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    NBA

    vor 9 Stunden

    Warum auch der DBB profitieren könnte

    Große Sprünge, wenig Spektakel: Die Gewinner und Verlierer des Drafts

    Mit Spektakel hielt sich der Draft 2026 zurück. Dafür kommt ordentlich Talent in die Liga. Die Top 4 bleiben glücklich, sowohl aus Spieler- als auch aus Teamperspektive. OKC rüstet sich gegen steigenden Gehaltskosten - und Wemby? Die Lakers binden einen Leistungsträge und draften zudem passend zu Luka Doncic. Trauer gibt es bei Trade-Enthusiasten und eventuell Isaiah Stewart.

    Der Draft 2026 ist beendet.
    Der Draft 2026 ist beendet. Brad Penner

    Gewinner

    Washington Wizards und Utah Jazz

    Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die neuen Tanking-Regeln der NBA weder die Jazz noch die Wizards intensiver beschäftigen. Beide Franchises hatten das "Glück" größere Deals - Trae Young und Anthony Davis gingen nach Washington, Jaren Jackson Jr. kam zu den Jazz - getätigt zu haben, um kurz danach den ersten beziehungsweise zweiten Pick zu bekommen.

    So treffen die beiden Top-Talente des Drafts auf bewiesene Veteranen, die sowohl Utah als auch Washington ein Gerüst geben. Ob Davis bei den Wizards bleibt, muss sich noch zeigen. Mit Young hat AJ Dybantsa so oder so einen guten Ballverteiler an seiner Seite, der Washingtons Offense Struktur gibt. Ungemein wertvoll für einen Rookie-Scorer. Bleibt AD, gesellt sich ein exzellenter Verteidiger hinzu.

    Darryn Peterson trifft in Utah auf einen Frontcourt aus Lauri Markkanen und Jackson Jr., eventuell ist auch Walker Kessler noch da. Das nimmt Last vom Rookie, JJJ gibt defensiven Schutz. So können beide direkt produktiv sein, ohne permanent optimal liefern zu müssen. Das kann der Entwicklung helfen - und sowohl die Wizards als auch die Jazz sind mit ihren Trade-Verpflichtungen, dazu den beiden Top-Picks plötzlich Kandidaten für einen ganz großen Sprung; womöglich sogar in Playoff-Reichweite

    Oklahoma City Thunder

    Der Ex-Meister hat ja dieses Luxusproblem. Zu viele gute Spieler, dir irgendwann bezahlt werden wollen. OKCs Tiefe schlägt irgendwann auf den Salary Cap. Also müssen sich die Thunder womöglich vom einen oder anderen lieb gewonnen Rollenspieler trennen. Aaron Wiggins verschifften sie bereits nach Atlanta.

    Umso besser, dass sie mit Aday Mara und Bennet Stritz gleich zwei zogen, die sowohl direkt als auch perspektivisch helfen können. Mit 2,21 Metern kann sich Mara zu einem Gegengewicht zu Victor Wembanyma entwickeln. Natürlich ist er keinesfalls so gut und mobil, fühlt sich defensiv eher wohl, wenn er gegen schnellere Gegenspieler absinken kann. Dafür ist Mara ein kluger Passer und Finnischer am Ring. Stoppen würde er Wemby nicht. Mehr Länge hilft aber sicherlich.

    Stritz liefert als Guard wiederum Playmaking, was zu all den Scorern der Thunder passen sollte. Am Ende könnte OKC wieder zwei gefunden haben, die die Tradition aus günstigen, gleichzeitig wertvollen Rollenspielern fortführen; womit die Thunder an anderer Stelle sparen könnten, ohne zu viel Tiefe zu Opfern.

    Mara wurde an Position zwölf gedraftet.
    Mara wurde an Position zwölf gedraftet. Sports Illustrated via Getty Images

    Chicago Bulls

    Gewonnen hatten die Bulls im Grunde lange vor dem Draft. Im Moment, als ihnen der vierte Pick zuflog, konnten sie nichts mehr falsch machen. Sie mussten nur den aus den als klar besten eingeschätzten Vier nehmen, den die anderen übrig ließen. Dass Caleb Wilson mit seiner Länge, Athletic und Explosivität auch noch hervorragend zur Philosophie des neuen Vice President of Basketball Operations passt, macht das Glück perfekt.

    Size, Length, Athleticism, Physicality, SLAP, will Bryson Graham sehen. Viel athletischer als Wilson geht es fast nicht. Dazu kommt die Länge. Wie übrigens auch bei Dailyn Swain, den die Bulls mit dem 15. Pick auswählten. Als langer Guard kommt er exzellent zum Ring, ist explosiv, kreativ und kann attackieren.

    Übersetzt bedeuten die beiden Picks in Kombination mit der Verpflichtung von Nicolas Claxton, dass die Bulls endlich eine Richtung, eine klare Idee haben, der sie bedingungslos folgen. Allein das ist nach Jahren der Untätigkeit ein Riesengewinn.

    • Chicago Bulls: Alle Spieler, Verträge und Gehälter

    Morez Johnson Jr.

    In einer neuen, ungewohnten Umgebung jemanden an seiner zu wissen, der einen kennt und schätzt, gibt Sicherheit; und Morez Johnson könnte sich kaum sicherer fühlen. Einen Tag, nachdem sein College-Coach in Dallas anfing, zogen ihn die Mavs mit dem neunten Pick. Dusty May hätte sich auch für Yaxel Lendeborg oder Aday Mara entscheiden können, die beiden anderen, mit denen er die College-Meisterschaft gewann. Es wurde Johnson.

    Der Big ist also gewollt, was dafür spricht, dass er sowohl Spiel- als auch Eingewöhnungszeit bekommt, um in seine defensive Rolle hineinzuwachsen. Garantien gibt es natürlich keine, May dürfte seinem ehemaligen Schützling den Einstieg in die NBA jedoch deutlich erleichtern.

    Golden State Warriors

    Dass die Warriors Stephen Curry während seiner letzten Jahre noch einmal ein Meisterteam an die Seite stellen, wird immer unwahrscheinlicher. Der Kern ist einfach zu alt, die Konkurrenz zu jung dafür schon zu gut. Dass sich Jimmy Butler immer noch von seinem Kreuzbandriss erholt, hilft da natürlich nur bedingt. Yaxel Lendeborg eventuell umso mehr.

    Ein Star dürfte der Big nicht werden. Dass er an Position elf noch zu haben war, obwohl sein ehemaliger Coach mit Dallas an neun zog, ist für Golden State dennoch ein Glücksfall. Bei Saisonstart wird Leneborg 24 Jahre alt sein. Damit bringt er vielleicht nicht die Upside anderer (lies: jüngerer) Kollegen mit. Dafür sollte er schnell seinen Platz finden.

    Lendeborg scheint bereit zu sein. Defensiv ist er dank bei seiner Größe guter lateraler Geschwindigkeit vielseitig einsetzbar, verteidigt mehrere Positionen gut - und auch offensiv bietet Lendeborg den Warriors mehrere Optionen. Womöglich haben sie einen vielseitigen Komplementärspieler gefunden, der ihnen auf mehreren Ebenen helfen kann.

    Lendeborg wurde 2026 mit Michigan NCAA Champion.
    Lendeborg wurde 2026 mit Michigan NCAA Champion. IMAGO/ZUMA Press Wire

    Memphis Grizzlies

    Spätestens seit dem JJJ-Trade nach Utah haben die Grizzlies Klarheit: Sie bauen neu auf. Und wie baut es sich besser auf, als mit einem Gewinnertypen, der klugen Basketball spielt, Mitspieler effektiv einsetzt und gleichzeitig diverse Möglichkeiten kennt, selbst zu scoren. Dass nicht wenige Cameron Boozer trotz seiner athletischen Defizite als legitimen Nummer-1-Pick sahen, unterstreicht, wie gut der Big Man in allen anderen Bereichen ist.

    Im Optimalfall - und der könnte durchaus eintreten - haben die Grizzlies einen neuen Franchise Player, um den herum sie nun ein Team basteln können. Gleichzeitig dürfte Boozer auch den anderen helfen. Cedric Coward bewies während seiner Rookie-Saison bereits, wie gut und effektiv er neben guten Offensivspielern sein kann. Pass Boozer, Jumper Coward. Die Grizzlies haben nun nicht mehr nur einen klaren Weg, sondern womöglich auch einen Anführer, der sie anleitet.

    Zumal sie mit Isaiah Stewart für drei Zweitrundenpicks einen Big hinzubekommen, der nicht nur sehr gut verteidigen kann, der vor allem essenziell für die Identitätsbildung der Pistons war. Einem jungen Team in der Entwicklung kann das ungemein helfen.

    DBB

    Zwei Teams, fünf DBB-Spieler. Wobei sich natürlich noch entscheiden muss, ob Moritz Wagner als Free Agent in Orlando bleibt. Dass sich die Hornets mit den Picks 14 und 18 für Hannes Steinbach und Christian Anderson entschieden, könnte dem DBB-Team tatsächlich helfen.

    Zwei seiner möglichen Hauptprotagonisten über die kommenden Jahre spielen nun täglich miteinander, entwickeln dabei womöglich Automatismen, die sie zu den großen Turnieren mitbringen. Im Fußball spräche man von der allseits beliebten Blockbildung.

    Die Deutschen in der NBA

    SpielerTeam
    Franz WagnerOrlando Magic
    Moritz WagnerOrlando Magic (?)
    Tristan da Silva Orlando Magic
    Ariel HukportiNew York Knicks
    Jack KayilNew York Knicks
    Christian Anderson Jr.Charlotte Hornets
    Hannes SteinbachCharlotte Hornets
    Dennis SchröderCleveland Cavaliers
    Isaiah HartensteinOklahoma City Thunder (?)
    Maxi KleberLos Angeles Lakers

    Los Angeles Lakers

    Garantien gibt es Ende der ersten Runde natürlich nicht. Mit Cameron Carr drafteten die Lakers mit dem 24. Pick aber immerhin einen, der gut zu Luka Doncic passen könnte. Natürlich bleibt es bei spät gezogenen Talenten eine Frage der Entwicklung, doch Carr gilt als exzellenter Schütze, der Closeouts attackieren kann und sich dank seiner Athletik nicht einig auf seinen Wurf verlassen muss. Neben zum Ring rollenden Bigs braucht Doncic genau solche Spieler um sich herum. Am Ende profitieren eventuell alle.

    Zumal die Lakers rund um den Draft ihre größte Frage des Sommers beantworteten: Austin Reaves verlängerte für vier Jahre und 185 Millionen Dollar; und das, nachdem The Athletic einige Quellen zitierte, die die Pistons und Nets als ernsthafte Konkurrenz für den Free Agent bezeichnet hatten. Dennoch mussten die Lakers nicht die vollen gut 240 Millionen für fünf Jahre bezahlen, die maximal möglich gewesen wären.

    Nun besteht Planungssicherheit. Doncic und Reaves führen das Team zukünftig an. Was gut funktionieren kann. Trotz defensiver Fragezeichen war die Bilanz bislang positiv, wenn beide zur Verfügung standen. Womöglich genügte den Lakers ein Tag, um zwei große Themen - in Carrs Fall womöglich auf Sicht - anzugehen. Fehlt eigentlich nur noch eine Entscheidung von LeBron James.

    Doncic und Reaves sind das Backcourt-Duo der Zukunft für die Lakers.
    Doncic und Reaves sind das Backcourt-Duo der Zukunft für die Lakers. IMAGO/ZUMA Press Wire

    Verlierer

    Freunde wilder Wechselspiele

    Ob die neuen Tanking-Regeln bereits erste Konsequenzen provozieren, ist nicht ganz klar. Möglich ist es. The-Athletic-Draft-Experte Sam Vecenie zitiert einige Ligaverantwortliche, die von zähen Verhandlungen berichten: Sie selbst hätten sich gerne weiter nach vorne getradet und auch ein gutes Angebot in Form von Picks abgegeben. Nur um vom Gegenüber zu erfahren, dass es gern noch mehr hätte.

    Lektion: Die Liga scheint sich noch nicht ganz einig zu sein, wie viel Wert Picks in einer neuen Welt besitzen, in der nicht klar ist, ob eine überschaubare Bilanz tatsächlich Chancen auf ein Wahlrecht ganz vorne verspricht. Das könnte großen Deals im Weg gestanden sein.

    Denn tatsächlich passierte am Abend der ersten Runde, abgesehen von kleineren Rochaden in der Reihenfolge, nahezu nichts. Giannis Antetkounmpos Trade nach Miami und Julius Randles Wechsel nach Brooklyn am Tag zuvor waren mehr Ausnahme als Vorbote. Vorläufig vorbei die Zeiten, in denen große Namen am Draftabend Städte wechselten, und Draftpositionen behandelt wurden wie Spielzeug auf dem Flohmarkt, sind (vorläufig) vorbei.

    Isaiah Stewart

    Keiner war länger in Detroit. 2020 kam Isaiah Stewart zu den Pistons, sah, wie das Team abstürzte, um danach binnen kürzester Zeit aufzuerstehen. Wie es weitergeht, erlebt Stewart nun aus der Distanz. Statt mit den Pistons daran zu arbeiten, in den nächsten Jahren die Finals zu erreichen, geht es von vorne los. In Memphis begleitet Stewart den nächsten Rebuild rund um einen vielversprechenden Top-Pick.

    Nach den Erfahrungen der Playoffs scheinen die Pistons Paul Reed eine größere Rolle zuzutrauen. Stewart wurde damit verzichtbar. Zumal Detroit Gehalt einspart, das die Pistons womöglich verwenden wollen, um Cade Cunningham offensive Unterstützung an die Seite zu stellen.

    Reaves bleibt bei den Lakers. Gleichzeitig sollen die Pistons auch an Tyler Herro interessiert sein und trotz des Trades nach Milwaukee weiter Möglichkeiten haben, den Guard zu verpflichten. Womöglich sehen sie sich aber auch nach Shooting und Creation vom Flügel um, nachdem sie sich nach oben tradeten, um mit Ebuka Okorie einen explosiven, kreierenden, defensivschwachen Guard zu verpflichten. Stewart wird aus der Ferne zusehen…

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    Max Marbeiter