10.03.2026
Magic machen Boden gut
Franz Wagner war in dieser Saison der beste Spieler der Orlando Magic, fehlt aber weiterhin verletzt. Heimlich, still und leise hat aber nun Paolo Banchero seine Form gefunden und dominiert seit der All-Star-Pause.

Mit hohen Erwartungen waren die Orlando Magic in die Saison gestartet. Der Heimvorteil in der ersten Runde schien machbar, doch wie schon im Vorjahr geht es derzeit eher darum, das Play-In zu vermeiden. Verletzungen von diversen Schlüsselspielern torpedierten erneut die Saison, doch das große Thema war Paolo Banchero, der über Monate im Zentrum der Kritik stand.
Gerüchte über mögliche Differenzen mit Coach Jamahl Mosley machten die Runde und kochen immer wieder hoch. So auch zuletzt, als der ehemalige Top-Pick indirekt die Entscheidungen des Trainers infrage stellte. Das überdeckte jedoch auch, dass Banchero in Abwesenheit von Wagner (endlich) wie ein Franchise-Star auftritt und zusammen mit Desmond Bane die Mannschaft trägt.
Das Spiel in Milwaukee war das letzte Beispiel dafür, als der Forward 26 seiner 33 Punkte in der ersten Halbzeit erzielte und vor allem mit Aggressivität bei seinen Drives auffiel. Seit dem All-Star Game legt Banchero 26,2 Punkte, 9,2 Rebounds sowie 5,7 Assists im Schnitt auf und scort dabei endlich auch effizient (50,8 Prozent aus dem Feld, 60 Prozent True Shooting).
"Er geht mit gutem Beispiel voran und das sieht man auch an seinen Statistiken", lobte Bane nach dem Spiel in Milwaukee. "Er punktet und verteilt die Bälle - und das verdammt gut. Damit hilft er enorm, dass wir unsere Spiele gewinnen." Zehn der vergangenen 14 Partien haben die Magic gewonnen und sind inzwischen wieder Sechster im Osten.
In diesem Zeitraum sind nur San Antonio, OKC und Boston besser, dazu kommt ein Net-Rating von +9,5. Dabei fällt auch auf, dass Banchero defensiv deutlich engagierter ist, die Duelle mit anderen Stars wie Kevin Durant annimmt. Dass Orlando in diesen 14 Partien die beste Defense der NBA stellt, hat auch mit dem Halb-Italiener zu tun.
"Ich werde in dieser Hinsicht immer besser und das ist es auch, worauf ich mich fokussiere. Ich will auf beiden Seiten des Feldes Einfluss haben", betonte Banchero, der darauf hinwies, dass die Verteidigung weiterhin die große Stärke des Teams sei. "Wenn wir verteidigen und umschalten können, dann finden wir auch die guten Würfe."

Jene Würfe waren auch immer der Hauptkritikpunkt. 40 Prozent seiner Versuche kommen weiterhin aus der Mitteldistanz, dennoch sind es schon weniger als in den Vorjahren. Banchero kann diese Würfe treffen, tut es aber zu selten (38 Prozent) und beraubt sich so seiner größten Stärke. Das ist sein Körper, seine Physis, mit der er Gegner wegschieben und so für sich und andere kreieren kann.
Die rohen Zahlen passten immer, doch es musste immer die Frage gestellt werden, inwieweit dies der Mannschaft wirklich half. Über die Saison sind die Magic inzwischen leicht positiv auf dem Feld (+0,4), das war über weite Strecken des Jahres nicht so. Die Anwesenheit von Banchero ist jetzt mehr spürbar, der Gegner reagiert mehr und das öffnet endlich auch die Räume für Mitspieler.
"Wenn er in Fahrt kommt, muss der Gegner ihn irgendwie stoppen", befand Jalen Suggs. Das führt dann zur Bewegung des Balls am Perimeter sowie offenen Würfen, die Orlando durch Schützen wie Bane oder Tristan da Silva auch verwerten kann. Zugegeben: Der Spielplan war zuletzt sehr einladend, doch Siege in Minnesota und bei beiden L.A.-Teams zeigen, dass die Richtung passt.
| Of-Rating | D-Rating | Net-Rating | |
|---|---|---|---|
| Mit Banchero (vor ASG) | 113,0 | 115,5 | -2,5 |
| Ohne Banchero (vor ASG) | 111,9 | 109,9 | +2,0 |
| Mit Banchero (nach ASG) | 115,6 | 103,2 | +12,3 |
| Ohne Banchero (nach ASG) | 114,7 | 106,8 | +7,8 |
Und letztlich geht es im Moment nur darum, Spiele zu gewinnen, solange mit Wagner der zweite Star fehlt. In voller Besetzung kann Orlando im Osten für jeden ein unangenehmes Matchup sein, das zeigten auch schon die Playoff-Serien gegen Cleveland (3-4) und Boston (1-4) in den vergangenen Jahren.
Damals fehlte es am offensiven Punch, um Upsets zu schaffen, dieser sollte mit einer Big Three aus Wagner, Banchero und Bane aber durchaus gegeben sein. Und dass Banchero in den Playoffs ein Killer sein kann, hat er ohnehin schon unter Beweis gestellt. Er muss es nur wieder zeigen, sonst werden die Kritiker erneut aus ihren Löchern kommen. Für den Moment hat er sie zum Schweigen gebracht - für den Moment.
Robert Arndt