24.04.2025
Alle Playoff-Serien kurz beleuchtet
In allen Serien wurden bislang zwei Partien gespielt und es lassen sich durchaus erste Trends ablesen. Wir blicken im Schnelldurchlauf auf die Serien und sehen in zumindest einem Duell absolutes Klassikerpotenzial.

(1) Oklahoma City Thunder - (8) Memphis Grizzlies (2-0)
Es ist meistens so, dass die Duelle zwischen Erst- und Achtplatziertem recht deutlich ausfallen, selten war es jedoch so klar wie zwischen OKC und Memphis. Derzeit haben die Thunder über zwei Spiel 72 Punkte mehr als Memphis erzielt, eindeutiger war in der Geschichte bisher nur eine Serie zwischen den Lakers und Spurs in den Achtzigern.
Wirklich Hoffnung gibt es in Memphis nicht. Es fehlt eine Lösung für die Minuten ohne Superstar Ja Morant, ansonsten sind sich diese Teams in ihrer Herangehensweise sehr ähnlich - allerdings mit mehr Qualität und Quantität auf der Seite der Thunder, die nicht einmal überragend ihre Dreier treffen (mittelmäßige 35,8 Prozent). In Memphis kann man nur hoffen, dass es bald vorbei ist.

(1) Cleveland Cavaliers - (8) Miami Heat (2-0)
Etwas anders verhält es sich bei den Cavs, die in Spiel 2 einen Playoff-Rekord für verwandelte Dreier in einem Viertel (11) aufstellten und 45,5 Prozent ihrer Distanzwürfe treffen. Auch hier führt der Top-Seed komfortabel mit 2-0, doch Miami fand in beiden Spielen Lücken in der Verteidigung und steht nicht komplett auf verlorenem Posten.
Das zeigte das vierte Viertel, als Cleveland nicht mehr jeden Dreier traf und die Heat sogar noch Chancen hatten, das Spiel zu gewinnen. Sie taten es nicht, entsprechend schwer wird nun die Aufgabe. Die Cavs werden sich hier vermutlich souverän durchsetzen, aber Miami sollte in der Lage sein, zumindest ein Heimspiel für sich zu entscheiden.
(2) Boston Celtics - (7) Orlando Magic (2-0)
Gleiches gilt auch für Orlando, denen Scoring und der Wurf von Franz Wagner abgeht. Auch aus dem Ausfall von Jayson Tatum (Handgelenk) konnten die Magic kein Kapital schlagen. Orlando spielt weiter zu langsam, trifft keine Dreier - so wird das Team aus Florida kaum ein Spiel gewinnen. Aber: Im Vorjahr bewies Orlando seine Heimstärke und statistisch gesehen werfen die Magic im Kia Center auch deutlich besser.
Die Celtics sind dagegen das beste Auswärtsteam der NBA (33-8), dennoch macht auch ihnen die Magic-Defense zu schaffen. Mit 103 und 109 zugelassenen Punkten kann man in Orlando eigentlich leben, es braucht einfach nur ein bisschen mehr von den Rollenspielern. Sollte Tatum weiter fehlen, ist es möglich, dass Orlando daheim den Ausgleich schaffen kann.
(4) Indiana Pacers - (5) Milwaukee Bucks
Die vierte Serie mit 2-0 verlagern wir aber in diese Kategorie, auch wenn die Bucks gegen Indiana bisher enttäuschten. Wie es scheint, kann Milwaukee nur mit Offense erfolgreich sein, Pacers-Star Tyrese Haliburton kann bisher schalten und walten, wie er möchte. Daran wird auch Damian Lillard nichts ändern, allerdings kehrte der Aufbauspieler in Spiel 2 wieder zurück.
Rhythmus hatte er noch keinen (4/13 FG), doch bei der fehlenden Tiefe im Kader ist ein Einsatz von Lillard schon ein Gewinn. Coach Doc Rivers hat wenig Optionen, dennoch gibt es diverse Ansätze. Das Flügelduo Prince/Kuzma war enttäuschend, Brook Lopez sollte wieder mehr spielen. Trotz aller Probleme scheint es möglich, dass Milwaukee in den Heimspielen wieder ausgleichen kann, auch weil Indiana keine Antworten auf Giannis Antetokounmpo hat (35 PPG, 15 RPG).

(3) New York Knicks - (6) Detroit Pistons
Ausgeglichen ist im Osten nur eine Serie - und zwar New York gegen Detroit. Die Pistons klauten Spiel 2 im Madison Square Garden, waren mit Ausnahme eines 21:0-Laufs der Knicks im vierten Viertel von Spiel 1 wider Erwarten bisher das bessere Team. Selbst mit einer unterirdischen Dreierquote konnte ein Spiel geklaut werden, während New Yorks Offense nur aus Jalen Brunson besteht und eine große Enttäuschung ist.
Aufgrund ihrer Qualität sollten die Knicks weiter als Favorit sein, dafür braucht es aber mehr Kreativität im Angriff. Karl-Anthony Towns nahm nach der Pause in Spiel 2 nur drei Würfe - viel zu wenig. Die Pistons haben dagegen nach 15 Jahren mal wieder ein Playoff-Spiel gewonnen, Detroit hat nichts zu verlieren. Aber: Auch ihre Offense war vor allem in den Schlussphasen nicht gut, am Ende war es ein lichter Moment von Dennis Schröder, der ein weiteres Knicks-Comeback verhinderte.
(2) Houston Rockets - (7) Golden State Warriors
Dass es gallig werden würde, war klar. Das geht auch nicht anders, wenn Draymond Green beteiligt ist. Beide Teams definieren sich über sich über ihre Verteidigung, entsprechend physisch ging es in den beiden Spielen zu. Golden State hat mit Stephen Curry und Jimmy Butler mehr individuelle Qualität, doch sollte Butler länger ausfallen, werden die Warriors vermutlich nicht viel zu melden haben.
Bei den Rockets bleibt weiter die Frage, wo das Scoring im Halbfeld herkommen soll? In Spiel 2 hieß die Antwort Jalen Green (38 Punkte), doch verlassen sollte man sich darauf nicht. Mit Butler sind die Dubs leicht zu favorisieren, auch weil der Heimvorteil erobert wurde, doch der Sturz in Spiel 2 sah alles andere als gesund aus.
(3) Los Angeles Lakers - (6) Minnesota Timberwolves
In Spiel 1 trafen die Wolves alles aus der Distanz, in Spiel 2 nichts. Das mag einfach heruntergebrochen sein, ist aber ein Fakt. Über beide Spiele machten dennoch die Wolves den etwas besseren Eindruck, während L.A. trotz Luka Doncic, LeBron James und Austin Reaves in beiden Spielen keine 100 Punkte zusammenkratzen konnte.
Minnesota kämpfte zudem mit Foulproblemen, ihre Mannschaft ist etwas tiefer besetzt. Gefühlt ist in dieser Serie alles offen. Was gegen die Lakers spricht: Die Spiele 5, 6 und 7 werden alle im Zwei-Tages-Rhythmus stattfinden, was eher für die jungen Wolves und gegen LeBron (40) spricht.

(4) Denver Nuggets - (5) L.A. Clippers
Diese Serie hat alles, um noch eine Weile im Gedächtnis zu bleiben. In Nikola Jokic und Kawhi Leonard (wenn fit, was er derzeit ist) treffen hier zwei der besten Spieler ihrer Generation aufeinander, mit James Harden und Russell Westbrook gibt es zwei weitere kommende Hall of Famer. Die ersten beiden Spiele hätten auch jeweils anders ausgehen können, beide Male fiel die Entscheidung erst in den Schlusssekunden.
Spannend dabei: Beide Teams haben klare Stärken und klare Schwächen in ihren Lineups. Vor allem das Duell zwischen Clippers-Guard Kris Dunn und Westbrook ist faszinierend, weil beide vom anderen Team an der Dreierlinie quasi ignoriert werden. Welcher Coach wird zuerst blinzeln?
Dazu ist es vielleicht der größte Test für Jokic. Noch nie wurde der Serbe im Post so gut verteidigt wie von Ivica Zubac. Der dreifache MVP wird weiter Fabelzahlen auflegen, aber Jokic verbringt nun mehr Zeit am Perimeter, was der Serbe kann, aber nicht immer gerne macht. Und dann bleibt natürlich die Frage: Wie lange kann Kawhi Terminator spielen? Aus Fan-Sicht kann man nur hoffen, dass alle gesund bleiben und diese Serie über die volle Distanz geht.
Robert Arndt