03.03.2026
Erkenntnisse zu den Spielen gegen Kroatien
Das zweite Länderspielfenster der WM-Qualifikation ist Geschichte. Gegen eine starke kroatische Mannschaft gab es für den Welt- und Europameister einen Sieg und eine Niederlage. Wir schauen, welche Lehren Bundestrainer Alex Mumbru aus dieser Woche ziehen kann.

Die Pflicht erfüllt, die Kür nicht ganz gelungen. Deutschland sicherte sich in Bonn zwar dramatisch zumindest den wichtigen Heimsieg, doch der direkte Vergleich gegen Kroatien ging verloren. So bleibt Deutschland Zweiter in der Gruppe E, hat sich aber schon vorzeitig für die zweite Runde qualifiziert.
Dort werden alle Ergebnisse mitgenommen, wenn man auch noch auf die besten Drei der Gruppe F um Polen, Lettland, die Niederlande und Österreich trifft. Die Ausgangslage ist also weiterhin gut. Dazu zeigten sich gewisse Trends in den beiden Spielen. Schauen wir an dieser Stelle mal drauf, wer sein Standing aufbessern konnte und wer sich nicht wirklich geholfen hat.
Der Japan-Legionär passt hier nur bedingt herein, weil er seit 2019 bei jedem großen Turnier mit dabei war. Der 32-Jährige bleibt eine Bank - sei es als Rollenspieler bei den Events oder diesmal als Go-to-Guy in den Quali-Spielen. Auf "JT" ist Verlass, in seinem 101. Länderspiel (der DBB zählt bereits 110, allerdings wurde Thiemann einige Male nicht eingesetzt) verbuchte der Big Man Bestwerte bei Minuten (34), Punkten (24) und Rebounds (12) im DBB-Trikot.
Die einzige Lehre ist, dass der Wechsel nach Japan Thiemann nicht geschadet hat. Im Gegenteil: Der Ex-Alba-Kapitän ist so für die Fenster verfügbar, auch wenn er dafür Meilen en masse sammelt. "Es war keine Frage, dass ich dabei bin", meinte Thiemann im Vorfeld - und der DBB kann sich über diesen Umstand glücklich schätzen.
Dass aus Kratzer kein Offensiv-Spieler mehr wird, ist bekannt. Dass der Bayern-Profi aber auch gegen Kroatien, ein Team, welches in Danko Brankovic nur einen echten Center mit dabei hatte, so blass blieb, ist dann aber doch erstaunlich. Gut zwölf Minuten wurde der Europameister zusammengerechnet eingesetzt und blieb dabei ohne Punkt und verbuchte ansonsten nur einen Assist und einen Block.
Kratzer ist zwar lang und kann hier und da Ringschutz bieten, aber zum schnellen Spielstil der Deutschen passt der 29-Jährige einfach nicht. Es verwunderte nicht, dass der Center in der zweiten Halbzeit nicht mehr eingesetzt wurde. Überhaupt machte es Norris Agbakoko in Zagreb etwas besser, dennoch wurde der Alba-Big schon vor dem Spiel in Bonn aus dem Kader gestrichen. Das mag eine Randnotitz sein, erwähnenswert ist es aber schon.
Der 27-Jährige wartet noch auf sein erstes großes Turnier, unter Gordon Herbert war der Ex-Berliner 2023 und 2024 zumindest im erweiterten Aufgebot, bevor er gestrichen wurde. In Spanien spielt der Forward eine gute Saison und auch in diesem Fenster konnte sich der gebürtige Hamburger erstmals so richtig empfehlen.
Olinde spielte hart gegen Mario Hezonja, tauchte immer wieder am offensiven Brett auf und verwandelte in Bonn vier Dreier. Dazu kamen wichtige Defensiv-Plays im vierten Viertel und in der Verlängerung, was ihn zum X-Faktor dieser Partie machte. Mit Franz Wagner, Isaac Bonga oder Tristan da Silva ist die Konkurrenz zwar riesig auf dem Flügel, dennoch ist es gut zu wissen, dass Deutschland hier weitere Alternativen hat.

Die Auswahl auf der Guard-Position ist weiterhin nicht üppig, vor allem wenn Dennis Schröder, Maodo Lo oder Youngster Christian Anderson fehlen. Im Sommer war Weidemann zwar erst der letzte Cut im EM-Kader, doch in dieser Saison läuft es auch im Verein für den Ulmer nicht. Der Aufbauspieler fehlte fast zwei Monate verletzt und ist weiterhin auf Formsuche.
Gegen Kroatien kam der 27-Jährige gegen den großen Druck der Kroaten überhaupt nicht zurecht und war auch in der Defense kaum ein Faktor. Weidemann ist zudem kein klassischer Spielmacher, sondern sucht eher selbst seinen Wurf und diese fallen schon das ganze Jahr nicht. Seine Bilanz aus zwei Spielen: Zwei Punkte (1/5 FG), vier Turnover, vier Fouls und drei Assists in 14 Minuten Einsatzzeit. Das ist zu wenig.
Der 20-Jährige hatte das Privileg, Deutschlands einziger gelernter Spielmacher zu sein. Entsprechend stand der Berliner 25 Minuten im Schnitt auf dem Feld und übernahm dabei auch jede Menge Verantwortung. Alles klappte nicht (10/26 FG, 5/17 Dreier), doch die Vision mit Kayil ist sichtbar. Er kann ein Spiel organisieren und jederzeit für sich selbst kreieren.
Davon gibt es im DBB-Team nicht viele, weswegen sich Kayil auch abhebt. Auch der Bundestrainer weiß das, entsprechend redete der Spanier den Alba-Guard bei Magenta Sport stark: "Er ist mein Sohn. (…) Ich vertraue ihm sehr. Er hat ein großartiges Spiel gespielt." So war es Kayil, der den 10:0-Lauf am Ende des vierten Viertels mit zwei selbst kreierten Sprungwürfen einleitete, eine Qualität, die er auch bei Alba immer wieder zeigte, bevor ihn eine Wadenzerrung etwas ausbremste.
Zusammen mit Anderson ist er die Zukunft im deutschen Backcourt, wenn Schröder und Lo mal kürzertreten werden. Doch auch in der Gegenwart ist Kayil bereits wichtig: "Er ist ein junger Point Guard. Aber sein Verstand ist der eines erfahrenen Point Guard", befand Mumbru. Ärgerlich aus deutscher Sicht: Kayil wechselt im Sommer ans College, entsprechend wird er in den Fenstern im November und Februar 2027 fehlen.
Robert Arndt