22.05.2026
Berliner müssen bei Rasta ein Spiel klauen
Zwischen Alba Berlin und Rasta Vechta steht es nach zwei Spielen des Viertelfinals 1-1. Die kommenden beiden Duelle in Niedersachsen werden nun zum Duell der Spielphilosophien.

Nicht nur über die Erfolglos-Serie des Berliner Trainers Pedro Calles war vor dem zweiten Viertelfinale vielfach berichtet worden. Auch Probleme nach eigenen Time-Outs wurden der Mannschaft des Spaniers attestiert. Der Druck lag durch den deutlichen wie hochverdienten Sieg von Rasta Vechta im ersten Spiel auch bei den Spielern der Albatrosse. Die hielten stand. Auch wenn die Hauptstädter den Sieg zum Serienausgleich am Ende ins Ziel zitterten, wechselt die Serie nun beim Stand von 1-1 nach Niedersachsen.
"Das erste Spiel hat uns gezeigt, dass wir niemals glauben dürfen, dass wir einfach nur mit Talent gewinnen werden", erklärte Martin Hermannsson nach Spiel 2 in der Mixed Zone im Bauch der Berliner Uber Arena. Folglich legten die Berliner von Beginn an eine andere Intensität an den Tag.
Defensiver Anführer war wie gewohnt Kapitän Jonas Mattisseck. Zwar hatte der Nationalspieler so schon früh im zweiten Viertel drei persönliche Fouls auf dem Konto, setzte aber immer wieder den Ton und riss seine Mitspieler mit. Die Gäste kamen dadurch kaum zu einfachen Zählern in der Zone. "An der Grenze zur Legalität" beschrieb Rastas Coach Christian Held Albas physische Verteidigung. "Wir haben viel zu lange gebraucht, um Lösungen dagegen zu finden und den Kampf anzunehmen."
Nach dem pomadigen Auftritt zum Auftakt in die Play-offs blieb den Berlinern aber auch wenig anderes übrig. Schon vor der Partie war der Druck auch im weiten Rund der Berliner Arena am Ostbahnhof spürbar, nach dem Motto: Verlieren verboten. Mit einem Serienstand von 0:2 wäre es in Vechta naturgemäß deutlich schwerer geworden. "Ich glaube, es ist wichtig, ein Spiel zu gewinnen in den Play-offs", betonte Mattisseck danach die mentale Komponente. "Es ist immer nicht leicht, so reinzukommen, gerade als besser gesetztes Team, wenn man das erste Spiel so verliert."
Besonders im letzten Viertel blitzte das Vechtaer Talent in der Offensive aber immer wieder auf. Trotz 17 Punkten Rückstand kam Vechta noch einmal auf zwei Punkte heran. Spiel 3 am Freitag dürfte damit auch zum Duell der Grundphilosophien werden. Schafft es Alba erneut durch sein Kollektiv, aus der Defensive heraus schnelle Abschlüsse und Ballbewegung zu generieren? Oder setzt Rasta mit seinem individuellen Talent seinen beeindruckenden offensiven Lauf fort?
"Im letzten Viertel haben sie 31 Punkte gemacht. Das ist ihr Momentum", erklärte Alba-Sportdirektor Himar Ojeda nach Spiel 2. "Das ist das, was sie schon seit 20 Spielen machen." Noch Ende Februar hatte Rasta Platz 16 belegt. Nach der Länderspielpause gelangen dann zwölf Siege in 16 Spielen. Ganze acht Mal knackte Rasta dabei die Hunderter-Marke.
"Nur" 85 Zähler waren es in Spiel 2 bei einer schwachen Quote aus dem Feld von 38 Prozent. Im ersten Spiel waren es noch 56 Prozent Feldwurfquote gewesen. Inklusive eines überragenden Tevin Brown (30P). Gerade einmal vier Zweier trafen die Gäste dagegen in der ersten Hälfte von Spiel 2. Entsprechend hatte Coach Held nur ein "okayes Spiel" seiner Mannschaft gesehen.

Die vielen Berliner Turnover (19) blieben entsprechend ungestraft. "Schreibt, was ihr wollt. Ich bin glücklich, dass wir diesen Sieg haben", betonte Hermannsson. "Wir freuen uns jetzt auf ein paar Tage auf dem Land." Nach Niedersachsen reisen die Berliner nun mit breiterer Brust: "Es gibt uns wirklich Selbstvertrauen, zu sehen, dass wir so ein Spiel für uns entscheiden können, auch wenn dann am Ende nicht mehr alles zu unseren Gunsten läuft", pflichtete Mattisseck dem Isländer bei. Zum Ende der Hauptrunde hatte Alba in drei knapperen Spielen gegen Oldenburg, München und Chemnitz jeweils in der Crunchtime den Kürzeren gezogen.
Den ultimativen Druck, auswärts zwei Siege zum Überleben zu benötigen, haben die Hauptstädter nun nicht. "Wir fahren mit der Mission nach Vechta, ein Spiel zu klauen", erklärte Trainer Calles. Der kam in Spiel 2 gar komplett ohne eigene Auszeit aus. Eine Niederlage darf sich Alba theoretisch noch leisten, leicht wird es im Rasta-Dome nicht werden. Interesse an einem ultimativen Showdown in Spiel 5 dürften die Berliner dennoch nicht haben - und entsprechend auch im dritten und vierten Aufeinandertreffen mit der nötigen Intensität ins Spiel gehen.
Amadeus Wolff