vor 19 Stunden
Spurs siegen nach doppelter Verlängerung in OKC
Spiel 1 der Western Conference Finals zwischen den Oklahoma City Thunder und den San Antonio Spurs enttäuschte nicht. Im Gegenteil: Es war der Beweis dafür, dass diese beiden Mannschaften dem Rest der Liga enteilt sind.

58 Minuten, eine Brutto-Spielzeit von über drei Stunden. Das heiß erwartete Duell zwischen Oklahoma City und San Antonio enttäuschte nicht, es war Runde eins eines spektakulären Kampfes zweier Schwergewichte, in dem Victor Wembanyama das letzte Wort hatte.
Am Tag, als Shai Gilgeous-Alexander seine MVP-Trophäe erhielt, dominierte der junge Franzose mit 41 Punkten, 24 Rebounds und drei Blocks - Zahlen, die so zuletzt ein gewisser Kareem Abdul-Jabbar vor über 50 Jahren aufgelegt hatte. Die zweite Verlängerung gehörte dem Spurs-Star, womöglich war es ein Ausblick auf das, was der NBA in den kommenden Jahren blüht - absolute Dominanz.
Es fühlte sich an wie Wembys Welt, in der wir alle nur leben. In den letzten gut fünf Minuten gewann Wembanyama das Duell mit OKC im Alleingang 12:7 und blockte nebenbei auch noch einen Dunk von Jalen Williams. Sein Dreier zum Ausgleich in der ersten Verlängerung erinnerte an Stephen Currys ikonischen Wurf vor zehn Jahren - ähnlicher Spot, gleiches Resultat, nichts als Nylon.
Der 2,24-Meter-Mann kann auf dem Feld einfach alles. In Transition laufen, Eurosteps, Posterdunks, Alley-Oops verwandeln, weil er die obersten Stockwerke in der Luft alleine okkupiert. Dazu hatte der Größte auch die meiste Luft, auch in Spielminute 49 für den Franzosen waren kaum Verschleißerscheinungen erkennbar.
Das Duell mit SGA ging klar an Wemby, das Matchup mit Rivale Chet Holmgren entschied er deutlich, auch wenn die Thunder zumeist die kleineren Williams und Alex Caruso gegen Wemby stellten. OKC versuchte wirklich alles, änderte Verteidigungen im Minutentakt, war stets ultra-aggressiv und doch brach die jüngste Starting Five seit 14 Jahren nichts zusammen, weil Wembanyama den Laden zusammenhielt.
Manchmal wurde der verletzte All-Star De’Aaron Fox zwar vermisst, doch was Dylan Harper (20) und Stephon Castle (21) im Backcourt leisteten, kann man gar nicht hoch genug anrechnen. Ja, Castle leistete sich elf Ballverluste und traf unter höchstem Druck nicht immer die besten Entscheidungen, doch in der zweiten Verlängerung fand der Guard Wemby mit einem schwierigen Anspiel für einen Alley-Oop.
Schwerer als das Thunder-Matchup kann es für die beiden nicht werden und doch fanden beide Wege, um mitzuhelfen und um dann auf der Gegenseite auch noch MVP Gilgeous-Alexander zu ärgern. Castle verbuchte 17 Punkte und elf Assists, Harper 24 Zähler, elf Rebounds und satte sieben Steals.

Das Schöne an einer Serie: Die Thunder können nun ans Board gehen und sich rekalibrieren. Sie haben auf ihrer Bank weitere Alternativen, zum Beispiel den diesmal schwachen Ajay Mitchell, Shooter Jared McCain oder den galligen Cason Wallace. Womöglich findet Coach Mark Daigneault auch mehr Spielzeit für Isaiah Hartenstein, der nur zwölf Minuten ran durfte.
Auch das macht diese Serie, in der fast jeder Spieler verteidigen und im Angriff etwas beisteuern kann, so faszinierend. Die Spurs peitschen die Partie mit 7,5 bis acht Spielern durch, Devin Vassell spielte 51 (!) Minuten, während OKC zwölf verschiedene Akteure ausprobierten. Die Thunder haben mehr Optionen, die Spurs noch den verletzten Fox in der Hinterhand.
Dazu wird SGA auch Wege finden, um mehr und effizienter zu scoren. Spiel 1 war nur der Aperitif und der hatte schon mal gewaltig Bumms. Die hohen Erwartungen für die heimlichen vorgezogenen Finals wurden für den Moment erfüllt und es war das angekündigte Gigantenduell zweier Teams mit mindestens 62 Siegen (das gab es in einer Serie erst sechsmal). Der Champion ist gefordert, das Schachspielen kann beginnen - und der Rest der NBA kann nur staunend zusehen.
Robert Arndt