02.03.2026
Karrierebestwerte gegen Kroatien
Mit 41 Punkten in 58 Minuten avancierte Johannes Thiemann im Länderspielfenster gegen Kroatien zum Quali-Helden. Dabei feierte er erst vor wenigen Wochen sein Comeback.

Seine zweite Saison in Japan verlief bislang nicht ideal. Wegen Gehirnerschütterung und Rückenproblemen verpasste Johannes Thiemann mehr als die Hälfte aller Spiele. Erst vor wenigen Wochen konnte der ehemalige Albatros sein langersehntes Comeback feiern.
"Es ist immer kacke, wenn man nicht spielen und nur zuschauen kann", blickte der Big Man nun zurück. "Es war teilweise schwierig, die Zeit nicht in einer lauten Halle verbringen zu können. Aber jetzt geht's mir wieder gut und ich bin glücklich, dass ich wieder auf dem Feld bin."
Nach Verpassen des vergangenen Länderspielfensters im November feierte Thiemann nun ein doppeltes Comeback. Erstmals seit der Europameisterschaft stand er wieder in Deutschland auf dem Parkett. Eine Ehrung - weil Thiemann in der Zwischenzeit zudem sein 100. Länderspiel bestritten hatte - inklusive.
Nicht nur daneben, sondern auch auf dem Feld ließ es Thiemann ordentlich krachen. Bereits in Zagreb am vergangenen Freitag stellte er seinen persönlichen DBB-Bestwert von 17 Punkten ein. Im gestrigen Rückspiel fiel die Marke dann bereits kurz nach dem Seitenwechsel.
"Das ist cool. Es ist ein guter Tag", zeigte er sich nach Spielende in Bonn zufrieden. "Es hat mich auf jeden Fall gefreut, dass es so ein gutes Spiel für mich war." Gewohnt bescheiden schob er hinterher: "Das Wichtigste ist wirklich, dass wir einen Sieg geholt haben."
24 Punkte verbuchten die Statistiker letztlich für den 2,06 Meter-Mann, der über weite Strecken wie die deutsche Allzweckwaffe aussah. Vorn übernahm er, als die Offensive ins Stocken geriet. Hinten verteidigte er aufmerksam und nahm Kroatiens Ex-NBA-Star Dario Saric über weite Strecken aus dem Spiel.
Lob gab es entsprechend hinterher von den Teamkollegen. Oscar da Silva nannte Thiemann den "Go-to-Guy" der Mannschaft - ein Label, das dem Forwards bislang eher nicht angeheftet wurde, auch wenn er genau diese Rolle vor zwei Jahren bei Alba innehatte. Und doch war die Formulierung völlig berechtigt. Thiemanns Wirken habe die späte Aufholjagd eben auch aus taktischer Sicht begünstigt.
"Wir haben am Ende sehr gute Lösungen gegen die Switches gefunden, indem wir ihm den Ball im Mismatch gegeben haben. Er hat in der Zone die richtigen Reads gemacht, offene Würfe herausgespielt, ein paar Freiwürfe bekommen, Fouls gezogen."
Überraschende Anerkennung kam auch aus den USA. DBB-Kapitän Dennis Schröder postete - trotz eigenem Spiel wenige Minuten später - ein Bild des deutschen Spielausgangs auf Instagram und schrieb dazu: "JT is a bad man" - inklusive positiver Konnotation versteht sich.
Und auch dieses Lob ist gerechtfertigt, schließlich zeigte das Quali-Fenster erneut die gewachse Bedeutung Thiemanns für den deutschen Basketball. Trotz tausender Kilometer Entfernung war es für ihn "selbstverständlich" an den Partien teilzunehmen. In einer Phase, in der es zahlreiche Absagen hagelte, wog die Zusage des Routiniers umso mehr.
Und auch rein sportlich hat sich Thiemann immer weiterentwickelt. Als Perfektionist der Grundtugenden war er schon lange bekannt. Dass er auch im Eins-gegen-Eins verlässlich Lösungen findet, dagegen eher weniger. Mit seinen 41 Punkten in 58 Spielminuten trug er somit maßgeblich dazu bei, dass die deutsche Gemütslage bis Sommer ent- statt angespannt ist. Gleichzeitig hat Deutschland auch dank seiner Hilfe einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Weg nach Katar 2027 gemacht.
Julius Ostendorf