15.04.2026
Wie stehen ihre Titelchancen?
Sieben Deutsche starteten in die NBA-Saison 2025/26 - alle sieben sind nun auch in der Postseason am Start. Ein Trio muss allerdings noch um die Playoffs zittern. Für Isaiah Hartenstein lautet das Ziel Titelverteidigung.

Die Namen Baylor Scheierman, Luka Garza und Ron Harper Jr. wird man in Orlando so schnell wohl nicht vergessen. Das Trio aus der zweiten oder eher dritten Reihe der NBA-Profis machte den Magic kurz vor dem Ende der Regular Season einen dicken, fetten Strich durch die Playoff-Rechnung.
Scheierman - Karriereschnitt von fünf Punkten pro Spiel - erzielte als Anführer eines B-Teams der Boston Celtics in der Nacht auf Montag einen persönlichen Bestwert von 30 Zählern. Auch Luka Garza (6 PPG in 193 Spielen) stellte einen neuen Karrierebestwert auf, Ron Harper Jr. (3,7 in 40 Spielen) tat es ihm gleich, beide mit jeweils 27 Punkten.
Solche Geschichten schreibt er halt, der letzte Spieltag der Regular Season in der NBA. Wenn grob geschätzt die eine Hälfte der Liga ihre Spieler vor den Playoffs schont, die andere Hälfte auf der "Jagd" nach möglichst guten Draft-Picks ihre besten Profis eh schon in den Urlaub geschickt hat. Und mittendrin die Magic, die sich eigentlich noch um eine möglichst beste Ausgangsposition im Kampf um die Playoffs bemühten.
Durch die Niederlage aber rutschte Orlando auf den achten Platz in der Eastern Conference ab, muss nun im Play-In-Turnier auswärts bei den Philadelphia 76ers ran. Der Gewinner steht sicher in den Playoffs, der Verlierer bekommt im Duell gegen den Sieger Heat vs. Hornets eine weitere Chance auf das dann letzte verfügbare Ticket.
Damit steht auch für drei Deutsche auf der Kippe, ob die NBA Playoffs 2026 mit oder ohne sie stattfinden - vier andere sind bereits sicher dabei. Ein Überblick:
Schon vor zwei Wochen machte Franz Wagner mit seinen öffentlichen Aussagen deutlich, dass bei den Orlando Magic in dieser Saison nicht alles rund läuft. In den vergangenen beiden Jahren erreichte das junge Team um die Wagner-Brüder, Paolo Banchero und Co. jeweils die Playoffs, scheiterte jeweils in der ersten Runde. Langsam aber sicher wuchsen jedoch die Ansprüche, insbesondere nach dem Trade für Desmond Bane im Sommer.
Im Laufe der Saison wechselten sich aber immer wieder Sieges- mit Niederlagenserien ab, es fehlte die Konstanz. Im März folgten auf sieben Siege am Stück wiederum sechs Pleiten in Folge. Kurz darauf mahnte Wagner nach einem 101:130 gegen Atlanta: "Du musst einen gewissen Stolz zeigen und dich daran erinnern, dass es ein Segen ist, auf dem Feld stehen zu dürfen. Ich glaube nicht, dass wir das immer machen und heute war genau so ein Abend."
Besonders bitter: Für den 24-Jährigen stellte die Partie gegen die Hawks das Comeback nach eineinhalb Monaten Verletzungspause dar. Seine dritte längere Zwangspause in dieser Saison, der Berliner hat nur 34 der 82 Regular-Season-Partien bestritten. Damit fehlte den Magic über weiter Strecken der Spielzeit einer der Fixpunkte in der Offensive (20,6 Punkte im Schnitt für Wagner) - auch jetzt ist er noch nicht wieder bei 100 Prozent.
Sein älterer Bruder Moritz Wagner bekam ebenfalls nur in 36 Partien Minuten auf dem Parkett. Aufgrund eines Kreuzbandrisses aus dem Dezember 2024 verpasste der 28-Jährige den Saisonstart, griff erst Mitte Januar in das Geschehen ein (seither 6,9 Punkte und 3,2 Rebounds in 12 Minuten pro Spiel). In den vergangenen Wochen setzte Head Coach Jamahl Mosley - für den es bei einem vorzeitigen Playoff-Aus eng werden dürfte - aber immer seltener auf den Emotional Leader von der Bank, dessen Scoring-Fähigkeiten von der Bank nicht mehr ganz so gebraucht werden wie in den Vorjahren und dessen Defense nicht unbedingt als Stärke zu bezeichnen ist.
Zum gefragten Mann hat sich dafür der dritte Deutsche im Bunde entwickelt: Tristan da Silva. Nach seiner ordentlichen Rookie-Saison hat der Münchner nochmal einen Schritt nach vorne gemacht, vor allem bei der Effizienz. Im Schnitt steht er 24,7 Minuten pro Spiel auf dem Feld (9,9 Punkte und 3,7 Rebounds bei 45 Prozent Feldwurfquote und 37,4 Prozent Dreierquote). Nachdem er in den Vorjahres-Playoffs nur zwei Kurzeinsätze bekam, dürfte der 24-Jährige nun eine deutlich gewichtigere Rolle übernehmen. Wenn auch erstmal nur im Play-In.
Von Play-In-Gedanken ist Isaiah Hartenstein derweil meilenweit entfernt. Der 2,13-Meter-Center ist fester Bestandteil der Rotation der Oklahoma City Thunder - dem Titelverteidiger und Primus der Regular Season. Kein Team holte mehr als die 64 Siege der Thunder, entsprechend geht es zum Auftakt der Playoffs gegen den 8-Seed des Westens, also ein Team aus dem Quartett Phoenix, Portland, L.A. Clippers oder Golden State.
Hartenstein erhielt gegen Ende der regulären Saison eine Verschnaufpause, hatte 2025/26 ebenfalls immer mal wieder mit Verletzungssorgen zu kämpfen, unter anderem am Sprunggelenk und an der Wade. Wenn der 27-Jährige aber spielt, dann startet er auch beim Meister. Regelmäßig gibt es Lob von Head Coach Mark Daigneault. "Seine Spielintelligenz an beiden Enden des Feldes wird total unterschätzt", sagte Daigneault beispielsweise erst im März und meinte damit Hartensteins Fähigkeiten als Ballverteiler sowie in der Defense. Im Schnitt kommt der Big Man auf 9,2 Punkte, 9,4 Rebounds und 3,5 Assists.
Selbstbewusst verkündete er vor gut zwei Wochen: "Ich bin immer noch einer der besten Bigs der Liga." Und die Thunder sind immer noch das wohl beste Team der NBA.
Seine 13. Saison in der besten Basketballliga der Welt brachte Dennis Schröder den achten Trade seiner Karriere ein. Aus dem Keller der Western Conference, von den Sacramento Kings, ging es für den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Anfang Februar zu einem Top-Team des Ostens. Mit den Cleveland Cavaliers, Vierter der Hauptrunde, geht es nun in der ersten Playoff-Runde gegen die Toronto Raptors.
Die langen Verteidiger der Raptors könnten sich für Schröder und Co. als eklig herausstellen, seine Zahlen im Cavs-Trikot waren zudem bislang überschaubar (8,2 Punkte bei nur 40,1 Prozent aus dem Feld, dazu 4,3 Assists pro Spiel). Doch Zahlen sind eben nicht alles, Schröder agiert in vielfältigen Rollen, mal als sekundärer Playmaker, mal als Nummer-1-Option in einem Bank-Lineup, mal als aggressiver Verteidiger.
Die Cavs haben mit James Harden, Donovan Mitchell oder Evan Mobley viele Waffen neben Schröder, der erstmals seit 2023 - damals erreichte er mit den Lakers die Conference Finals - wieder über die erste Playoff-Runde hinaus will.
Noch ein deutscher NBA-Profi, der 2025/26 mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte. Maxi Kleber, im Februar 2025 als Teil des berühmt-berüchtigten Luka-Doncic-Trades zu den Lakers gekommen, verpasste den Saisonstart aufgrund einer Verletzung an der Bauchmuskulatur, später machten ihm Rückenprobleme zu schaffen. Auch wenn fit, spielte der mittlerweile 34 Jahre alte Würzburger zumeist jedoch nur eine untergeordnete Rolle in Lila-Gold.
Meist waren nur Kurzeinsätze drin, im Schnitt über 10,7 Minuten in 43 Einsätzen (2 Punkte und 2 Rebounds pro Partie). Viel mehr Spielzeit wird Kleber wohl auch in den Playoffs nicht bekommen. Die Lakers haben darüber hinaus noch ein größeres Problem: eine Oberschenkelverletzung bei Doncic. Wann der Slowene wieder spielen kann, ist offen, mit Austin Reaves fehlt ein weiterer Leistungsträger. In der ersten Runde warten die Houston Rockets.
Einen Titel hat Ariel Hukporti in dieser Saison schon sicher: Die New York Knicks sicherten sich im Dezember den NBA Cup, Hukporti freute sich über einen Bonus in Höhe von gut 530.000 Dollar - obwohl er im Finale nur 112 Sekunden auf dem Court stand. Der 24-Jährige ist bei den Knicks generell eher Zeitarbeiter als Leistungsträger, stand in 54 Einsätzen in der Regular Season im Schnitt 9,2 Minuten auf dem Court (2,2 Punkte und 2,9 Rebounds) - dafür sorgte er teilweise in der G-League für Aufsehen. Dennoch dürfte der gebürtige Stralsunder in den Playoffs, die Knicks treffen in der ersten Runde auf Atlanta, nur selten auf dem Court stehen.
Philipp Jakob