10.03.2026
Nach Jahren endlich gesund
Nach Jahren des Haderns hat Zion Williamson sein Gewicht und damit auch seine Verletzungsprobleme womöglich endlich in den Griff bekommen. In der Zwischenzeit haben die New Orleans Pelicans jedoch gewissermaßen schon eine neue Ära eingeleitet. Ist in dieser noch Platz für den einstigen Franchise-Player?

Am 1. März musste Zion Williamson eine Partie aussetzen - er hatte sich im vorigen Spiel gegen Utah am Knöchel verletzt. Das war, anders als in jedem vorigen Jahr seiner Karriere, eine Nachricht. 35 Spiele hatte Zion zuvor am Stück absolviert, einen so langen Stretch hatte der 25-Jährige noch nie in seiner Laufbahn.
Nach einem Spiel Pause kehrte er zurück ins Lineup; nun steht Zion bei 48 Saisoneinsätzen, es ist bereits jetzt seine dritt-"gesündeste" Spielzeit jemals. Absolviert er jede der noch ausstehenden 17 Partien für die Pels, würde er sich in der Theorie zum zweiten Mal in sieben Jahren für die Awards am Ende der Saison qualifizieren.
Wobei "in der Theorie" hier ein wichtiger Zusatz ist. Es gab Saisons, in denen Zion nur die Gesundheit fehlte, um beispielsweise ein All-NBA-Team zu erreichen. So dominant, so einzigartig waren seine Leistungen, seine Rim-Pressure. 20/21 etwa, als er 27 Punkte im Schnitt bei sensationeller Effizienz (65% True Shooting) auflegte.
Gemessen daran ist der heutige Zion ein fast schon gewöhnlicher Spieler. Was viel damit zu tun haben sollte, dass die positive Nachricht seiner besseren Gesundheit irgendwie kaum Erwähnung findet - und warum trotzdem einiges dafürspricht, dass er gerade seine Abschiedsvorstellung für die Pelicans geben könnte.

Die Situation der Pelicans ist ligaweit einzigartig. Das Team befindet sich eigentlich in einem Rebuild, kontrolliert aber den eigenen Pick im kommenden Draft nicht, da dieser beim 2025er Draft für Derik Queen nach Atlanta verschifft wurde. Queen ist nun neben Jeremiah Fears einer von zwei "neuen" Lottery-Picks, denen vermutlich - gerade nach einem solchen Investment - die Zukunft in New Orleans gehören sollte.
Die Pels haben indes auch Veteranen im Team, die Stand jetzt besser sind. Tanking ergibt keinen Sinn, da der Pick eben futsch ist. Und da mit James Borrego ein Coach an der Seitenlinie steht, der das Label "Interim" sicherlich gern loswürde … wobei Siege mehr helfen als individuelles Development. Es gibt sehr unterschiedliche Interessen, die hier aktuell eine Rolle spielen.
Deswegen sind die Pels von den zehn Teams im NBA-Keller neben Milwaukee das einzige, das im Jahr 2026 regelmäßig Spiele gewinnt (und gewinnen möchte). 13 der letzten 31 Spiele wurden gewonnen, das ist respektabel. Was auch an Williamson liegt, der in diesem Kalenderjahr mit Ausnahme einer Partie tatsächlich immer im Lineup stand.
Zion bleibt dabei ein in jeder Hinsicht spezieller Fall. Noch immer erst 25 Jahre alt, hat er dennoch schon viel Zeit in der Liga verbracht, einen gewissen Ruf, und noch dazu einen komischen Vertrag, der ihm nur voll ausgezahlt wird, wenn er ein Mindestmaß an Spielen absolviert und regelmäßige Checks seines Körperfettanteils "übersteht".
Williamson wurde 2019 mit massivem Hype als Franchise-Player gedraftet, als Retter dieser Franchise. Seither hat sich viel verändert, mehr als einmal tauchte er über die Jahre bereits in Trade-Gerüchten auf. Als er zu Saisonbeginn erneut mehrfach ausfiel (nur in 10 der ersten 26 Spiele war er dabei), sah wieder alles nach einer dieser typischen Zion-Saisons aus.
Was dieser aber nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Ich habe gesehen, wie er sich den Arsch aufreißt", sagte DeAndre Jordan kürzlich, der bei den Pels so etwas wie der Veteran unter den Veteranen ist. "Viele von den Dingen, die manchmal über ihn gesagt werden, was seine Verletzungen angeht, sind nicht sein Fehler. Leute können sich den Arsch aufreißen und trotzdem Pech haben. Aber ich habe es zu Beginn des Jahres gesehen, als er verletzt war, wie hart er gearbeitet hat, um so schnell wie möglich zurückzukommen."
Dass Jordan sich genötigt sah, diese Lanze zu brechen, kam nicht von ungefähr. Erst vergangene Woche behauptete ESPN-Lautsprecher Stephen A. Smith, Williamson sei ein "Süchtiger" und habe unter anderem Essen unter seinem Bett versteckt - nicht zum ersten Mal war die Implikation klar: An seinen vielen Ausfällen sei Williamson selbst schuld, weil er zu schwer ist.
Dass diese Kritik über die Jahre bei Williamson angekommen ist, gab dieser gegenüber ESPN selbst zu. "Was mir am meisten wehgetan hat, ist dieser Vorwurf, es sei mir egal", sagte Zion. "So sehr meine Kritiker es hassen, ich hasse es noch mehr als sie. Ich möchte nicht an der Seitenlinie sitzen. Ich will spielen."
Für den Moment ist der Kritikpunkt eigentlich ohnehin kein Thema, wenngleich sich erst zeigen muss, ob er wirklich abgehakt ist. Denn aktuell spielt Zion ja, häufiger als zu bisher nahezu jedem Zeitpunkt seiner Karriere. Und er macht die Pels etwas besser in den Minuten, die er auf dem Court verbringt. Zumindest dann, wenn er nicht mit Queen kombiniert wird.
Mit dem Nr.13-Pick harmoniert Williamson gar nicht, was eigentlich auch nicht verwundert - ihre Schwächen sind zu ähnlich. Beide sind eher kleine Bigs, die den Ring nicht beschützen, nicht durch ihr defensives Engagement glänzen. Und die nicht werfen - bei -10,8 liegt das gemeinsame Net-Rating. "Zion ohne Queen"-Lineups kommen auf immerhin +2,3.

Vorerst hat Borrego daraus eine logische Konsequenz gezogen, Queen auf die Bank beordert. Natürlich ist Williamson Stand jetzt auch ein besserer Spieler, der noch immer recht effiziente 21,5 Punkte pro Spiel auflegt, noch immer für hohe Rim-Pressure sorgt, wenn auch nicht mehr auf dem Level von etwa der Saison 20/21, als er 20,3 Zonenpunkte pro Spiel verzeichnete und damit sogar Giannis Antetokounmpo in seine Schranken verwies.
Aktuell sind es 15,8 Points in the Paint pro Spiel - immer noch der zweithöchste Wert der NBA (hinter Giannis‘ 18,5). "Wenn er auf dem Court steht, sind wir ein anderes Team", sagte Jordan. "Er ist kaum zu halten." Und übt mit seinem Mix aus Bulligkeit, einzigartiger Athletik und Touch in Ringnähe immer noch Druck auf die Defense aus, den kein anderer Pelican matchen kann.
Kurzfristig ist es, wie gesagt, nachvollziehbar, Queen und Zion so voneinander zu trennen. Langfristig allerdings muss die Frage erlaubt sein, wie sinnvoll es für die Pelicans ist, ihren neuen Hoffnungsträger für den alten auf die Bank zu setzen. Und wo sich diese Paarung aus Franchise und Spieler eigentlich hinbewegt. Zumal auch Zions On-Court-Zahlen keine Bäume ausreißen - auch nicht im Vergleich mit seiner eigenen Produktion früherer Jahre.
| Saison | Punkte | True Shooting% | Net-Rating ON | On/Off |
|---|---|---|---|---|
| 19/20 | 22,5 | 61,6 | +4,8 | +7 |
| 20/21 | 27 | 64,9 | +2,1 | +7,2 |
| 22/23 | 26 | 65,2 | +7,8 | +7,9 |
| 23/24 | 22,9 | 61 | +2,5 | -4,8 |
| 24/25 | 24,6 | 60 | -1,2 | +11,3 |
| 25/26 | 21,5 | 63,2 | -3,4 | +2,1 |
"New Orleans ist für mich Zuhause. Ich weiß, dass es Gerüchte gibt, die anderes besagen", sagte Williamson kürzlich. "Ich will alles tun, was möglich ist, damit New Orleans etwas gewinnt. Wenn man sieht, welchen Impact Drew Brees damit hatte, hier einen Super Bowl zu gewinnen, das ist für immer. Und wer möchte nicht für immer sein?"
Das ist das, was Zion sagt. Allzu viel Gewicht muss ein solches Bekenntnis aber nicht haben. Zumal letztlich die Pelicans entscheiden müssen, ob sie sich eine Zukunft vorstellen können, in der Williamson und Queen harmonieren, ob sie grundsätzlich noch an Williamson glauben, nachdem sie nun bereits viele Jahre in diesem "Gefängnis" verbracht haben.
Eindeutige Argumente liefert Zion ihnen nicht, trotz der besseren Gesundheit. Ein engagierter Verteidiger ist er weiterhin nicht, Defensiv-Rebounds holt er fast gar keine, auch als Shotblocker bringt er sich kaum ein. Es gibt gute defensive Possessions, aber es gibt bei weitem nicht genug davon, um sich ihn und Queen als funktionalen Defensiv-Frontcourt vorzustellen.
Unterm Strich sieht Williamson nicht wie ein Franchise-Player aus. Vielleicht ist dieser Zug ohnehin längst abgefahren, oder besser gesagt entgleist, im Play-In-Game 2024 gegen die Lakers, als er 40 Punkte erzielte und sich dann kurz vor Spielende doch wieder verletzte. Bisher ist dieses Spiel gleichermaßen der Höhe- und der Tiefpunkt seiner NBA-Karriere.
Gleichzeitig ist es offensichtlich, dass in ihm weiter ein talentierter, spezieller Spieler schlummert, der etwas mit gegnerischen Defensiven anstellt. Der nun (ganz vielleicht?) seine Gesundheit in den Griff bekommen hat, zu einem Zeitpunkt, an dem sein Team nicht mehr wirklich auf ihn warten konnte und das Gefüge so verändert hat, dass er langfristig eigentlich nicht mehr wirklich hineinpasst.
Vielleicht gibt es einen Kontext, fernab von den Erwartungen, dieser vermeintlichen "Retter"-Rolle, in dem Williamson doch noch irgendwie durchstarten kann. Als bester Spieler wird er kein Team ins gelobte Land führen, so viel ist mittlerweile recht eindeutig erwiesen. Vielleicht ja als zweite oder dritte Option?
Es wirkt bloß nicht so, als könnte dieser Shift noch in New Orleans erfolgen. Vielleicht ist ein Tapetenwechsel im Sinne beider Parteien, um sich richtig weiterentwickeln zu können.
Ole Frerks