vor 7 Stunden
Calles' Fluch endet vor Franz Wagners Augen
Nach dem schwachen Auftritt in Spiel 1 spielte sich Alba Berlin im zweiten Viertelfinale gegen Rasta Vechta phasenweise in einen Rausch, musste dann aber noch einmal zittern. Die Frage nach dem "Wie?" interessierte danach aber keinen mehr. Genau wie das Ende der Horrorserie von Coach Pedro Calles.

Am Ende wurde Spiel 2 des Viertelfinals zwischen Alba Berlin und Rasta Vechta doch noch einmal knapp: Sah noch tief im dritten Viertel bei 17 Punkten Vorsprung alles nach einem klaren Sieg für die Gastgeber aus, schrumpfte die Führung im Schlussviertel Punkt um Punkt. TJ Bamba verkürzte bei 35 Sekunden auf der Uhr auf 83:85 aus Vechtaer Sicht, spätestens zu diesem Zeitpunkt war die Beunruhigung in weiten Teilen der Halle zu spüren.
Nach dem Dagger von Justin Bean 13 Sekunden vor Schluss war die Partie dann aber gelaufen zugunsten von Alba. Für Pedro Calles endete damit eine unrühmliche Serie: Als Coach war er in 16 Play-off-Spielen am Stück sieglos geblieben. Bei seinem letzten Erfolg in der Postseason hatte er noch als Trainer des Play-off-Gegners Vechta gewirkt. Große Bedeutung wollte er dem Ende des persönlichen Fluchs aber nicht beimessen: "Es geht nicht um mich, es geht um die Serie", betonte er nach der Partie in der Mixed Zone.
In Spiel 2 war der zwölfmalige Meister mit deutlich mehr "Effort" als noch zwei Tage zuvor gegangen. Aus Sicht von Calles der "Hauptfaktor" für die deutliche Auftaktniederlage: "Wir haben es ihnen heute unbequem gemacht, was wir im ersten Spiel nicht gemacht haben."
Martin Hermannsson ergänzte: "Das war nicht, wer wir sind. Das war nicht, wofür wir stehen", erklärte der Isländer. "Wir haben gesagt, wir wollen mit unserer Identität spielen. Hoffentlich lernen wir davon und es wird nicht wieder passieren."
Dass man zwischendurch nur mit neun oder zehn Spielern habe trainieren können, wollten die Albatrosse nicht als Ausrede für den Auftritt in Spiel 1 gelten lassen. Nach seiner leichten Gehirnerschütterung war Malte Delow wieder dabei. Der Nationalspieler fügte sich mit einem erfolgreichen Floater direkt gut in die Partie ein, blieb danach aber kalt (0/3 3P).
Schon der Start in die Partie gelang Alba aber deutlich besser: Nach wenigen Minuten stand es 12:5 zugunsten der Gastgeber, der Ball lief in der Offensive deutlich flüssiger. Zudem stand die Defensive sattelfester, wodurch immer wieder Fastbreaks gelangen. Dass es nach dem ersten Viertel dennoch 23:21 zugunsten der Gäste aus Vechta stand, lag an einem Mann: Tevin Brown. Nach seinen 30 Punkten in Spiel 1 lief der Guard zu Beginn ebenfalls heiß und stand nach 10 Minuten in der Uber Arena bereits wieder bei 14 Punkten.

Angeführt von Jack Kayil, der Topscorer Norris Agbakoko (17 Punkte) schon früh im Spiel sehenswert über das Brett assistierte, beim eigenen Abschluss aber immer wieder Pech hatte (14P, 4/14 FG), und Hermannsson (14P, 4R, 7A) kamen die Berliner immer wieder in ihr schnelles Spiel. Vor der Partie war Kayil offiziell als bester Nachwuchsspieler der Liga geehrt worden.
Nachdem 12 Turnover vor der Pause eine höhere Führung verhinderten, spielten sich die Berliner im dritten Spielabschnitt vor den Augen von Ex-Albatros Franz Wagner in einen Rausch: "Unser Gameplan, was wir ausgehend von der Verteidigung machen wollten, hat funktioniert", lobte Hermannsson. "Die Energie war bei uns." Trotzdem musste er auch einwenden: "Sie haben wieder angefangen, schwierige Würfe zu treffen. Dennoch hätten wir es früher zumachen können."
Die Frage nach dem "Wie?" interessierte nach der Partie dann aber keinen mehr: "Wir haben unsere Hausaufgaben heute gemacht", betonte Kapitän Jonas Mattisseck. "Hut ab an die Mannschaft und an die Fans heute. Wir reisen jetzt mit breiter Brust nach Vechta."
Amadeus Wolff