vor 9 Stunden
Prognosen für die Saison 2026/27
Ein Überraschungsteam im Westen? Das Ende eines Experiments in Orlando? Ein Spurs-Trade, der so gar nicht zu den Spurs passt - und eine dramatische Rückkehr auf die Finals-Bühne? Kurz vor Saisonstart stellen wir zehn lauwarme bis kochend heiße Vorhersagen zur Spielzeit auf!

Seit der überraschenden Meisterschaft 2022 liest sich Golden States Bilanz wie folgt: Zweimal die erste Runde überstanden, zweimal im Play-In gescheitert. Wobei das vergangene Saison schon nur noch deshalb überhaupt so weit kam, weil 37 Siege in einer in der Breite schwachen Conference ausnahmsweise für Rang 10 reichten.
Nun wird es auch damit eng. Das Team wurde im Sommer nahezu gar nicht verstärkt, trotz aller Träumereien von einem "Expendables"-Szenario mit LeBron James und Anthony Davis. Neu ist Yaxel Lendeborg, ein vielversprechender Rookie - aber eben ein Rookie. Quinten Post ist dafür weg. Ansonsten ist das Team vor allem älter geworden.
Nicht gesünder allerdings, dummerweise. Jimmy Butler kehrt womöglich irgendwann in 2027 zurück, nur in welcher Form? Kristaps Porzingis fällt mit der mysteriösen Krankheit, die ihn schon in seinem letzten Jahr in Boston plagte, schon wieder auf unbestimmte Zeit aus. Moses Moody ist auch verletzt. Al Horford ist gesund, aber, nun, 40 Jahre alt.
Natürlich bleibt Stephen Curry ein gutes Fundament, erst recht in Kombination mit Draymond Green. Letzterer könnte mit seinem Einjahresvertrag aber durchaus auch ein Trade-Kandidat werden, sollte die Saison laufen wie von uns erwartet. Beide fallen seit Jahren immer häufiger aus.
In der vergangenen Spielzeit waren die Steph-Draymond-Possessions zwar wie seit jeher stark (Net-Rating: +12,6!) - es waren aber auch nur 521. Dieses Team hat abgesehen vom alten Championship-Tandem nicht mehr allzu viel Talent. Sollte Curry wie im letzten Jahr wieder längere Ausfallzeiten haben, könnte es richtig hässlich werden (Offensiv-Rating ohne Steph oder Butler im Vorjahr: 110,9 - nicht konkurrenzfähig).
Immerhin lässt sich Curry weiterhin fürstlich entlohnen und hat nochmal für zwei Jahre und 116 Mio. Dollar (bis 2029) verlängert. Es ist nicht zu erwarten, dass in diesem Zeitraum nochmal ein echter Run möglich sein wird.

Vor 15 Jahren schaffte dies zuletzt ein Rookie - wobei es Blake Griffin zweifelsohne half, dass er nach dem Draft ein Jahr pausieren musste und sich als Rekonvaleszent an den Alltag der NBA gewöhnen konnte, ehe es richtig losging. Seither ist jedes Top-Prospect an dieser Hürde gescheitert, sei es Luka Doncic, Victor Wembanyama, wie sie alle heißen.
Die Chance ist gering. Sie ist aber da, gerade in diesem Jahr. Zumal es gleich vier Spieler gibt, die in anderen Jahren wohl Nr.1-Picks gewesen wären. Und insbesondere einer davon ist nicht nur körperlich bereit, sondern hat auch das Spiel, die sportliche Reife - und den Stellenwert in seiner Mannschaft.
Cameron Boozer wird die Saison als offensiver Fixpunkt der Grizzlies eröffnen. Schon in der Preseason zeigte sich, dass der Forward auch gegen NBA-Spieler effizient zu seinen Abschlüssen kommt, dass er passen kann, das Spiel gut liest. Er dürfte alle Freiheiten haben, gleichzeitig sind die Grizzlies als Team tief und talentiert genug, dass es durchaus möglich erscheint, dass sie Erwartungen übertreffen und beispielsweise die genannten Warriors in der Conference hinter sich lassen.
Ein gewisser Team-Erfolg wird nötig sein. Stats auch - schafft es Boozer aufs 20/10-Terrain? Bei Griffin waren es einst 22,5 Punkte, 12,1 Rebounds, 3,8 Assists. Das ist eine hohe Messlatte, aber früher oder später muss sie mal wieder gerissen werden.
James Dolan wäre nicht James Dolan, wenn er nach dem Gewinn einer Meisterschaft Harmonie in seiner Franchise priorisieren würde. Seine kategorische Weigerung, den Second Apron zu überschreiten, hat die Knicks im Sommer bereits Mitchell Robinson gekostet. Sie könnte auch noch weitere atmosphärische Störungen hervorrufen.
Bei Karl-Anthony Towns ist es sogar schon so weit - KAT ärgert sich wenig überraschend darüber, dass das Front Office Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung kurzerhand (und einseitig) ausgesetzt hat. Towns kann 2027 per Spieler-Option Free Agent werden, genau wie Josh Hart, wobei hier die Knicks per Team-Option über die Kontrolle verfügen.
Wird die Ungewissheit zum Stressfaktor? Bisher betonen alle Parteien, dass sie professionell bleiben, sich auf die Aufgabe namens Repeat konzentrieren wollen. Bedenkt man jedoch, wie essenziell die Einheit beim Championship-Run war und wie fragil so ein Gefüge sein kann (noch kurz vor den Playoffs war die Stimmung ja angeschlagen), könnte man sich Sorgen machen.
Gegebenenfalls könnte man sogar proaktiv handeln. Das Front Office der Knicks hat über die vergangenen Jahre bewiesen, dass es keine großen Transaktionen scheut, selbst wenn diese kontrovers sind, wie der ursprüngliche Towns-Trade. Einen Starter der Meistermannschaft zu traden, wäre wohl eine neue Dimension, andererseits kann es eben passieren, dass die Gehälter der Starter es sonst langfristig fast unmöglich machen, unter dem Second Apron zu bleiben.
Natürlich könnte der Besitzer, der (nicht nur) mit dieser Franchise beständig Geld druckt, seine Spieler auch einfach bezahlen, solange die Chance auf weitere Titel da ist. Aber das wäre dann eben zu harmonisch.
Die beiden lautesten Teams in Sachen Sommer-Transaktionen wecken Euphorie und schüren Erwartungen. Tatsächlich ist die Talentansammlung in beiden Fällen, vor allem allerdings bei den 76ers, ja auch beeindruckend, und die Top-Level-Performance beider Teams könnte andere vor große Probleme stellen.
Es gibt aber auch Zweifel. Miami hat defensiv großes Potenzial, wirkt aber offensiv etwas limitiert, gerade in Sachen Ballhandling und Shot Creation, wenn der Druck sich in den Playoffs erhöht. Philly hat viele Köche, aber wenige Connector, wenige richtig gute Passer. Der mit Abstand beste im Team wird im Dezember 42 Jahre alt.
Und das schließt an das letzte, das größte Problem an. Die Verfügbarkeit. Giannis Antetokounmpo wird im Wesentlichen Miamis Offense sein - der Greak Freek hat zuletzt 2022 eine Playoff-Serie gewonnen und seither acht von 16 möglichen Playoff-Spielen verpasst. Es fehlt nach 2021 schlichtweg ein weiterer Beweis, dass er (noch immer) einen richtig tiefen Run körperlich überstehen kann.
Joel Embiid hat diesen Beweis noch nie erbracht. Der Kameruner stand noch nie in Runde drei, auch 2026 stand er wieder nur für Teile einer richtig guten (gegen Boston) und einer ziemlich schlechten Serie (gegen New York) zur Verfügung. Vielleicht ist Philly tief genug, um den Big Man durch die Playoffs zu load-managen - andererseits hat Team-Basketball auf dem allerhöchsten Level so eigentlich noch nie funktioniert.

Zweimal war Luka Doncic bereits Liga-Topscorer, erreichte dabei 33,9 und 33,5 Punkte. Nun ist ein weiterer Sprung drin, denn: Das Team ist erstmals in Los Angeles auf seine Wünsche zugeschnitten, er geht gesund und fit in die Saison, spielte im Sommer nicht für die Nationalmannschaft Sloweniens, und er steht in der Bringschuld.
Doncic hat einen gewissen Druck auf die Lakers ausgeübt, ihm Walker Kessler und Schützen an die Seite zu stellen. Er wird den Platz haben, es ist nun keine Abstimmung mehr mit LeBron nötig, kein Herausfinden, wer welche Rolle einnehmen soll. Die Lakers sind eine Luka-Show; pro 75 Ballbesitzen legte Luka schon vergangene Saison 38,7 Punkte (!), 9,1 Assists und 9,0 Rebounds auf, wenn er ohne LeBron auf dem Parkett stand.
Es gibt eine Chance, dass der Slowene die statistisch wildeste Offensivsaison der NBA-Geschichte produziert. 36+ über die Saison haben bisher nur Wilt Chamberlain, Michael Jordan und James Harden übertroffen. Wenn er dazu noch am Triple-Double kratzt?
| # | Spieler (Team) | Saison | PPG |
|---|---|---|---|
| 1 | Wilt Chamberlain (Warriors) | 1961/62 | 50,4 |
| 2 | Wilt Chamberiain (Warriors) | 1962/63 | 44,8 |
| 3 | Wilt Chamberlain (Warriors) | 1960/61 | 38,4 |
| 4 | Wilt Chamberlain (Warriors) | 1959/60 | 37,6 |
| 5 | Michael Jordan (Bulls) | 1986/87 | 37,1 |
| 6 | Wilt Chamberlain (Warriors) | 1963/64 | 36,9 |
| 7 | James Harden (Rockets) | 2018/19 | 36,1 |
Zugegeben, MPJ entspricht mit seinen regelmäßigen wilden Podcast-Aussagen und seiner Persönlichkeit nicht dem Spieler-Typus, den die Spurs seit Jahrzehnten favorisieren. Bedenkt man jedoch, wie wichtig Spacing rund um Victor Wembanyama ist und wie klein die gut spacenden Spurs-Lineups in den Playoffs bisweilen waren, wäre der 2,08 m große Edelshooter mit seinem Off-Ball-Game ein mehr als spannender Fit.
Zumal Porter (unter anderem) 2023 schon gezeigt hat, dass man mit ihm auch im großen Stil gewinnen und er ausreichend "seriös" sein kann. Stand jetzt spielt er auf einem auslaufenden Vertrag (40,8 Mio.), es würde für die Nets also durchaus Sinn ergeben, ihn zu traden, ehe er die Franchise im Sommer 2027 ohne Gegenwert verlassen kann (natürlich könnte man seinen Deal auch jetzt vorzeitig verlängern).
Die Spurs könnten sein Gehalt beispielsweise mit De’Aaron Fox problemlos matchen. Dadurch würde die Zwickmühle im Backcourt gelöst und die Kader-Balance verstärkt, einerseits (man wäre außerdem Fox‘ teuren Vertrag los). Andererseits müssten Stephon Castle und Dylan Harper wohl vorher erst einmal beweisen, dass sie die Offense lenken können, ohne dabei ständig den Ball zu verlieren, wie es noch 25/26 in den Minuten ohne Fox viel zu oft der Fall war.
Und die Spurs müssten über ihren Schatten springen. Wir rechnen aus Gründen mal nicht damit - bleiben aber dabei, dass MPJ dem Team sportlich weiterhelfen könnte.

Immer wieder wird seit Monaten darüber spekuliert, dass Dallas Kyrie Irving im Lauf der Saison traden könne, da dieser ja nicht zur Timeline des Teams und vor allem Cooper Flagg passt. Vielleicht, aber vielleicht entscheidet sich die Franchise auch, das Timeline-Thema von der anderen Seite zu betrachten.
Die Realität ist ja, dass Flagg noch drei Jahre auf seinem Rookie-Deal hat und in dieser Zeit so günstig ist, wie er nie wieder sein wird. Oklahoma City und San Antonio haben gerade demonstriert, wie schnell es gehen kann, wenn junge Spieler früh richtig gut werden und der finanzielle Spielraum genutzt wird, um sie bestmöglich zu ergänzen.
Vielleicht sieht Dallas einen fitten Kyrie als nahezu perfekten Fit neben Flagg, weil er ihn in Szene setzen und gleichzeitig spacen kann, wenn Flagg selbst die Offense initiiert. Vielleicht wird eher mithilfe der vielen Midsize-Verträge im Kader probiert, einen weiteren Star ins Team zu lotsen, solange man sich größere Gehälter noch leisten kann.
Vielleicht wird Dallas auch schlichtweg schnell viel besser sein, als derzeit oft angenommen wird. Eine Bonus-Vorhersage: Die Mavs haben, wenn Flagg den Leap Richtung All-NBA-Konversation schafft und Irving bleibt, genug Talent, um (vermutlich via Play-In) die Playoffs zu erreichen!
Die ersten Eindrücke aus der Preseason sind nicht verkehrt, auch wenn es im zweiten Spiel gegen Cleveland einen Dämpfer gab. Die Offense sah gerade gegen Memphis etwas moderner aus, Ball und Spieler bewegten sich schneller, mit mehr Klarheit, so wirkte es zumindest. Dass die Magic das Talent für mehr haben, als sie zuletzt gezeigt haben, ist ohnehin kein Geheimnis.
Gleichzeitig ist diese Saison ein Make-or-Break-Jahr für die Magic, und vielleicht ist etwas zu viel "Break" auch schon geschehen. Der Kader ist fast identisch wie im Vorjahr, nur der Coach ist neu, Sean Sweeney hat Jamahl Mosley ersetzt. Möglich, dass diese Tatsache allein kombiniert mit besserer Gesundheit schon reicht, um zu einem ernsthaften Titelkandidaten zu avancieren.
Wie ein solcher kosten die Magic nämlich bereits, auch wenn sie bisher noch nie eine Playoff-Serie gewonnen haben. Teurer sind 26/27 Stand jetzt nur die Nuggets und Warriors, zwei Teams mit Meister-Vergangenheit und Hall-of-Famern in ihren Reihen. Orlando hatte 25/26 nicht mal einen All-Star. Dabei ist für Anthony Black noch kein neuer Vertrag ausgehandelt; kommenden Sommer würden die Magic mit ihm ziemlich sicher die Second-Apron-Grenze sprengen.
Sie waren bisher nicht gut genug, um das zu rechtfertigen. Weshalb sich, wenn sich keine dramatische Steigerung direkt vom Saisonstart weg anbahnt, auch schon während der Spielzeit etwas verändern könnte. Jalen Suggs ist vielleicht der beste Kandidat für einen Trade, auch Franz Wagner und Paolo Banchero stehen als Top-Verdiener natürlich aber im Fokus, zumal sie bisher noch nie die ideale Harmonie auf dem Court gefunden haben.

Machen wir es kurz: Wann immer über die letzten Jahre ein Matchup im Vorfeld als sicher erachtet wurde, kam es nicht zustande. Ein anderes Team schiebt sich dazwischen, es gibt Verletzungen zum miesen Zeitpunkt, ein Matchup, das aus irgendeinem Grund doch problematischer wird als im Vorfeld angenommen.
Aktuell ist es kaum vorstellbar, dass im Westen irgendjemand dazwischenfunkt, ehe sich OKC und San Antonio in den Conference Finals begegnen; so dominant, so gefestigt wirken diese Teams, so klar besser als die Herausforderer hinter ihnen. Das ist aber nicht zum ersten Mal so.
Die letzte Dekade hat es immer wieder demonstriert, wie schwierig ist, zwei tiefe Runs direkt aneinanderzureihen - abgesehen von OKC (2026) hatte es zuvor seit 2019 nicht aus Zufall kein einziger Finalist im nächsten Jahr wieder bis in die Conference Finals geschafft. Wir wissen noch nicht, was es sein wird … aber irgendwas ist immer.
Vielleicht hilft es ja, nach einem solchen Run mal ein Jahr lang gar nichts zu tun! Offiziell waren die Pacers zwar auch 25/26 ein NBA-Team … aber eben nicht so richtig. Der Versuch, an den magischen 2025er Run bis in Spiel 7 der Finals anzuknüpfen, beginnt jetzt erst, mit Tyrese Haliburton, der nach seinem Achillessehnenriss endlich wieder mitwirken kann.
Der Point Guard wird sich natürlich akklimatisieren müssen. Er wird sich auch an einen neuen Pick’n’Roll-Partner gewöhnen müssen, da Ivica Zubac ein ganz anderer Spielertyp ist als Vorgänger Myles Turner. Das ist dem virtuosen Playmaker allerdings zuzutrauen, zumal Zubac nicht nur anders ist als Turner, sondern im Vakuum auch schlichtweg besser.
Indiana bringt große Teile des Kaders zurück, der 2025 die NBA schockierte, aus der Kernrotation sind lediglich Turner und Benn Mathurin weg. Einige Leistungsträger sind zwar mittlerweile etwas älter geworden, gerade TJ McConnell ließ vergangene Saison etwas nach, allerdings verändern sich Rollen nun auch wieder, und Haliburtons größte Qualität besteht darin, alle Mitspieler um ihn herum besser zu machen.
Der Osten ist tief, stark besetzt. Es gibt gleichzeitig kein Team, das ohne Fragezeichen in die Saison geht. Indiana hat seine Identität, eine sehr gute Playoff-Bilanz gegen "Platzhirsch" New York, einen der besten Playoff-Coaches. Hat Indiana auch die Version Haliburtons aus den Playoffs 2025, stehen die Chancen nicht so schlecht für eine Rückkehr auf die größte Bühne.
Ole Frerks