vor 14 Stunden
Das Geheimnis hinter dem WM-Märchen
Für Bundestrainer Olaf Lange fühlt es sich an wie "der beste Tag im deutschen Basketball". Alexandra Wilke hatte Gänsehaut. Nach dem 93:74 gegen Belgien steht die deutsche Frauen-Nationalmannschaft im WM- Halbfinale - und plötzlich ist eine Medaille nur noch einen Sieg entfernt.

"Ich bin sprachlos, wie gut wir gespielt haben", sagte Olaf Lange nach dem Viertelfinal-Erfolg. Deutschland habe von der ersten Sekunde an große Aufmerksamkeit und Einsatz gezeigt. Besonders beeindruckte den Bundestrainer, wie geschlossen seine Mannschaft auftrat: "Das kann passieren, wenn eine Gruppe zusammenwächst und die Fans im Rücken hat."
Für Lange ist das der entscheidende Faktor. "Wir spielen füreinander, nicht nur gegen jemanden", findet er. Bereits am Dienstag hatte er erklärt, dass Deutschland in manchen Bereichen "besser spielt, als wir sind". Ausschlaggebend sei die außergewöhnliche Teamchemie. "Manchmal kann sich Entwicklung beschleunigen, wenn Spielerinnen auf einer tieferen Ebene connecten. Das passiert nicht oft." In seiner Trainerkarriere habe er das erst zweimal auf diesem Niveau erlebt. "Und dann kann man besser spielen, als man eigentlich ist."
Alexandra Wilke wich das Grinsen nicht aus dem Gesicht. "Wir waren noch nie im Halbfinale und haben Belgien schon so oft im Viertelfinale gehabt. Heute ist einfach jede Spielerin über sich hinausgewachsen", sagte sie auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.
Ob es denn der bisher beste Tag im deutschen Frauenbasketball gewesen sei? Wilke musste nicht lange überlegen. "Bisher würde ich sagen: ja." Besonders die Schlussphase habe sie emotional erwischt: "Die letzten zwei Minuten des Spiels saß ich da und hatte Gänsehaut. Wir haben einen so langen Weg zurückgelegt."
Dass Deutschland nun um eine Medaille spielt, wollte Kapitänin Marie Gülich noch nicht zu sehr in den Mittelpunkt rücken. "Ich will das heute gar nicht in den Mund nehmen, weil ich finde, es ist ein Prozess - Tag für Tag, Schritt für Schritt." Trotzdem sei gegen Belgien etwas zu sehen gewesen, das sie besonders stolz macht: "Jetzt sind wir wirklich ein Team. Wir funktionieren, wir kommen aus uns heraus und wissen, was wir zu tun haben. So langsam haben wir uns da etwas Großes aufgebaut."
Und Frieda Bühner brachte die historische Dimension schließlich auf den Punkt. "Ich weiß gar nicht, ob ich es schon so richtig glauben kann. Wir gehören zu den vier besten Teams der Welt - ja, crazy."
Am Samstag geht es ab 16.30 Uhr im Halbfinale gegen Frankreich - einen Gegner, den die meisten deutschen Spielerinnen schon kennen. Bei den Olympischen Spielen 2024 unterlag Deutschland den Französinnen mit 71:84 im Viertelfinale.
Lina Sontag war in Paris dabei und weiß, was auf ihr Team zukommt. "Frankreich ist extrem gut", sagte die 22-Jährige im Gespräch mit basketball- world. Gleichzeitig sieht sie keinen Grund, sich zu verstecken: "Auch Belgien ist ein extrem guter Gegner, amtierender Europameister - und wir haben sie geschlagen. Dementsprechend würde ich sagen, es ist alles offen."
Frankreich werde allerdings noch einmal eine andere Herausforderung als Belgien. "Sie sind super physisch, super groß und super schlau. Frankreich spielt einen sehr schlauen Basketball", meint Sontag. Dazu komme mehr Tempo und individuelle Qualität. "Es wird auf jeden Fall ein toughes Spiel."
Für die deutsche Mannschaft gilt vorher wie immer: regenerieren. Den spielfreien Freitag will Sontag auch mental nutzen. "Am schönsten ist immer, wenn wir noch ein bisschen Zeit mit der Familie und mit Freunden bekommen - damit man auch mal mit dem Kopf abschalten kann und ein bisschen wegkommt vom Basketball."
Und für Sontag hat dieser WM-Lauf noch einen persönlichen Nebeneffekt. Die gebürtige Berlinerin darf noch länger in der Heimat bleiben. "Das ist schön für mich, weil ich dann wieder nach Spanien muss." Dann fügt sie hinzu: "Ich will so lange hierbleiben, wie ich kann."
Franziska Staupendahl