23.02.2026
"Herzensangelegenheit" von Erfolg gekrönt
Anton Gavel hat es erneut geschafft. Wie schon vor knapp drei Jahren mit ratiopharm Ulm führt der ehemalige deutsche Nationalspieler sein Team zu einem überraschenden Titel - und das mit seiner Liebe aus Bamberg.

Er hat es den Zweiflern gezeigt. Nicht wenige wunderten sich vor knapp zwei Jahren, als Gavel im März bekannt machte, dass er im Sommer den amtierenden deutschen Meister ratiopharm Ulm verlassen würde, um sich den Bamberg Baskets anzuschließen. Jene Bamberger, mit denen der ehemalige Guard sieben Titel in fünf Jahren abräumte, die aber nicht mehr viel mit der Hochzeit von Freak City zu tun hatte.
Geld ist in Franken inzwischen knapp, Gavel kam als Hoffnungsträger für einen Verein, der mit begrenzten Mitteln konkurrenzfähig bleiben musste. Der Star war ab sofort der Trainer, doch zaubern konnte der gebürtige Slowake auch nicht. Zwar erreichten die Bamberger im Pokal das Finale, doch in der Liga wurden die Franken nur Drittletzter. Nun der Sieg im Top Four - mit seinen Bambergern, für die Stadt, in der er seine Frau kennenlernte. "Ich würde das nicht Genugtuung nennen, weil ich mit meiner Familie zu 100 Prozent hinter dieser Entscheidung stand, doch das die Zeit nun mit einem Titel gekrönt wird, macht es umso schöner."
Als "Herzensangelegenheit" bezeichnete Gavel das Engagement, umso schöner für Gavel, dass sich im zweiten Jahr auch der Erfolg einstellte. Zwar betonte Geschäftsführer Philipp Höhne, dass es auch im Vorjahr schon gute Ansätze gab, im Sommer wurde dann aber gezielter rekrutiert und die Spieler sollten ein klares Profil haben.
"Wir wollten Spieler, die schon in ihrer Karriere in den Playoffs standen", erklärte Gavel. Durch die begrenzten Mittel mussten kleinere Ligen durchforstet werden. E.J. Onu kehrte aus Polen zurück, Zach Ensminger spielte zuletzt in Finnland, Richard Balint kam aus Tschechien. "Wir wollten Spieler, die solche Drucksituationen kennen und damit Erfahrung haben. Das hat uns im Vorjahr komplett gefehlt."
Im TOP FOUR zahlte sich das aus, sowohl gegen Bayern als auch im Finale behielt Bamberg in engen Spielen die Nerven. Ein wenig Glück braucht es natürlich aber auch. "Wir haben einfach eine sehr gute Truppe aufgebaut und ich glaube, dass unsere Reise noch nicht zu Ende ist", meinte Höhne. Die Postseason ist nun das Ziel, um im kommenden Jahr womöglich international zu spielen.

Aus finanzieller Sicht wäre das ein wichtiger Schritt, aber womöglich auch, um Gavel zu halten. Dass dieser nun Meister und Pokalsieger als Trainer ist, dürfte auch anderen Teams nicht verborgen geblieben sein. "Ich bin sicher, dass er sich damit nicht zufrieden geben wird", weiß auch Höhne, zu ehrgeizig, zu akribisch ist der Basketball-Junkie Gavel.
Kann Bamberg seinen Macher halten? "Er hat für das kommende Jahr Vertrag, aber im Basketball ist das ein sehr langer Zeitraum", so Höhne. "Von mir aus kann er aber gerne noch länger bleiben." Zusammen mit den Co-Trainern Arne Woltmann und Stefan Weissenböck bildet "Tono" weiter ein gutes Dreiergespann, dazu kommt natürlich der Faktor Familie und die von Gavel angesprochene "Herzensangelegenheit".
So oder so: Nach vielen schweren Jahren ist der Pokaltriumph ein Meilenstein in der Bamberger Basketball-Historie und vieles davon verdankt man Gavel, was auch Höhne so sieht: "Er war schon vorher eine Legende, aber heute hat er sich unsterblich gemacht."
jos