17.02.2026
Nur noch zwei Monate bis zur Postseason
Nach der All-Star-Pause biegt die NBA-Saison recht schnell auf ihre Zielgerade ein. Die Spreu trennt sich vom Weizen, über die kommenden knapp zwei Monate bis zum Playoff-Start kristallisieren sich endgültig die Contender heraus. Diese Spieler könnten dabei entscheidende Rollen einnehmen.

Der große, von vielen erhoffte Knall blieb in Detroit zur Trade Deadline aus. Ein zweiter echter Star wurde nicht geholt, stattdessen verließ sich das beste Team der Eastern Conference offensichtlich darauf, von innen heraus "genug" zu haben, um die Finals zu erreichen. Und holte in Kevin Huerter stattdessen nur einen Ergänzungsspieler für die Rotation.
Dieser könnte aber durchaus wichtig werden. Detroit beschäftigt in seiner Starting Five bloß einen designierten Shooting-Spezialisten (Duncan Robinson), der für die Offense daher entsprechend unverzichtbar ist (der Angriff ist um +9,6 Punkte pro 100 Ballbesitze besser, wenn der Ex-Heatle spielt). Kühlt er ab, kann die Offense schnell ganz schön dürftig aussehen.
Und selbst mit der guten Saison, die Robinson spielt, haben die Pistons eine der niedrigsten Dreier-Raten der Liga. Huerter sollte daran eigentlich etwas ändern. Und: Anders als Robinson ist er physisch etwas stabiler, auch defensiv eher zu gebrauchen, was in den Playoffs sicherlich wichtig werden könnte, wo individuelle Schwachstellen viel gnadenloser attackiert werden.
Das Problem an der Sache? Huerter, der in Chicago schon nicht gerade "on fire" war (Career-Low 31,4% Dreier in dieser Spielzeit), hat in Detroit bisher nicht aus seinem Loch herausgefunden (1/9 über vier Spiele). Über seine Karriere sind es 37% - dass er es viel besser kann, ist eigentlich bewiesen. Es würde den Pistons aber sehr helfen, wenn er damit nach der Pause schnell wieder loslegen würde.
Die beiden Forwards gehören gewissermaßen zusammen. Die vielen Ausfälle (unter anderem) Gordons haben mit dazu beigetragen, dass Watson - bevor er sich selbst verletzte - zu den Favoriten auf den Most Improved Player-Award zählte.
Seit Jahren für seine gute, oft spektakuläre Defense bekannt, machte Watson in dieser Spielzeit riesige Schritte hin zu einem auch offensiv wirklich verlässlichen Teil der Rotation, der den Dreier sicher trifft (41,7%), aber auch mit dem Ball in der Hand viel souveräner und gefährlicher wirkt als in seinen ersten drei Karriere-Jahren.
Über den Januar legte Watson 22 Punkte im Schnitt auf, fast exakt doppelt so viele wie noch im November. Kann Watson sich diese neue offensive Kompetenz - und die Spielanteile - auch dann beibehalten, wenn das Team irgendwann wieder vollständig sein sollte? Würde er einen Schritt zurück akzeptieren?
Anders als sein Draft-Jahrgangskollege Christian Braun hat Watson noch keine lukrative Vertragsverlängerung unterschrieben, sein Rookie-Deal endet im Sommer - er hat also auch finanziell großen Anreiz, auf dem zuletzt gezeigten Level weiterzumachen. Was den Nuggets sicherlich auch gefallen würde.

Auf der anderen Seite haben die vergangenen Monate auch gezeigt: Denver ist resilient und tief genug, um viele Ausfälle aufzufangen. Die Team-Defense allerdings ist ein Problem-Kind, und das hat vor allem mit Gordons Fehlen zu tun. Die Nuggets erlauben 120,6 Punkte pro 100 Ballbesitzen in den Minuten ohne Gordon - über die Saison gesehen wäre das die viertschlechteste Defense der Liga. Das reicht nicht, um Meister zu werden.
Bei aller neu gewonnenen Tiefe und Qualität wirkt es recht offensichtlich, dass Gordon ein prominenter Teil der Verlosung sein muss. Dass er sich nun schon wieder inmitten einer langen Pause aufgrund einer Oberschenkelverletzung befindet, muss dem Team Sorgen bereiten. Ist sein Körper dazu imstande, einem tiefen Playoff-Run standzuhalten?
Apropos Problem-Kind: Die in den ersten Saisonwochen beste Offense der Liga Houstons ist seit Anfang Januar die drittschlechteste der NBA … und sie sieht auch danach aus. Zu viel Isolation, zu wenige Dreier, zu viele Turnover, zu wenige Assists - und die einst so beispiellose Dominanz am offensiven Brett ist auch nicht mehr auf dem Level, auf dem sie mit Steven Adams noch war.
Was dabei auch nicht half: Sheppard befand sich in einem ziemlich intensiven Slump, ehe er sich kurz vor der Pause gegen die Clippers ein wenig freispielte. Im Jahr 2026 trifft der Guard bisher keine 40% aus dem Feld, der starke November (15,2 PPG, 67% True Shooting) ist lange vergessen.
Die Rockets brauchen Sheppard jedoch, angesichts der aufgezählten Probleme. Neben Kevin Durant ist Sheppard der beste Shooter im Team, außerdem ist er näher dran am "traditionellen" Point Guard als jeder andere aktive Teil des Rosters. Gut möglich, dass er nach den All-Stars KD und Alperen Sengün bereits der beste Offensivspieler der Rockets ist, trotz seiner Probleme, trotz der Tatsache, dass er sich erst in Jahr zwei befindet und im ersten Jahr kaum spielte.
Dass die Rockets ihn so brauchen, sagt einiges über ihre wohl etwas zu wing- und defensivlastige Kaderkonstruktion aus, und über das Fehlen von Fred VanVleet natürlich. Nachdem Houston keinen großen Deadline-Trade einfädelte, ist das nun aber die Realität: Die Rockets brauchen Sheppard, wollen sie eine vernünftige Playoff-Offense produzieren.
Der wohl größte individuelle X-Faktor der Restspielzeit … wie hier ausführlich beschrieben. Gewissheit bezüglich eines Comebacks gibt es zwar weiterhin nicht, Jaylen Brown sagte am All-Star-Weekend aber immerhin schonmal, dass Tatum "verdammt gut" aussehe. Wir sind gespannt.
Sind die Spurs schon ein echter Contender? Oder ein Team, das bald einer sein wird, aber zuvor noch ein paar Enttäuschungen erleben muss? Während die Metriken aktuell für Ersteres sprechen, legt die Vergangenheit eher Letzteres nahe; nach sechs verpassten Postseasons in Folge marschieren Teams in der Regel nicht direkt durch die ganzen Playoffs.
Was im "Big Picture" völlig okay wäre - die Spurs sind blutjung, die Zukunft soll ihnen gehören. Auch wegen den jungen Guards, die dem Team schon in dieser Spielzeit viel Freude bereiten. Stephon Castle war in seinem zweiten Jahr bereits gar nicht mal so weit von einer (Nach-)Nominierung für das All-Star Game entfernt.

Er teilt sich jedoch ein Problem mit Harper, der seinerseits kurz vor der Pause aus einem Slump wieder herausgefunden hat (in 9 von 15 Januar-Spielen scorte er einstellig). Beide sind trotz aller Qualität sehr wacklige Schützen. 28,8% trifft Castle aus der Distanz, bei Harper sind es sogar bloß 25,2%.
Das muss nicht ihre Karrieren definieren, sieht Stand jetzt aber wie ein großes Problem aus, wenn die Postseason beginnt und der defensive Druck um einiges steigen wird. Es wird generell sehr interessant zu sehen, wie die Spurs-Offense (aktuell die siebtbeste der Liga) dem großen Playoff-Stresstest standhalten wird.
Wie sieht der Konter aus, wenn das Spiel verlangsamt wird, Victor Wembanyama vom Korb weggedrängelt wird und die Defense von Spielern wie Harper und Castle absinkt? Daran könnte sich entscheiden, was für die Spurs schon in diesem Jahr möglich sein wird.
Dass Embiid ausgerechnet jetzt, wo ihn die halbe Basketball-Welt schon abgeschrieben hatte, auf einmal einem tiefen Playoff-Run standhalten soll, scheint irgendwie unrealistisch. Auch in der Regular Season hat er bisher nicht mehr als sechs Spiele am Stück gemacht. In den späteren Runden wird an jedem zweiten Tag gespielt, dass die Postseason die reinste Abnutzungsschlacht ist, ist ja hinlänglich bekannt. Das klingt nicht nach Embiid.
Vielleicht brauchen die Sixers aber ja nur eine Runde, um einem anderen Team die Planungen zu versauen. Sie sind eine Wundertüte, aber sie sind, wenn vollzählig, auch weiter eins der talentiertesten Teams im Osten. Ein Team, das etwa in ein 3-6-Matchup gegen die Knicks, das Stand jetzt anstehen würde, mit Embiid sicherlich nicht chancenlos hineingehen würde.
| Saison | Punkte | Rebounds | Assists | Blocks |
|---|---|---|---|---|
| 2022/23 | 33,1 | 10,2 | 4,2 | 1,7 |
| 2023/24 | 34,7 | 11,0 | 5,6 | 1,7 |
| 2024/25 | 23,8 | 8,2 | 4,5 | 0,9 |
| 2025/26 | 26,6 | 7,5 | 3,9 | 1,1 |
Embiid hat zwar defensiv bei weitem nicht mehr den Impact früherer Tage. Ein nahezu automatischer Scorer ist er trotzdem weiterhin. Sein Midrange-Jumper, seine Freiwürfe, seine imposante Physis lassen ihn noch immer im Vorbeigehen 30 bis 40 Punkte erzielen, wann immer er lange genug auf dem Court steht.
Die Sixers sind nun zwar Tyrese Maxeys Team, richtig gefährlich sind sie aktuell aber eben nur dann, wenn dessen Speed mit Embiids Power aufeinandertrifft. Über die Spielzeit steht ihr Net-Rating bei exakt 0 - in den Maxey/Embiid-Minuten allerdings legen die Sixers Contender-Werte auf (+8,3). Worauf man sich sicher nicht lange verlassen sollte … aber in ein oder zwei Runden?
Ihre Krise haben die Knicks abgehakt, vor der Pause gewannen sie zehn von zwölf Spielen und schafften es dabei sogar, defensiv mal richtig gut auszusehen (die beste Defense der NBA seit dem 20. Januar). Das hatte zwar auch viel mit dem gegnerischen Shooting zu tun, eine Verbesserung war jedoch einigermaßen offensichtlich feststellbar.
Towns jedoch ist dabei nur bedingt aus seiner eigenen Krise herausgekommen. KAT erledigt zwar seinen Teil als Rebounder, seine offensiven Zahlen liegen aber schon die gesamte Saison über deutlich unter dem gewohnten Niveau; er erzielt die wenigsten Punkte seit seinem Rookie-Jahr (19,8), auch seine True Shooting-Quote war nur damals schlechter (59,4%). Der Februar war bisher zwar etwas besser als der Januar, selbst in den sechs Spielen vor der Pause traf der selbsterklärte "beste Shooting Big aller Zeiten" aber nur ein Viertel seiner Dreier.

Die gute Nachricht ist, dass die Knicks trotzdem gewannen, und dass Towns nach Miles McBride über die Saison gesehen sogar ihr Spieler mit den besten On/Off-Werten ist (+7,8). Die Gravity als Shooter behält er selbst dann, wenn der Wurf mal nicht fällt; auch defensiv scheint Mike Brown die richtige Coverage gefunden zu haben, um mit dem manchmal abenteuerlichen Verteidiger Towns gut zu funktionieren.
Es ist trotzdem nicht von der Hand zu weisen, dass die Knicks in dieser Spielzeit bisher bei weitem nicht die Bestform von Towns zu sehen bekommen. Wahrscheinlich muss sich das ändern, wenn sie ihre ambitionierten Ziele erreichen wollen. Dass KAT ansonsten (wieder) die Rolle des Sündenbocks einnehmen würde, zeichnete sich bereits über die Wochen vor der Trade Deadline ab, in denen sein Name immer wieder Teil diverser Gerüchte wurde.
Die Contender im Westen hielten zur Deadline überwiegend die Füße still; gut möglich, dass Dosunmu bereits der wichtigste Neuzugang all dieser Teams war, obwohl er in Minnesota vermutlich nie starten wird. Er hat dennoch die Chance, eine zuletzt etwas unrunde Rotation abzurunden und das Team aus dem Winterschlaf zu führen, den die Wolves über die letzten Wochen abhielten.
Dosunmu ist ein Energizer, dessen Motor nie auszugehen scheint und der insbesondere in Transition Gefahr ausstrahlt. Er spielt stets hart, in gewisser Weise ähnlich wie Nickeil Alexander-Walker, den er in Minnesota idealerweise ersetzen soll (auch wenn er bisher nie dessen Niveau als Flügelverteidiger erreichte).
Vor allem ist er ein weiterer Guard; Minnesota hatte zu wenige davon, in jedem Fall solche, denen Coach Chris Finch vertraute (diesen Status erreichte Rob Dillingham nie). Dosunmu ist kein Point Guard, aber wenigstens ein weiterer fähiger Ballhandler, der etwas Last von Anthony Edwards nehmen kann und der Bank-Lineups mit Naz Reid und Julius Randle verankern könnte.
Ob er die manchmal etwas frustrierende Lethargie der Timberwolves im Alleingang besiegen kann, ist nicht gesagt, aber ein Spieler wie er sollte in dieser Hinsicht zumindest helfen. Die Top 7, die Minnesota mit ihm nun hat, muss sich eigentlich vor keinem Team verstecken. Kommen die Wolves aus ihrem Slump der letzten Wochen heraus, könnten sie nach OKC und Denver der dritte Top-Contender im Westen sein oder werden.
Auf der einen Seite sind J-Dub und Chet, nun beide zertifiziert als All-Stars, bereits zu gut für den X-Faktor-Status und ja auch bewiesen, schließlich waren beide elementar für den Titel in der vergangenen Spielzeit. Da OKC das Kunststück jedoch wiederholen will, müssen beide hier zumindest kurz beleuchtet werden.
J-Dub ist aufgrund mehrerer Verletzungen, allen voran seinen anhaltenden Handgelenksproblemen, bisher schlichtweg nicht so gut wie im Vorjahr, als er es ins All-NBA Third Team schaffte. Er bleibt ein großartiger, vielseitiger Verteidiger, seine Offense hat jedoch gelitten, sowohl aus dem Zweier- als auch dem Dreierbereich ging die Effizienz etwas zurück.

Dabei schließt er sogar etwas häufiger am Ring ab, der Jumper fällt aber bisher aus jedem Bereich eine Ecke schwächer als in der vergangenen Spielzeit. Dass ihm Rhythmus fehlt, ist dabei kein Zufall: Unmittelbar vor der All-Star-Pause fiel Williams wieder in elf von 13 Spielen aus, zuletzt meldete sich eine vermeintlich auskurierte Oberschenkelverletzung wieder.
Holmgren hat diese Probleme nicht, in 49 von 56 Spielen war er dabei, und zeigte in diesen Spielen den bisher besten Basketball seiner Laufbahn, mit dramatisch verbesserter Zweierquote (65,4%) und mehr Balance im Spiel, abgesehen von der ohnehin großartigen Defense. Seine Saison liefert wenig Gründe zum Meckern - von einem Makel abgesehen.
Holmgren ist bisher nicht wirklich in der Lage, offensiv einen Gang hochzuschalten, wenn die Situation es erfordert und andere Scoring-Optionen wegfallen, wie es in den vergangenen Wochen oft passierte. Seine Offense sieht deutlich schwächer aus, wenn Shai Gilgeous-Alexander nicht mit auf dem Court steht.
Die Wurfversuche gehen bloß marginal hoch, bei deutlich schwächeren Quoten allerdings. Bei Williams ist das etwas anders, der hat allerdings auch bereits mehr Erfahrung mit dieser Rolle, in den Minuten ohne Shai für Offense sorgen zu müssen … wenngleich er sie auch nicht direkt gemeistert hat.
Bei all ihrer Tiefe haben die Thunder auch in dieser Spielzeit eine schlechte Offense (112,2 Punkte pro 100 Ballbesitzen), wenn Shai nicht auf dem Court steht. Selbst dann, wenn die anderen beiden Stars des Teams auf dem Court stehen (112,4). Das war im Vorjahr nicht anders, sollte aber eigentlich der Bereich sein, in dem sich die Thunder 25/26 am meisten weiterentwickeln. Zumal mit Ajay Mitchell nun ja auch noch ein weiterer Driver von Offense Teil der Rotation geworden ist.
Bisher ist der Effekt trotzdem ausgeblieben. Was nicht dramatisch sein muss, weil die Defense in all diesen Szenarien immer noch so überragend ist, dass OKC seine Minuten überwiegend trotzdem gewinnt. Solange die Thunder diesen Teil ihrer Offense jedoch nicht optimiert kriegen, wirken sie verletzlicher, als es ihre Bilanz und ihr Net-Rating möglicherweise andeuten.
Ole Frerks