14.04.2026
Playoff-Preview: Cavs-Raptors
Die Cleveland Cavaliers beginnen ihre Playoff-Mission gegen die Toronto Raptors. In der regulären Saison sahen die Cavs nicht gut gegen die Kanadier aus, dennoch gibt es Grund zum Optimismus.

Der Druck auf die Cavs ist groß. Seit dem Abgang von LeBron James haben die Cavs nicht mehr die Conference Finals erreicht, vor allem die Niederlage in Runde zwei gegen Indiana im Vorjahr schmerzt. Auch darum handelte man während der Saison und angelte sich völlig überraschend James Harden. Der Garland-Mitchell-Backcourt wurde aufgebrochen, dazu kamen mit Dennis Schröder und Keon Ellis zwei weitere Guards.
Das ist viel Bewegung während einer Saison und die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Teams in den Playoffs Probleme bekommen. Dazu kommt, dass mit Jarrett Allen ein wichtiger Bestandteil der Starting Five verletzt fehlte. Das vermeintlich beste Lineup (Harden-Mitchell-Wade-Mobley-Allen) stand erst 33 Minuten zusammen auf dem Feld - und verbuchte ein Net-Rating von +42,8 (in lediglich vier Partien).
Seit dem Trade stehen die Cavs bei 21-9, wirklich überzeugen konnte Cleveland aber selten. Wenig überraschend lief es auch defensiv nicht mehr so gut, weswegen es inzwischen Zweifler an diesem Team gibt.
| Cavs | Stat | Raptors |
|---|---|---|
| 52-30 | Bilanz | 46-36 |
| 118,3 (6.) | Offensiv-Rating | 115,0 (15.) |
| 114,1 (15.) | Defensiv-Rating | 112,1 (5.) |
| +4,1 (9.) | Net-Rating | 2,9 (11.) |
| 0-3 | Direkter Vergleich | 3-0 |
Davon hatten die Raptors vor der Saison viele, doch endlich blieben die Kanadier einigermaßen verletzungsfrei und hatten in Brandon Ingram mal wieder einen Closer für die engen Spiele. Die Starting Five hat ein Net-Rating von +9 - obwohl die Teile nicht zu 100 Prozent passen. Dafür stimmt der Einsatz an den Brettern und Toronto lässt wieder zu den ekligsten Teams, die es zu bespielen gilt.
Toronto hat auf allen Positionen viel Länge und Athletik und lebt von einer guten Transition-Offense. Das alles ergibt ein sehr solides Team, auch wenn die Upside womöglich nicht besonders hoch ist. Das zeigt sich auch bei der Bilanz. Gegen die Top 6 des Westens sowie die Top 4 des Ostens verbuchten die Kanadier eine 5-22-Bilanz.

Nur mit Offense werden die Cavs nicht weit kommen. Coach Kenny Atkinson sucht mit seinem neuen Team noch nach Balance. Was sind eigentlich die besten Lineups? So wirklich klar ist das nicht. Vier Starter sollten mit Mitchell, Harden, Mobley und Allen gesetzt sein, dahinter wird es unübersichtlich.
Max Strus (Shooter), Keon Ellis (kleiner Dreier), Dean Wade (eher ein Vierer) oder gar Jaylon Tyson (3-and-D) sind alles valide Optionen und müssten Spielzeit bekommen. Gleiches gilt für Dennis Schröder oder Shooter Sam Merrill. Die Cavs haben viele kleine Optionen, während es auf Big hinter Mobley und Allen dünn wird (kann Thomas Bryant Playoffs?). Bisweilen ist das ein wilder Mix mit vielen guten Spielern, aber eben auch Limitationen.
Umso wichtiger wäre es, wenn Allen seine Knieprobleme hinter sich gelassen hat. Chronische Knieschmerzen sind aber bekanntlich tricky. Defensiv wird der Center gebraucht, vor allem als Hindernis in der Zone für die Raptors. Und Dennis Schröder? Die Raptors sind nicht das beste Matchup für den Deutschen, weil Toronto ihm viel Länge entgegenwerfen kann. Zumindest defensiv sollte sein Druck auf den Ballführenden helfen und dafür sorgen, dass Toronto in der Halbfeld-Offense Probleme bekommt.
Das ist nämlich wie schon angesprochen nicht die Stärke der Kanadier. Zwar können viele Spieler mit dem Ball etwas anfangen, doch großartige Passgeber fehlen im Team. R.J. Barrett und Ingram kreieren am liebsten für sich selbst, gleichzeitig spielen sie nicht so gerne abseits des Balles. Umso wichtiger ist die Personalie Immanuel Quickley, der Torontos einziger Einser mit Qualität ist.
Dessen Leistungen schwanken jedoch und zuletzt plagte sich der Guard auch noch mit Oberschenkelproblemen herum. So war es oft All-Star Scottie Barnes, der den Ball brachte, dafür rückte in Ja’Kobe Walter einer der besten Schützen der Liga in die erste Fünf. Das funktionierte überraschend gut, gleichzeitig bringt Walter genau das, was Toronto fehlt.
Von allen Playoff-Teams nehmen nur Detroit und Houston weniger Dreier als die Raptors, diese Versuche treffen sie auch nur mäßig. Einen Shootout werden die Kanadier also nicht gewinnen. Stattdessen muss Toronto das Possession Game kontrollieren und mehr Wurfchancen generieren. Heißt: Offensiv-Rebounds, Turnover forcieren, nur so können die Raptors eine Chance haben.
Toronto kann unangenehm sein, sollte für Cleveland aber ein recht dankbarer Gegner sein. Mit einem Backcourt aus Mitchell und Harden werden sich die Cavs gegen so ziemlich jedes Team solide Offense kreieren. Mit Barnes hat Toronto zwar einen starken Individualverteidiger, doch wo wird Quickley versteckt?
Letztlich wird Toronto aber nicht genug Offense generieren können, das ist gegen Cleveland allerdings essentiell. Womöglich gibt es enge Spiele, aber vier Siege sind dann doch eine ganze Spur zu viel.
Der Tipp: Cavs in 5.
Preview Lakers vs. Rockets: LeBron gegen Durant - die Altmeister und ein Sack voller Probleme
Robert Arndt