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    NBA

    vor 8 Stunden

    29-Punkte-Führung verspielt

    Gründe für den Spurs-Kollaps: Toxischer wird es nicht

    Was für ein Drama. Den New York Knicks gelingt gegen die San Antonio Spurs das größte Comeback der Finals-Historie, ein Tip-In von O.G. Anunoby veredelt das Comeback. Was passierte in der zweiten Halbzeit, dass diese Partie noch einmal so kippte? Eine Suche nach Antworten …

    Victor Wembanyama und De'Aaron Fox.
    Victor Wembanyama und De'Aaron Fox. Getty Images

    Diese New York Knicks darf man einfach nicht abschreiben. Nach dem 22-Punkte-Turnaround im vierten Viertel zum Auftakt der Conference Finals gegen die Cleveland Cavaliers packten die Knicks in Spiel 4 im Madison Square Garden gegen die San Antonio Spurs noch einen drauf.

    Gerade einmal 53 Sekunden führten die Knicks, lagen mit bis zu 29 Punkten hinten und doch haben die Knicks nun in der Nacht auf Sonntag deutscher Zeit die Gelegenheit, die erste Championship seit 53 Jahren zu feiern.

    Kalt, kälter, Spurs

    Ein Grund für die hohe Führung der Spurs war der Umstand, dass sie in der ersten Halbzeit gefühlt jeden Wurf trafen. Basketball kann in dieser Hinsicht trügerisch sein, weil jede Offense der Welt schön aussieht, wenn alle Sprungwürfe durch die Reuse flutschen. In Halbzeit eins verwandelten die Spurs 14/26 von der Dreierlinie und stellten damit einen neuen NBA-Rekord für die Finals auf. Dazu fielen auch beide Jumper aus der Mitteldistanz.

    Es war gewissermaßen klar, dass dies kaum haltbar ist. Die Regression war jedoch krasser, als man vermuten konnte. Nach der Pause standen da nur noch 3/17 von draußen. (Un)Glück spielt dabei eine Rolle, aber eben auch der Prozess dahinter. Freie Dreier entstehen zumeist über Penetration, womit Druck auf eine Verteidigung ausgeübt wird. Das bringt eine Defense in Nöte, dann muss sie reagieren und macht Fehler.

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    Dies geschah aber immer seltener und sinnbildlich dafür steht Unglücksrabe De’Aaron Fox. Er berührte den Ball in der zweiten Halbzeit 44-mal. Nur sechs dieser Touches waren jedoch in der Zone. Es zeigt, wie New York besser Druck ausüben konnte und die Spurs damit aus dem Konzept brachte.

    Wembanyama geht die Kraft aus

    Betroffen war davon auch Victor Wembanyama, der selten aus einer guten Position attackieren konnte. 3/14 FG in der zweiten Halbzeit sind schockierend, vor allem weil acht dieser Abschlüsse direkt in Ringnähe geschahen. Noch in Halbzeit eins hatte er Karl-Anthony Towns zwei schnelle Fouls angehangen und dessen Backup Mitchell Robinson mit dem Nasenring durch die Manege geführt.

    Davon war nach der Pause nicht mehr viel zu sehen. Wemby vergab einige leichte Punkte am Ring, ließ im vierten Viertel gleich drei von vier Freiwürfen liegen und wirkte schlichtweg ausgelaugt. Verwunderlich ist das nicht, da ein 2,24-Meter-Hüne eigentlich nicht so viel spielen sollte. Wembanyama stand aber 44 Minuten auf dem Feld, nach der Halbzeit erhielt Wemby nur noch eine Minute Pause.

    Die Knicks machten es in dieser Hinsicht auch clever. Die Hereinnahme von Jose Alvarado war ein Gamechanger, weil die Spurs Wemby oft beim Guard parkten. Der kleine Spielmacher setzte dann aber immer wieder Blöcke für Jalen Brunson, stiftete Unruhe und sorgte dafür, dass sich die Spurs-Defense, also vor allem Wembanyama, viel bewegen musste.

    Musste oft am Perimeter aushelfen: Victor Wembanyama
    Musste oft am Perimeter aushelfen: Victor Wembanyama Brad Penner

    Nicht selten war es Wemby, der Dreier verteidigen und damit jede Menge Meter gehen musste. Dazu kam, dass Towns durch seine Fouls in Halbzeit zwei ausgeruht war und den Franzosen ordentlich beackerte. 24 Punkte (9/25 FG) und 13 Rebounds waren es am Ende für Wemby, der damit erneut Topscorer der Spurs war.

    Das ist auch die Crux: Die Spurs brauchen jede Wemby-Sekunde, weil Luke Kornet in dieser Serie keinen Fuß auf den Boden bekommt und Rookie Carter Bryant noch nicht das volle Vertrauen hat. Immerhin: Alle kommenden Spiele haben stets zwei volle Tage Pause dazwischen, was vor allem die Spurs wegen Wembanyama bevorteilen sollte.

    NBA Finals: Die Serie im Überblick

    Die Crunchtime-Offense der Spurs

    Es war die große Furcht vor der Serie. Hat San Antonio einen veritablen Closer? Und bisher muss dies verneint werden. Zweimal haben die Spurs jetzt mit einem Punkt verloren, auch zum Auftakt war es im vierten Viertel lange knapp. Fox ist in dieser Hinsicht bislang eine Enttäuschung, seine Entscheidungen sind zumeist schlecht und die Knicks finden in jedem Spiel Wege, um den Guard aus seinem Rhythmus zu bringen.

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    In Spiel 4 war das vor allem Anunoby, der jegliche Drives im Keim erstickte und Fox nahezu anbettelte, lange Würfe zu nehmen (er ging unter fast jedem Block durch). Alles auf Fox zu schieben, wäre aber zu einfach. Ganz San Antonio erzielte schließlich nur 30 Zähler nach der Pause, 16 im vierten Viertel.

    Auch von Stephon Castle kam nicht viel, auch er leistete sich in der Schlussminute einen folgenschweren Ballverlust. Und Wembanyama fehlt weiterhin ein Go-to-Move, wenn der Sprungwurf nicht fällt. Vor allem gegen die Knicks, die in den vergangenen Jahren so viel Erfahrung in solchen Momenten gesammelt haben, kommt dies umso deutlicher zum Vorschein und bestätigt das Urteil von Spiel 2. Die Spurs haben das Talent für den Titel, sind aber auch zu grün hinter den Ohren.

    Jalen Brunson musste schwer für seine 36 Punkte ackern.
    Jalen Brunson musste schwer für seine 36 Punkte ackern. David Richard

    Der Knicks-Schachzug mit Alvarado

    Die Hereinnahme von Alvarado haben wir bereits angeschnitten, doch es bewirkte auch etwas anderes - und zwar entlastete es Brunson. Die Spurs machten in der ersten Halbzeit fantastisch gegen den All-Star, auch wenn dieser dort bereits 19 Punkte erzielte. San Antonio ließ ihn dafür aber hart arbeiten, nahm den Aufbauspieler schon unter dem gegnerischen Korb auf.

    So wurden Sekunden von der Wurfuhr heruntergenommen und Brunson musste immer ackern, um den Ball überhaupt in acht Sekunden über die Mittellinie zu bringen. Alvarado änderte dies, im vierten Viertel war es zumeist, der den Ball schleppte und Brunson so kleinere Pausen verschaffen konnte. Dies sind kleine Details, entfachten aber eine große Wirkung.

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    Robert Arndt

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