14.04.2025
Playoff-Preview New York vs. Detroit
Mit den New York Knicks und den Detroit Pistons treffen in der ersten Runde zwei alte Großmächte der Eastern Conference aufeinander. Die Teams kommen jedoch mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in der Postseason an. Für ein Team wäre das Erstrundenaus ein Desaster, das andere ist längst ein Gewinner dieser Saison. Kann Detroit aber vielleicht sogar für eine Überraschung sorgen?

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine klare Sache, dass New York die Favoritenrolle einnehmen sollte. Die Knicks sind weiter in ihrer Entwicklung - vergangene Saison gewannen sie eine Serie und hätten mit besserer Gesundheit vielleicht die Conference Finals erreicht. In der Offseason legten sie nach, um ihr Fenster mit Star-Guard Jalen Brunson zu maximieren.
Viel wurde investiert, um Mikal Bridges aus Brooklyn loszueisen. O.G. Anunoby wurde bezahlt wie ein Superstar. Hinzu kam der Trade für Karl-Anthony Towns, mit dem die New Yorker endgültig "all-in" zu gehen schienen. In diesem Jahr wollten sie die Vormachtstellung der Celtics im Osten in Frage stellen.
Tatsächlich geht New York nun aber wohl mit nicht ganz so breiter Brust in diese Serie. Für den Heimvorteil hat es gereicht, nach exzellentem Start in die Saison (24-10) schwankten die Leistungen im Jahr 2025 jedoch, einige Ausfälle spielten dabei auch eine Rolle. Allerdings nicht nur das; zwischen Offense und Defense klaffte quasi ab Saisonstart eine Lücke.
| Knicks | Stat | Pistons |
|---|---|---|
| 51-31 | Bilanz | 44-38 |
| 117,3 (5.) | Offensiv-Rating | 114,6 (14.) |
| 113,3 (13.) | Defensiv-Rating | 112,5 (10.) |
| +4,0 (8.) | Net-Rating | +2,1 (12.) |
| 1-3 | Direkter Vergleich | 3-1 |
Unmittelbar vor Playoff-Start verloren die Knicks ihre letzten drei Spiele (vor #82, in dem das ganze Team geschont wurde) trotz jeweils zweistelliger Führungen. Über die Saison verloren sie alle zehn Spiele gegen die drei 60-Siege-Teams der NBA (OKC, Boston, Cleveland) und wirkten oft eher nicht wie der Contender, der sie gern sein möchten.
"Wir müssen das repariert bekommen, und zwar schnell", sagte Coach Tom Thibodeau nach der jüngsten Niederlage gegen Cleveland am Freitag. "Wir müssen alles reparieren. Wir müssen 48 Minuten lang spielen, an beiden Enden des Courts."
Die Pistons kommen aus einer anderen Richtung in der Postseason an, mit Rückenwind, ohne Druck. Das schlechteste Team der vergangenen Saison (14 Siege!) hat seine Ausbeute längst mehr als verdreifacht. Im Jahr 2025 ist die Bilanz der Pistons sogar leicht besser als die der Knicks (30-20 vs. 28-21), das Net-Rating erst recht (+4,9 vs. +2,5).
Detroit hat seine Identität gefunden, rund um Breakout-Star Cade Cunningham sowie einen guten Mix aus athletischen Talenten und Veteranen, die Balance ins Team gebracht haben. In der Offseason investierte Detroit Ressourcen in (vor allem) Tobias Harris und Malik Beasley, während der Saison kam dann auch noch Dennis Schröder per Trade hinzu, um nach der Verletzung von Jaden Ivey wieder einen zweiten Ballhandler neben Cade im Team zu haben.
Detroit kam unter dem neuen Coach J.B. Bickerstaff noch etwas wacklig aus den Startlöchern (11-17 bis Mitte Dezember), seither wurde jedoch konstant und viel gewonnen, vor allem aufgrund der elitären Defense (Platz 4 in 2025). Zum Ende der Saison hin setzte es wieder mal ein paar Niederlagen (6 der letzten 8 Spiele), trotzdem war bis Spiel 81 noch Platz fünf möglich.
Nicht verkehrt für ein Team, bei dem fünf der acht Spieler mit den meisten absolvierten Minuten noch nie mit Postseason-Basketball in Kontakt gekommen sind. Für Detroit ist es die erste Playoff-Teilnahme seit 2019, auf einen Playoff-Sieg wartet die Motor City bereits seit 2008.

- Erst am 6. April kehrte Brunson nach einem Monat Pause von einer Knöchelverletzung zurück. Seither erreichten seine Leistungen (und Minuten) noch nicht das gewohnte Niveau, vielleicht könnte sich die Zwangspause für ihn aber sogar als nützlich erweisen, schließlich wird Thibs auch in dieser Postseason wieder extrem viel von ihm verlangen. 2024 hatte Brunson eine der größten Playoff-Workloads für einen kleinen Guard seit Allen Iverson. Mit Towns sieht das Team zwar anders aus, der offensive Motor und Spiele-Entscheider jedoch bleibt Brunson; entsprechend wird New York ihn bei 100% brauchen, um sein Ceiling zu erreichen. Ob er da von Beginn an ist? "Man redet immer über den physischen Teil. Aber es geht auch mental darum, zu vertrauen. Dem Knöchel vertrauen, der Bewegung vertrauen, sich nicht in Frage zu stellen", erklärte Brunson selbst. "Das ist eine Umstellung, aber ich fühle mich schon besser."
- Detroits beste Offense kommt in Transition, nach Rebound oder idealerweise nach Ballgewinn. Die Knicks allerdings zählen normalerweise zu den Teams, die am besten auf den Ball aufpassen (Platz 6 bei der Turnover-Rate). Wenn New York das Tempo kontrolliert, dürften sie im Vorteil sein.
- Kann New York "nur" Offense? Wie schon über Jahre in Minnesota spielte Towns auf Center offensiv dominant und trug defensiv viel dazu bei, dass die Knicks unheimlich anfällig im Pick’n’Roll aussahen. Nun ist der lange verletzte Center Mitchell Robinson zwar wieder gesund, bisher setzte Thibs aber fast nie auf Lineups mit beiden Großen. Ändert sich das in der Postseason, oder setzt New York Thibs-untypisch auf die "Flucht nach vorn" und darauf, dass die Wings die Achse Brunson-KAT irgendwie beschützen?
- Apropos Wings: Gerade auf Anunoby und Bridges wird es verstärkt ankommen. Bridges wird wohl der primäre Verteidiger gegen Cade sein, Anunoby könnte es dem Pistons-Star mit seiner Physis indes noch schwerer machen. Kann er sich die überragende Offense der letzten Wochen (22,9 Punkte seit Anfang März) ebenfalls beibehalten?
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Brunson | M. Bridges | J. Hart | O.G. Anunoby | K. Towns |
| M. McBride | L. Shamet | P. Dadiet | P. Achiuwa | M. Robinson |
| C. Payne | D. Wright | - | P.J. Tucker | A. Hukporti |
| T. Kolek | - | - | - | - |

- Brot und Butter der Pistons-Offense im Halbfeld ist in der Regel das Pick’n’Roll mit Cunningham und Center Jalen Duren, flankiert von Schützen auf dem Flügel. Gerade Cade ist als Scorer und Playmaker Zentralgestirn von allem, was Detroit macht. Kann er es schaffen, seine Ballverluste zu limitieren und Spielen direkt bei seinem Postseason-Debüt seinen Stempel aufzudrücken? Wird es ihm vor allem gelingen, Brunson und Towns wieder und wieder direkt in seine Aktionen zu involvieren? In der Regular Season jedenfalls sah das gegen die Knicks sehr danach aus (30,8 Punkte, 8,3 Assists, 56% aus dem Feld).
- Selbst mit Cunningham auf dem Court ist Detroit nur ein okayes Offensiv-Team. In den Minuten ohne ihn … das Offensiv-Rating über die Saison beträgt 111,8, das wird nicht reichen. Schröder hat seit seiner Ankunft schon geholfen (immerhin 114,5), an sich bieten die Knicks auch für seinen Speed eine gewisse Angriffsfläche. Insofern wird auf den deutschen Kapitän eine wichtige Rolle als Anführer der 2nd Unit zukommen, zumal er neben Harris, Beasley und Tim Hardaway Jr. der einzige playoff-erprobte Rotationsspieler ist.
- Die Pistons haben sich defensiv in fast allen Bereichen zu einem guten Team gemausert. Nur Fouls begeht dieses Team noch immer viel zu viel, nur drei Teams erlauben eine höhere gegnerische Freiwurfrate. Insbesondere Isaiah Stewart und Ron Holland neigen zu bisweilen übertriebener Aggression und werden versuchen müssen, sich im Griff zu haben. Gerade Brunson weiß gut, wie man regelmäßig an die Freiwurflinie kommt.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| C. Cunningham | T. Hardaway Jr. | A. Thompson | T. Harris | J. Duren |
| D. Schröder | M. Beasley | R. Holland | S. Fontecchio | I. Stewart |
| M. Sasser | J. Ivey | L. Waters III | B. Klintman | P. Reed |
Detroit kann diese Serie gewinnen, wenn es den Pistons gelingt, die Knicks physisch unter Druck zu setzen, die Bretter zu kontrollieren und häufig ins Laufen zu kommen. New York ist verletzlich, die Defense sah insbesondere gegen gute Teams über die gesamte Saison selten sattelfest aus. Gut im Rhythmus waren die Knicks zuletzt ebenfalls nicht.
Aber: Detroit tat sich mit den guten Teams sogar noch schwerer. Die Halbfeld-Offense der Pistons ist eine der drei schwächsten im gesamten Playoff-Feld. Vermutlich werden sie weniger Transition-Chancen bekommen, als ihnen lieb wäre. Vermutlich werden auch Cade und die anderen Jungen im Team ein wenig Lehrgeld zahlen.
Die ersten Playoff-Siege der Pistons seit 2008 wird es geben, über die Serie sollte sich die Erfahrung der Knicks jedoch durchsetzen. Der Tipp: Knicks in 6.
Ole Frerks