11.03.2026
Cleveland seit Trade im Aufwind
Vor Saisonbeginn wollten die Cavaliers in die Finals. Es folgte ein komplizierter Saisonstart, eine Trendumkehr und einige Deals. Ein paar Probleme bleiben. Gleichzeitig wirken die neuen Cavs deutlich gefährlicher - auch wegen Dennis Schröder und einer bestimmten Eigenart James Hardens.

Als die Thunder James Harden drafteten, waren Kevin Durant und Russell Westbrook bereits da. Also ging Harden auf die Verantwortlichen zu. Er hatte sich Gedanken gemacht und unterbreitete Vorschläge: wie er von der Bank kommen und so alle besser machen könne, welche Spielzüge das Team laufen, damit jeder seine Stärken bestmöglich ausspielen könne.
Drei Jahre später stand OKC erstmals in den Finals. Auch wegen eines sechsten Mannes, der eine ganz spezielle Eigenart mitbrachte - und auch heute noch mitbringt.
Harden schaut sich alles erstmal an. Er spricht mit Mitspielern, analysiert ihr Spiel, danach seines, prüft, wie sich alles verbinden lässt. Ivica Zubac soll er sich nach seiner Ankunft bei den Clippers regelmäßig nach dem Training geschnappt haben. Durch gemeinsame Arbeit entwickelten die beiden gemeinsame Tendenzen. Das Tandem funktionierte.
Cleveland ist Hardens sechste Station in der NBA. Auf dem Weg spielte er mit den unterschiedlichsten Mitspielern. Mit KD und Westbrook. In Houston mit Chris Paul. In Brooklyn mit Durant und Kyrie Irving. In Philadelphia mit Joel Embiid. Bei den Clippers mit Kawhi Leoarnd und Zubac. Immer machte Harden die um ihn herum besser.
Dass die Cavs Darius Garland abgaben, um Harden zu bekommen, ergibt daher nicht nur wegen Garlands Verletztenhistorie Sinn. Cleveland, das teuerste Team der Liga, will in die Finals - und scheint dafür auch dank Harden besser aufgestellt zu sein als jemals zuvor.
"Wir sind ziemlich gut, aber das Verrückte ist, dass wir erst zwei Trainingseinheiten hatten", sagte Donovan Mitchell bereits nach wenigen Spielen - und es ging positiv weiter. Bislang scheint es, als ließen sich alle aufeinander ein. Als "Flitterwochen-Phase" beschreiben viele die ersten Wochen und Monate mit Harden im Team.
Harden selbst gliedert sich dann optimal ein. Das Team profitiert und gewinnt. Alle sind glücklich. So wirkt es derzeit. Mit ihrem neuen Point Guard gewannen die Cavs neun Spiele, darunter gegen die heißen Hornets, Denver sowie Detroit. Niederlagen gab es nur gegen OKC und Boston mit Jayson Tatum.
| Team | SP | PTS | REB | AST | FG% | FG3% |
|---|---|---|---|---|---|---|
| CLE | 11 | 19.3 | 5.0 | 7.8 | .464 | .438 |
| LAC | 44 | 25.4 | 4.8 | 8.1 | .419 | .347 |
Interessant war vor der Ankunft, wie Harden, der sich während seiner Zeit in LA als "offensives System" beschrieb, in ein Team eingliedern würde, das viel auf Bewegung abseits des Balls, Cuts und Ballmovement setzte. Würde er zu viel dribbeln? Nähmen sich Hardens Drives und die Cuts seine Mitspieler gegenseitig Raum? Bislang sieht es vielversprechend aus.
Hardens Usage ging herunter, er punktet weniger, verteilt dafür nahezu so viele Assists wie als Clipper (7,8 vs. 8,1). Harden passt sich an, ohne sich ganz zu verlieren und gibt gleichzeitig etwas dazu. Natürlich ist alles vorläufig. Gegen Boston beispielsweise funktionierte vieles nicht. Auch Harden hatte Schwierigkeiten. Gleichzeitig sind die Cavs längst mehr als ihr einer prominenter Neuzugang.
Bereits seit dem ersten Januar stellt Cleveland die drittbeste Offense der Liga. Beim Net Rating, der Differenz aus Defensive- und Offense-Rating, sind nur fünf Teams besser. Nach kompliziertem Start - zu Weihnachten standen die Cavs bei 15-14 - hatte sich das Team auch vor Harden bereits gefangen. Ende Januar verletzte sich dann Evan Mobley an der Wade, und Kenny Atkinson forderte Jarrett Allen heraus.
Sein Coach habe ihm gesagt, er müsse nun etwas drauflegen, sagte Clevelands zweiter Big, der zuvor selbst mit Konstanz und Gesundheit gekämpft hatte. "Ich muss den Verlust an Ringschutz und Offense ausgleichen; und das habe ich ernst genommen." Wenige Tage später schenkte Allen den Blazers 40 Punkte ein und griff sich 17 Rebounds. Kurz darauf verpflichteten die Cavs Harden.

Dass der Point Guard Big Men dank seines Passings, seines Gespürs für das Pick-and-Roll und seines Bewusstseins für ihre Tendenzen offensiv ungemein helfen kann, ist nicht erst seit Zubac bekannt. Allen illustriert es dennoch erneut. Seit Hardens Ankunft kommt er auf 19,1 Punkte und 9,4 Punkte, trifft 72,5 Prozent seiner Würfe.
Als einer, der nach dem Block hart zum Ring rollt und Lobanspiele auch aus ganz hohen Höhen durch die Reuse schmettern kann, passt Allen hervorragend zu Harden. Der Point Guard serviert, der Big muss nur noch vollenden. Harden erleichtert Allens Offense und macht den Center damit noch wertvoller; was wiederum Clevelands Offense insgesamt stimuliert.
Allen ist weder ein verlässlicher Schütze noch kreiert er mit Ball in der Hand für sich selbst. Seine Offense fußt häufig auf Gespür und Athletik. Harden weiß das zu nutzen und gibt den Cavs damit eine zusätzliche verlässliche, weil für Defenses schwerer zu kontrollierende Option. Dass es relativ schnell funktionieren würde, erwarteten die meisten; und bei Evan Mobley?
Vor jeder Saison stellt sich die Frage, ob einer der besten Verteidiger der Liga nun auch offensiv den großen Schritt macht. Ansätze gibt es immer wieder. Bislang fehlt die Konstanz. Seit letzter Saison festzustehen scheint, dass Mobley offensiv profitiert, wenn er selbst mit Anlauf attackiert, um seine Fähigkeiten als Passer und Scorer am Ring zu nutzen.
| Saison | SP | PTS | REB | AST | FG% | BLK |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2021-22 | 69 | 15.0 | 8.3 | 2.5 | .508 | 1.7 |
| 2022-23 | 79 | 16.2 | 9.0 | 2.8 | .554 | 1.5 |
| 2023-24 | 50 | 15.7 | 9.4 | 3.2 | .580 | 1.9 |
| 2024-25 | 71 | 18.5 | 9.3 | 3.2 | .557 | 1.6 |
| 2025-26 | 50 | 17.7 | 8.6 | 3.7 | .518 | 2.0 |
Wie gut das den Cavs immer noch tut, unterstrich die Niederlage in Boston, als Mobley während der ersten Minuten permanent Richtung Zone zog, aggressiv spielte und offensiv dominierte. Mit Harden, so die Vermutung, bekäme er nun weniger Gelegenheiten.
Tatsächlich nimmt Mobley im März bislang ungefähr so viele Würfe wie im Januar ohne Harden (13 vs. 13,5). Gleichzeitig ist die Stichprobe bislang sehr klein. Fünf Spiele absolvierten Allen, Mobley und Harden gemeinsam. Vier gewannen die Cavs, eins verloren sie. Gesellt sich Mitchell zu Verlosung, zeigt sich jedoch ein positiver Trend.
Auf 100 Ballbesitze gerechnet, erzielt ein Vierer-Lineup aus Harden, Mobley, Allen und Mitchell 28,8 Punkte mehr als Gegner. Ein sehr guter Wert. Entscheidend wird sein, dass Cleveland alle für die Playoffs fit bekommt. Mobley kehrte Ende Februar zurück. Harden brach sich den Daumen, spielt aber weiter. Mitchell zwangen Leistenprobleme zu einer zwischenzeitlichen Vierspielepause. Allen verletzte sich beim Sieg gegen die Pistons am Knie.

Nun haben die Cavs rund einen Monat, um ihre Wichtigsten körperlich bestmöglich hinzubekommen. Garantieren gibt es natürlich auch mit allen nicht. Dafür neue Chancen. In Cleveland tat sich mehr als "nur" der Trade "Harden für Garland". De'Andre Hunter ging nach Sacramento. Dennis Schröder und Keon Ellis kamen. Verpflichtungen, die sich bereits bezahlt machen. Auf zwei Ebenen.
Wie wertvoll es sein kann, neben Mitchell und Harden einen weiteren Guard zu haben, der ohne Mithilfe in die Zone kommt, um dort selbst abzuschließen oder seine Mitspieler zu bedienen, illustrierte der Sieg gegen die Pistons. Eine der besten Defenses der Liga überwand Schröder immer wieder durch seinen Zug zum Korb. Auch gegen Ende, als der Welt- und Europameister durch seine Punkte den Sieg mit sicherte.
Schröder nimmt Last von Harden und Mitchell. Gleichzeitig ergänzt er sie und schenkt Atkinson eine weitere Option. Explosivität fehlte den Cavs in der Vergangenheit häufig. Gerade, wenn Garland verletzt fehlte. Zudem verabreichte Cleveland den Pistons einige Dosen ihrer eigenen Medizin: Einem der härtesten Teams der Liga hielten die Cavs Härte entgegen.
Cade Cunnningham, Detroits Besten, setzten sie immer wieder unter Druck. Auch mit Schröder, der aggressiv verteidigte und Cunningham gemeinsam mit Mobley stellte, ohne große Auswege zu ermöglichen. Auch durch Ellis, einen unangenehmen Guard- Verteidiger. Dazu kam Jaylon Tyson, der Cade beim Fastbreak-Layup blockte.
Leseempfehlung: Die Ansätze waren sofort da: Wie Schröder die Cavs besser macht
Cleveland stand in der Vergangenheit gern unter Verdacht, ein eher "weiches" Team zu sein, gegen Physis nicht richtig dagegenhalten zu können. Nun haben die Cavs Rollenspieler, die sich nur äußerst ungern einschüchtern lassen; die offensiv zudem neue Möglichkeiten schaffen.
Tysons Aufstieg ist dabei angesichts von Max Strus’ langer Verletzungspause von unschätzbarem Wert. In seinem zweiten Jahr katapultierte sich der Flügel in die Kernrotation. Tyson verteidigt intensiv, arbeitet viel am Brett (5,2 Rebounds), spielt hart und unterstützt die Stars beim Scoring.
Vor allem trifft er bei knapp fünf Versuchen pro Spiel 45,7 Prozent seiner Dreier. Nur Luke Kennard und Bobby Portis sind ligaweit verlässlicher. Auf Rang vier folgt Sam Merrill (44,6 Prozent 3FG bei 7,2 Versuchen). Damit haben die Cavs zwei der vier effizientesten Schützen der Liga - und das neben Harden und Mitchell, die exzellent für sich und andere kreieren können.
Gegen Tyson und Merrill können Verteidiger nicht absinken. Das öffnet Raum für den Zug Richtung Zone von Harden und Mitchell, ebenso von Schröder. Zumal sich beide rund um die Dreierlinie regelmäßig bewegen, damit defensive Aufmerksamkeit beanspruchen. Hinzu kommen, wenn fit, die Lob-Bedrohung Allen, zwei der besten Offensivspieler der Liga und Mobley. Offensiv bringt Cleveland damit ungemein viel Potenzial mit.
Defensiv spielen die Cavs hart, zählen jedoch nicht zur absoluten Elite. Beim Defensiv Rating stehen sie seit Anfang des Jahres ligaweit auf Rang 14. Auch weil es ihnen auf dem Flügel, abgesehen von Dean Wade, weiter an guten langen Verteidigern mangelt. Beispielsweise gegen die Celtics mit Jaylen Brown und Jayson Tatum könnten in den Playoffs daher Probleme entstehen.
Gleichzeitig scheint sich Identität ein wenig zu wandeln, scheint Cleveland defensiv nun auch mehr Aggressor sein zu können. Potenzial haben die Cavs auch dank Mobley, dem Defensive Player of the Year der vergangenen Saison, ohnehin.
Am Ende wirkt Cleveland durch ihre Deals zur Deadline wieder wie ein Team, das durchaus Chancen hat, die Hoffnungen der Offseason zu erfüllen: Die Finals zu erreichen, wird nicht einfach, doch es wirkt möglicher als noch vor wenigen Wochen. Auch, weil Harden schnell herausarbeitet, wie er am besten mit wem zusammenspielt.
Max Marbeiter
| 319 |
| 16.6 |
| 8.9 |
| 3.0 |
| .543 |
| 1.6 |