vor 10 Stunden
Drei Erkenntnisse zu Spiel 1
Die New York Knicks haben Spiel 1 der NBA Finals in San Antonio für sich entschieden. Jalen Brunson spielt ein starkes viertes Viertel, Karl-Anthony Towns zeigt ungewohnte Stärken. Und: Hat San Antonio ein Guard-Problem? Drei Erkenntnisse zum ersten Finals-Spiel.

Jalen Brunson gehörten mit seinen 13 Punkten im vierten Viertel die Schlagzeilen, doch der eigentliche Matchwinner der New York Knicks war an diesem Abend Karl-Anthony Towns. Viele Jahre hätte niemand vom ehemaligen Top-Pick behauptet, dass er ein guter Verteidiger sei, doch in dieser Nacht gelang es ihm doch wirklich, die Kreise von Victor Wembanyama einzudämmen.
Dazu sei gesagt: KAT spielt am hinteren Ende des Feldes seine bisher beste Postseason und ist tatsächlich so etwas wie der Anker der besten Playoff-Defense. Spiel 1 war bislang aber der Höhepunkt für den Center, der Wembanyama kaum leichte Punkte schenkte. Zwar erzielte der Franzose 26 Punkte, traf aber nur 6/21 aus dem Feld. Gegen Towns scorte Wemby selten (2/12 FG im direkten Matchup) und zog auch nicht so viele Fouls gegen den Knicks-Star, wie man vor der Serie befürchten musste.
Nicht selten wurde Towns gegen Wemby isoliert und dort stand er seinen Mann und brauchte zumeist keine Hilfe. Und Wembanyama? Der wirkte bisweilen etwas übereifrig, wollte die Dinge zu sehr erzwingen und zerschellte an der Wand, die KAT vor ihm aufbaute.
Für die Knicks ist das ein klares Plus. Sie müssen nicht O.G. Anunoby auf Wembanyama abstellen, was ganz andere Matchup-Probleme verursachen würde. Sie müssen keine Hilfe bringen, was die Ballbewegung der Spurs erst so wichtig ins Rollen bringen würde. Solange Towns zumindest annehmbar bleibt, ist das ein Gewinn für New York und war auch einer der Gründe, warum die Spurs lediglich 36 Prozent aus dem Feld trafen.
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Towns nahm übrigens im vierten Viertel nur einen Wurf, seine zehn Zähler im dritten Viertel brachten die Knicks aber überhaupt erst in die Position, um das Spiel noch zu gewinnen. Mit bis zu 14 Punkten waren die Spurs im dritten Viertel noch vorne, doch in Windeseile waren die Knicks wieder und vor dem Schlussabschnitt war plötzlich alles offen.
Man konnte aus Spurs-Sicht Böses ahnen und genau das passierte dann auch. Jalen Brunson hatte da zwar schon 17 Punkte auf dem Konto, allerdings nur 7/22 geworfen und Probleme mit der physischen Defense der Spurs-Guards gehabt. Zwischenzeitlich musste der All-Star sogar in die Kabine, weil das Knie schmerzte - später war es auch der Knöchel.
Und doch hatte Brunson am Ende das letzte Wort. Über die letzten 8:50 Minuten erzielte kein anderer Knick mehr ein Field Goal, nur Mikal Bridges und O.G. Anunoby verwandelten in den letzten 90 Sekunden noch sechs Freiwürfe. Stattdessen machte Brunson 13 Zähler mit teils verrückten Würfen und bog das Spiel so endgültig noch um.
Das waren zwar nicht mehr die Knicks, die zuvor über Ball Movement alles in Grund und Boden spielten, doch New York brauchte in diesem zähen Spiel individuelle Klasse und Brunson lieferte diese, um das wichtige erste Spiel zu gewinnen. Am Ende standen schließlich 30 Punkte (12/31 FG) und nur zwei Assists im Boxscore.

Schon im Vorfeld der Serie hatten wir darüber geschrieben, dass die maximale Verlängerung von De’Aaron Fox wohl das Meisterstück von LeBron-Agent Rich Paul gewesen sei. Fox wurde zwar in dieser Saison All-Star, doch nur noch wenig erinnert an seine besten Jahre in Sacramento. Nun, Fox ist gerade einmal 28 Jahre alt, doch kleine Wehwehchen in den Playoffs bremsten den Spielmacher zuletzt aus.
Zur Erinnerung: Fox gewann vor einigen Jahren den Award Clutch Player of the Year, als er den Kings reihenweise Spiele im vierten Viertel gewann. Seine Kombination aus Speed und verbesserten Mitteldistanzwurf war kaum zu stoppen, davon sieht man derzeit aber kaum etwas. Fox kommt kaum noch zum Korb, sein ganzes Spiel ist vom Jumper abhängig und der fiel in Spiel mal wieder sehr mäßig (1/10 FG außerhalb Ringnähe).
Im Schlussabschnitt blieb Fox ohne Punkt (0/2 FG) und ohne Assists, dafür verbuchte er zwei Turnover und drei Fouls. Kurzum: Das war zum Schluss ein Totalausfall und dort setzte Coach Mitch Johnson bis zum bitteren Ende auf seinen Spielmacher. Zugegeben Dylan Harper war nach der Pause kaum besser, aber immer noch besser als Fox.
Harpers erste Halbzeit war brillant, nichts sagte, dass dies ein Rookie ist. Der 20-Jährige kam im Gegensatz zu Fox zum Korb, er verteidigte leidenschaftlich gegen Brunson und doch durfte der Youngster das Spiel nicht beenden. Eine zumindest fragwürdige Entscheidung und in jedem Fall eine Entwicklung, die man für die kommenden Partien im Auge behalten sollte.
Robert Arndt