30.05.2025
Erneutes Aus in den WCF
Die Conference Finals endeten enttäuschend für die Minnesota Timberwolves. OKC war zu gut. Dazu hatten Anthony Edwards und Julius Randle teils massive Probleme. Der Weg zurück wird nicht leicht. Gleichzeitig gibt es durchaus Anhaltspunkte, dass die Wolves auch kommende Saison zur Elite zählen werden - vorausgesetzt ein paar Dinge ändern sich.

Die Minnesota Timberwolves haben Schwächen. Wie die Pacers und Knicks, die Celtics und Nuggets, selbst die Thunder. Perfekte Teams existieren in der NBA nur äußerst selten. Niederlagen mögen den Scheinwerfer exklusiv auf diese oder jene Schwäche, auf die Summe der Einzelteile des Scheiterns lenken, das Gute mit einem massiven Schatten überziehen. Dabei ist Fatalismus nur in den seltensten Fällen wirklich angebracht.
Sechs Teams standen in dieser und letzter Saison in den Conference Finals. Die Wolves waren beide Male dabei - und das unter komplett unterschiedlichen Vorzeichen. Wenige Monate nach den ersten Conference Finals seit 20 Jahren, schüttelte President of Basketball Operations Tim Connelly das Team einmal mehr ordentlich durch. Karl-Anthony Towns wechselte für Donte DiVincenzo und Julius Randle nach New York.
Ausgerechnet der, der vor allem gegen Nikola Jokic und die Nuggets eine wichtige Rolle gespielt und die Conference Finals mit ermöglich hatte, musste gehen. Ein Stretch Big ging, einer, der den Ball lang in Händen hält, Passen kann, dafür als wackliger Schütze gilt, kam. Das Gesicht der Wolves veränderte sich. Diverse Beobachtende sprachen zudem von einer auch finanziell motivierten Entscheidung. Towns besitzt für die Saison 2027/28 noch eine Spieleroption über gut 61 Millionen Dollar. Randles Vertrag könnte, sofern er seine Player Option über knapp 31 Millionen Dollar nicht zieht, bereits diesen Sommer auslaufen.
Einfach war Minnesotas Saison dann tatsächlich nicht. Der Start, das Spiel mit und um Randle holperte tatsächlich. Als der Forward von einer Verletzung zurückkehrte, gewannen die Wolves jedoch an Fahrt. Über die finalen Saisonwochen zählten sie zu den besten Teams der Liga und sprangen direkt in die Playoffs. Minnesota stellte sich seiner Herausforderung, überwand sie und gewann daraus Kraft.
"Es war definitiv eine herausfordernde Saison", sagte auch Coach Chris Finch nach dem Playoff-Aus. "Sie blieben aber dran. Sie hielten zusammen. Sie hielten zu mir. Es war nicht immer schön, aber als es darauf ankam, spielten wir unseren besten Basketball."
Tatsächlich dominierten die Wolves sowohl Runde eins als auch Runde zwei. In beiden Serien nutzte Minnesota seine Länge und Athletik, sein Shooting, seine Tiefe, seine Physis. Gefahr bestand nie. Dann kam OKC, problematischerweise ein Team, das ebenfalls eine potente Bank besitzt, ebenfalls groß ist, ebenfalls druckvoll verteidigen kann - und einen minimal weniger jungen Superstar besitzt, der gleichzeitig ein Stück weiter ist.
Shai Gilgeous-Alexander ist dort, wo Anthony Edwards eines Tages landen könnte, wahrscheinlich auch möchte. SGA steht nicht nur in den Finals, auf dem Weg dorthin durfte er den eigenen Fans die MVP-Trophäe präsentieren. ANT soll es einmal ähnlich gehen. Gleichzeitig, das illustrierten die Conference Finals, ist Edwards immer noch auf dem Weg.
Bereits nach Spiel 1 hatte Edwards angemerkt, dass 13 "f****** Würfe" einfach zu wenig seien. In Game 2 drückte er dann 26 Mal ab, das Resultat blieb dasselbe: OKC war zu gut. Spiel 3 glich einer Lawine. 16 Punkte und 5 Rebounds sammelte Edwards allein im ersten Viertel. Minnesota führte mit 20 und blickte nie wieder zurück. Für den Moment. Es war mehr kurzes Aufflackern als Wendepunkt. Sowohl für Edwards individuell als auch für die Wolves im Kollektiv. Spiel 4 gestalteten sie vor allem dank der Leistungen von Nickeil Alexander-Walker, Jaden McDaniels und Donte DiVincezo ausgeglichen, in Spiel 5 ergaben sie sich.

Eine untypische Reaktion. Sowohl für Edwards als auch für Minnesota. Gleichzeitig blieb eine schlichte Erkenntnis: "Sie waren das bessere Team", sagte ANT nach dem Aus. "Sie gingen da raus und schlugen uns, sie schlugen uns ins Gesicht und wir verloren das Spiel, verloren die Serie." OKC nichts entgegenzusetzen zu haben, ist in der NBA 2025 alles anderes als eine Schande.
Ob das Aus schmerze, wurde Edwards nach den Conference Finals gefragt. "Ich weiß nicht, weshalb Leute denken, dass es schmerzen sollte", antwortete er. "Für mich ist es aufregend. Ich bin 23. Ich kann das oft machen. Schmerz sei „ein ganz schlechtes Wort. Mir geht es gut." Für den Kontext: Mit 14 verlor Edwards sowohl seine Mutter als auch seine Oma an Krebs. Daher, so sagte er schon öfter, löst bei ihm nichts, was auf dem Basketballcourt passiert, Schmerz aus.
Enttäuscht sind die Wolves natürlich dennoch. Als es darauf ankam, hatten sie nichts mehr entgegenzusetzen. Gerade offensiv stand ANT, abgesehen von Spiel 4, oft allein da. OKC fokussierte seine Defense auf Edwards. Möglich war das, da kein anderer Wolf konstant für sich und andere kreieren, Druck auf eine Defense ausüben kann. Julius Randle, der zuvor hervorragende Playoffs gespielt hatte, konnte nicht helfen (17,4 Punkte bei 12 Würfen pro Spiel). So war Minnesota verhältnismäßig einfach auszurechnen - und in der Konsequenz zu bremsen.
Genau daran gilt es zu arbeiten. Edwards braucht Unterstützung, jemanden, der ihn entlasten, der defensive Aufmerksamkeit aufsaugen und gleichzeitig mit ihr zurecht kommen kann. Ein zusätzlich ordnende Hand, die Conley im hohen Basketballalter Arbeit abnimmt, Minnesota Ruhe geben kann, darf es ebenfalls sein. Dass er zu großen Schritten bereit ist, hat Connelly in der Vergangenheit gezeigt. Zuletzt mit dem Randle-, zuvor mit Rudy-Gobert-Deal. Wer weiß also, was der Sommer bringt.
Gleichzeitig stehen auch ohne lauten Deal große Entscheidungen an. Sowohl Naz Reid als auch Randle besitzen eine Player Option. Beide galten als klare Verlängerungskandidaten. Beide hatten während der Playoffs ihre Probleme. Randle gegen OKC, Reid beinahe in jeder Serie (mal mehr, mal weniger). Eine Perspektive haben beide wohl dennoch. Gerade Reid ist in und um Minneapolis zudem NAZ REID, viel mehr als nur einer der besten Sixth Men der Liga. Minnesota liebt seinen Big. Randle lernte es zu schätzen. Verlängerungen definitiv nicht ausgeschlossen.
Ähnliches gilt für Alexander-Walker, dessen Vertrag ausläuft, der in Spiel 4 (23 Punkte, 5/8 3FG) bewies, wie wertvoll er auch offensiv sein kann, der in Spiel 5 0 Punkte folgen ließ und gleichzeitig einer der besten Guard-Verteidiger des Teams ist. Eine Schwierigkeit: Mit 4,3 Millionen kamen die Wolves bei NAW bislang sehr günstig weg. Eine Verlängerung dürfte deutlich teurer werden. Bleibt abzuwarten, welchen Weg die neuen Besitzer Alex Rodriguez und Marc Lore einschlagen wollen.
| Spieler | Position | 24/25 | 25/26 | 26/27 | 27/28 |
|---|---|---|---|---|---|
| Rudy Gobert | Center | 43,8 | 35,0 | 36,5 | 38,0* |
| Anthony Edwards | Guard | 42,2 | 45,5 | 48,9 | 52,3 |
| Julius Randle | Forward | 33,1 | 30,1* | UFA | |
| Jaden McDaniels | Forward | 23,0 | 24,9 | 26,7 | 28,6 |
| Naz Reid | Center | 14,0 | 15,0* | UFA | |
| Donte DiVincenzo | Guard | 11,4 | 12,0 | 12,5 |
Grundsätzlich hoffen die Wolves jedoch auf inneres Wachstum. Für Rob Dillingham tradeten sie im vergangenen Draft nach oben. Dennoch sah der Point Guard kaum Minuten. Terrence Shannon bekam gegen OKC Spielzeit und rechtfertigte sie mit Defense und Angstlosigkeit.
Am Ende gibt es mindestens zwei Lesarten: Eine sieht Minnesota am Ende seiner Kapazitäten angelangt. Ein sehr gutes Team, das in die Conference Finals einziehen kann, dem aber das Talent für mehr fehlt, das zudem kaum Möglichkeiten hat, daran etwas zu ändern. Die positivere Perspektive sieht eine junge Mannschaft, deren Kern noch wachsen kann, zudem bereits Wachstum demonstrierte.
Edwards selbst sprach davon, "im Sommer härter arbeiten" zu wollen als alle anderen. Gleichzeitig notierte auch diese Saison große Sprünge. Einerseits war da der stark verbesserte Dreier, andererseits die Entscheidungsfindung. Gerade gegen die Lakers ging ANT souverän mit Double Teams um, passte konstant heraus und brachte so die eigene Offense ins Laufen. Auch gegen die Thunder spielte er nicht "Kopf gegen Wand". Er gab den Köder, statt etwas erzwingen zu wollen. ANT ist längst nicht perfekt, hätte sein Team durchaus mehr durch die Conference Finals tragen dürfen. Gleichzeitig demonstriert er einen konstanten Lernwillen und die Fähigkeit, Theoretisches in die Praxis zu übersetzen.
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Dass Jaden McDaniels in diesen Playoffs immer öfter auch offensiv Verantwortung übernahm, füttert ebenfalls die positivere Sichtweise. Als defensiver Anker auf dem Flügel machte er vier Mal mehr als 20 Punkte, traf wichtige Dreier. Gleichzeitig mangelte es an Konstanz. Zudem geriet McDaniels zu oft in Foulprobleme. Daran gilt es zu arbeiten.
Insgesamt hat sich Minnesota für den Moment an der Spitze der Liga etabliert. Die Wolves sind unangenehm zu spielen, lang, athletisch, schnell. Zudem haben sie einen veritablen Superstar an der Spitze. Gleichzeitig dürfte der Westen kommende Saison kaum schwächer sein. Im Gegenteil. Houston. Die Lakers. Die Spurs. Alle sind auf dem Sprung - und die Thunder sind auch noch da (und dürften über Jahre auch nicht verschwinden).
"Es ist enttäuschend für uns, enttäuschend für unsere Fans, in diesem Moment enttäuschend für jeden", sagte Conley nach dem Aus. "Aber wir arbeiten, wir machen die richtigen Dinge, wir kommen früh und gehen spät. Wir tun alles, was wir können, um uns für diese lange Saison und ihre Ups und Downs vorzubereiten. Wieder in diese Situation (Conference Finals, Anm. d. Red.) gekommen zu sein, sagt viel über unser Team aus, über unsere Coaches und die Widerstandsfähigkeit unserer Spieler über die Saison. Darauf müssen wir aufbauen, daraus müssen wir lernen." Auch dann werden die Wolves noch Schwächen haben. Am Ende sind sie deshalb längst nicht.
Max Marbeiter
| UFA |
| Mike Conley | Guard | 9,9 | 10,7 | UFA |
| Rob Dillingham | Guard | 6,3 | 6,6 | 6,9** | 8,8** |
| Nickeil Alexander-Walker | Guard | 4,3 | UFA |
| Terrence Shannon Jr. | Guard | 2,5 | 2,7 | 2,8** | 5,1** |
| Luka Garza | Center | 2,2 | 2,3** | UFA |
| Joe Ingles | Forward | 2,1 | UFA |
| Josh Minott | Forward | 2,0 | 2,2** | UFA |
| Leonard Miller | Forward | 1,9 | 2,2*** | 2,4** | UFA |