robinson nach innen zieht. Auf Shot Fakes fällt New Yorks Center nicht herein. Er scheint ebenfalls zu wissen, was Wemby plant. Der wiederum zieht seinen Standfuß zu sehr nach. Schrittfehler.

    "Heute war ich schlecht", sagt der MVP der West-Finals nach dem Spiel. "Komplizierter ist es nicht." Sorgen mache er sich deshalb keine. Dass Wembanyama selbst nach einer Niederlage in Spiel eins der Finals maximales Selbstvertrauen nach außen sendet, ergibt nur Sinn. Gleichzeitig könnte die Problematik ein wenig komplizierter sein, als Wembanyama nach außen zu verstehen gibt.

    Victor Wembanyama und die Kunst der Anpassungsfähigkeit

    Trotz 26 Punkten am Ende hat er recht: Er hatte schon bessere Spiele. Was auch daran liegt, dass er lediglich sechs seiner 21 Würfe traf, sich sechs Ballverluste leistete und nur zwei Assists spielte. Anders als in Spiel sieben der Conference Finals wich offensive Dominanz Fehlern.

    Nun gab es das vorher auch schon; weshalb Wembanyamas Optimismus durchaus Berechtigung hat. Auf 4/15 aus dem Feld in Spiel fünf gegen OKC folgten 10/21 in Spiel sechs. Vier Punkte und vier Rebounds bei der Niederlage in Spiel vier gegen Minnesota glich er durch 27 Punkte und 17 Rebounds in Game five aus.

    San Antonios und Wembanymas Playoff-Run zeichnet nicht die grenzenlose Dominanz aus. Er speist sich vielmehr aus Anpassungsfähigkeit. Daraus, immer neue Antworten auf neue Fragestellungen zu finden. Nahmen ihm andere Teams das Spiel in Ringnähe, wich Wembanyama weiter Richtung Dreierlinie aus. Setzten sie ihn dort unter Druck, kam er mit noch mehr Anlauf, war ob seiner langen Schritte so schwerer zu greifen.

    "Ich glaube, so ist er einfach", sagte Spurs-Rookie Dylan Harper nach der Auftaktniederlage. "Er weicht nie vor dem Moment zurück. Er übernimmt irgendwie immer Verantwortung und wird ihm gerecht." Wahrscheinlich stützt sich Wembanyama genau darauf, wenn er sagt, er mache sich keine Sorgen.

    Harper (li.) wurde 2025 gedraftet.
    Harper (li.) wurde 2025 gedraftet. Jesse Johnson-Imagn Images

    Die Knicks, ein ungünstiges Matchup für Wemby?

    Gleichzeitig könnte die Herausforderung diesmal - so paradox es angesichts von OKCs defensiver Dominanz klingen mag - größer sein, als jemals zuvor in diesen Playoffs.

    Eingangs beschriebene Ballverluste entstanden einerseits, weil die Knicks Wemby genau studiert hatten. Sie wussten, wie gern er auf dem Weg Richtung Zone den Spin-Move von rechts nach innen ansetzt. Sie kannten seine Tendenzen. Andererseits hatten sie die passenden Leute, um sie für sich zu nutzen.

    Etwas überraschend übernahm Towns Wemby beinahe immer als primärer Defender, wenn beide gemeinsam auf dem Court standen. Anunoby galt angesichts seiner Kraft und Mobilität eigentlich als perfektes Matchup. Gleichzeitig sollte KAT ob seiner offensiven Bedeutung für New York keinesfalls in Foulprobleme geraten. Geriet er nicht.

    Mehr noch, Towns war flink genug, um Wemby vor sich halten zu können, wenn der zum Korb gehen wollte. Gleichzeitig setzt er ihm Länge und Kraft entgegen. Das bremste Wembanyama deutlich ein. Robinson gelang es in oben beschriebener Szene ebenfalls. Dazu kamen die Guards und Flügel.

    Mit Anunoby, Hart und Bridges haben die Knicks gleich drei lange Wings, die nicht nur am Ball verteidigen können, sondern sehr gut darin sind, als Helfer Bälle zu klauen und Angriffe durch ihre schnellen Hände und ein feines Gespür für die Tendenzen der Offense permanent zu stören. Das setzte Wembanyama zu. Womöglich auch, weil seinem Spiel noch etwas (eventuell) Entscheidendes fehlt.

    Wembanyama Stats

    SaisonSpielePunkteReboundsAssistsBlocksStealsFG%3P%FT%
    2025/26 Regular Season6425,011,53,13,11,051,234,982,7
    2025/26 Playoffs1823,310,82,73,50,949,335,687,5

    Brunson, weiß im vierten Viertel, worauf er sich verlassen kann - Wembanyama?

    Als sich das Spiel im vierten Viertel noch nicht entschieden hatte, in welche Richtung es nun final kippen wollte, wackelte sich Jalen Brunson durch San Antonios Defense. Durch Abfolgen aus Abstoppen, Beschleunigen und diversen Richtungswechseln brachte er seine Verteidiger aus der Balance.

    Brunson kam zum Ring. Wie in der Szene, in der er Devin Vassell den Ball erst präsentierte, um dann unter dessen ausgestreckten Armen hindurchzutauchen und die Knicks mit sechs in Führung zu bringen; oder in der er einfach aus der Mitteldistanz hochging. Einerseits diversifizierte Brunson seine Offense, andererseits verließ er sich dabei auf ein stabiles Fundament. Er machte, was er immer in solchen Situationen macht.

    Genau in dieser Hinsicht ist Wemby noch ein Suchender. Er hat den Dreier, ebenso alle Fähigkeiten als hart zum Ring rollender und dort vollendender Big. Er kann aus der Drehung werfen, ebenso aus dem Dribbling. Er kann mit Anlauf kommen, ebenso aus dem Stand über Gegner hinwegwerfen. Er kann selbst kreieren, ebenso Pässe vollenden.

    Noch ist nur nicht immer klar, was er wann versucht. Wo Brunson in entscheidenden Situationen auch deshalb so gut ist, weil er genau weiß, welche Eisen und Hölzer er verwenden muss, probiert Wembanyama noch etwas aus. Diese klaren Go-to-Moves, diese Lieblingsplays, die eigentlich zu keiner Zeit zu verteidigen sind, hat er nicht. Noch nicht.

    Brunson legte 13 Punkte im Schlussviertel auf.
    Brunson legte 13 Punkte im Schlussviertel auf. picture alliance / ASSOCIATED PRESS

    Wie stark verkürzt Wembanyama die Antwortintervalle?

    Indem die Knicks ihm den Spin nach innen nahmen, bremsten sie ihn deutlich. Es fehlte der klare Konter. Und so kam es bislang in allen Serien vor, dass eine gegnerische Defense Wembanyama unlösbar erscheinende Aufgaben stellte. Für den Moment.

    Was immer sich gegnerische Coaches ausdachten, im nächsten Spiel konterten Wembanyama und die Spurs. Womöglich gelingt das auch diesmal. Richtig interessant wird es, wenn die Antwortintervalle kürzer werden, wenn es nicht mehr ein, zwei Nächte Schlaf und die eine oder andere Videosession braucht, wenn sich Wemby während eines Spiels anpasst, die Tendenzen der Defense liest und in Echtzeit reagiert.

    Da sich Bridges in eingangs beschriebener Szene aus dem ersten Viertel zu Wembanyama orientiert, steht Brunson am oberen linken Zonenrand plötzlich zwischen De’Aaron Fox und Julian Champagnie. Cuttet Fox nun hart von oben zum Korb und folgt der Pass, hat New Yorks Point Guard die Wahl: Fox’ Driving Lane schließen, eventuell ein Offensivfoul annehmen, dafür den offenen Dreier aus der Ecke von San Antonios vielleicht bestem Schützen riskieren? Oder Fox den roten Teppich zum Ring ausrollen?

    Harper stark, Wemby und Fox enttäuschen: Die Spurs in der Einzelkritik

    Ist Wemby auch offensiv am Ende einfach anders?

    Verglichen mit den größten Offensivdominatoren, heißt es während dieser Playoffs immer wieder, habe Wembanyama noch nicht dieses klare Arsenal an Bewegungen und Abschlüssen, die unabhängig jeder Defense funktionieren. Ein valider Punkt. Wie beispielsweise Brunson klare Bewegungsmuster zu haben, die situationsunabhängig zum Erfolg führen, würde Defenses gegen Wembanyama womöglich vor nahezu unlösbare Probleme stellen. Dass es passiert, ist alles andere als ausgeschlossen.

    Gleichzeitig illustriert der Fokus auch eine traditionelle Denkweise. Die besten Scorer hatten und haben schon immer ihr favorisiertes Arsenal. Michael Jordan eignete sich den Fadeaway an, Kobe zog nach, Kareem Abdul-Jabbar hatte den Skyhook, Hakeem Olajuwon seinen Dreamshake, James Harden den Stepback. Steph Curry hat seine nahezu unendliche Range und den vielleicht schnellsten Abzug der Ligageschichte. Sie alle sind und waren im entscheidenden Moment genau deshalb kaum zu stoppen.

    Womöglich zieht Wemby nach. In Zukunft. Für den Moment ist er vielleicht auch so besonders, dass es mehr um die Verarbeitung der ihm zugeteilten Aufmerksamkeit geht; dass er Anpassungen binnen Minuten, nicht "erst" zum nächsten Spiel vornimmt und so ein Frage-Antwort-Pendel entsteht, das am Ende regelmäßig in seine Richtung schwingt.

    Spiel zwei dürfte erste Anhaltspunkte liefern. Was macht Wemby beispielsweise, wenn er, anders als zuletzt, häufig gegen Anunoby steht? Den konnten sich die Knicks noch aufsparen. Auch, weil Towns mit Unterstützung seiner Mitspieler zu viel war. Noch…

    Brunson wird zum Held, Towns dennoch MVP: Die Knicks in der Einzelkritik

    "Werde einen Weg finden“: Wemby kündigt nach Finals-Fehlstart Reaktion an

    Max Marbeiter

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