27.01.2026
Greift die NBA wieder durch?
Die Utah Jazz wurden für das Schonen von Spielern, um eine bessere Position im NBA Draft zu erlangen, in der Vorsaison von der NBA bestraft. Geändert hat sich jedoch nichts, man kann es der Franchise aber auch nicht verdenken.

"Das wird es dieses Jahr nicht geben", kündigte der neue Präsident Austin Ainge bei seiner Vorstellung im Sommer an, als er auf das offensichtliche Tanking der Utah Jazz in der Vorsaison angesprochen wurde. Seit den Abgängen von Rudy Gobert und Donovan Mitchell fielen die Jazz immer wieder damit auf, dass sie in der zweiten Saisonhälfte Spieler aus dem Verkehr zogen oder für einzelne Partien schonten.
Im März 2025 griff die NBA schließlich durch und verdonnerte die Franchise zu einer Geldstrafe von 100.000 Dollar, weil die Liga der Meinung war, dass der ehemalige All-Star Lauri Markkanen in einer Partie in Washington spielfähig war. Offiziell fehlte der Finnen wegen Rückenproblemen.
Direkt nach der Strafe absolvierte Markkanen noch einmal vier Partien, für die restlichen 13 Partien war der Big Man dann erneut nicht verfügbar. Von den letzten 26 Spielen (Markkanen absolvierte jene vier) gewannen die Jazz gerade einmal drei. Die Jazz tankten sich so, in der Hoffnung auf Cooper Flagg, von der viertschlechtesten Bilanz zum alleinigen Schlusslicht.
Geholfen hat es wenig, Utah rutschte in der Draft Lottery auf Rang fünf ab und musste sich mit Ace Bailey begnügen. In den Jahren zuvor reichte es ebenfalls nur für den neunten und zehnten Pick. Kurzum: Utah fehlte in den Vorjahren das Glück, nun möchte man es erneut erzwingen.
Dafür werden erneut Spieler, allen voran Markkanen, aus "wichtigen" Spielen herausgehalten. Ein Beispiel war das Spiel gegen Charlotte. Zwei Tage zuvor hatte der Finne die Jazz mit 33 Punkten zu einem Sieg gegen Dallas geführt, gegen den vermeintlichen "Tank-Konkurrenten" Hornets fehlte Markkanen plötzlich und Utah wurde mit 95:150 abgeschossen.
Seit zwei Wochen fehlt der Star nun erkrankt, die Jazz unterlagen in sieben von acht Fällen. Nun soll hier nichts unterstellt werden, verdächtig ist das allerdings schon. Gleichzeitig ist Utahs Weg verständlich. Als Team aus einem kleinen Markt werden sich Superstars nicht für die Kälte in Salt Lake City entscheiden. Utah hatte mit John Stockton, Karl Malone, Mitchell oder Gobert immer dann Stars, wenn man sie selbst draftete. Markkanen kam per Trade im Mitchell-Deal, galt zu dem Zeitpunkt aber auch noch nicht als Star.

Was in diesem Jahr dazu kommt: Es ist die letzte Saison, in der Utah Gefahr laufen kann, den eigenen Pick zu verlieren. Es ist eine Altlast aus dem Jahr 2021, als man noch Championship-Hoffnungen hatte und Derrick Favors an die OKC Thunder verscherbelte. Dafür wurde ein geschützter Erstrundenpick abgegeben, der im Sommer nur zu den Thunder geht, wenn er außerhalb der Top 8 liegt. Entsprechend werden die Jazz alles daran setzen, dass dies nicht passiert.
Dafür haben die Jazz eine interessante Strategie entwickelt. Pausen für Starter gibt es vor allem in den "gewinnbaren" Spielen, also jene die ohnehin kaum Aufmerksamkeit erregen. Teilweise treten die Jazz mit Lineups an, in denen keiner älter als 22 Jahre alt ist. Und doch haben die Jazz schon 15 Siege angesammelt, das wäre Stand jetzt sogar nur die sechstschlechteste Bilanz.
| Jahr | Pick | Spieler/Anmerkung |
|---|---|---|
| 2023 | 9 | Taylor Hendricks |
| 2023 | 16 | Keyonte George |
| 2023 | 28 | Brice Sensabaugh |
| 2024 | 10 | Cody Williams |
| 2024 | 29 | Isaiah Collier |
| 2025 | 5 | Ace Bailey |
| 2025 | 18 | Walter Clayton Jr. |
| 2026 | ? | Top-8 geschützt, ansonsten OKC |
| 2027 | ? | dazu Lakers-Pick (1-4 geschützt) |
| 2028 | ? | Tauschrecht mit Cleveland |
| 2029 | ? | Eigener Pick |
In einem tiefen Draft mit möglichen Franchise-Stars wie Darryn Peterson, Cameron Boozer oder A.J. Dybantsa kann das für einen kommenden Star zwar reichen, doch gesichert ist das nicht. Die Lottery-Reform der NBA ist nur bedingt erfolgreich, weil es Tanking kurzfristig weniger sinnvoll macht, dafür aber sorgt, dass mehrere Teams viele Jahre schlecht bleiben, weil ihnen das Glück bei den Ping-Pong-Bällen fehlte.
Utah ist auch nicht das einzige Team mit dieser Ausrichtung, auch Washington, Indiana, Brooklyn und vermutlich bald auch Sacramento werden in dieser Saison nicht mehr viele Spiele gewinnen (wollen). Am offensichtlichsten machen es weiter die Jazz, auch weil diese das Potenzial haben, mehr zu gewinnen. Sie wollen es aber gar nicht und das kann man verteufeln, allerdings ist die NBA so strukturiert, dass es töricht wäre, es nicht zu tun.
Robert Arndt
| 2030 | ? | Eigener Pick |
| 2031 | ? | Eigener Pick, dazu Suns-Pick |