vor 5 Stunden
Was macht Orlando ohne den Cunningham-Stopper?
Die Serie geht weiter! In Detroit haben sich Cade Cunningham und Paolo Banchero ein Duell für die Geschichtsbücher geliefert. Trotz einer guten Leistung und der weiterhin stabilen Ausgangslage müssen in Orlando jetzt alle Alarmglocken angehen.

Mit jeweils 45 Punkten haben die beiden Starspieler der Pistons und Magic am Mittwochabend (Ortszeit) für eine regelrechte Show gesorgt. Bis in die Schlussphase wechselten sich Cunningham und Banchero mit wichtigen Treffern ab. Es war das erste Mal, dass zwei Gegenspieler in den Playoffs mindestens 45 Punkte erzielen seit dem legendären Duell zwischen Jamal Murray (50 PTS) und Donovan Mitchell (51 PTS) in der Bubble von Orlando.
"In der Hitze des Gefechts denkt man da nicht wirklich drüber nach", sagte Paolo Banchero später. "Aber sicherlich werde ich eines Tages zurückblicken und denken, dass es ein überragendes Spiel war." Wirklich überrascht sei er von den Leistungen seiner Selbst und Cunningham aber nicht gewesen: "Wir duellieren uns schon seit AAU-Tagen."
Mit 17/31 Treffern, davon 6/11 aus dem Dreierbereich hielt Banchero seine Magic von Anfang bis Ende in Schlagdistanz und kompensierte damit offensiv auch den Ausfall von Franz Wagner: "Ich wusste einfach, dass weil er raus ist, ich jetzt aggressiver sein muss." Der Berliner hatte sich im vierten Spiel eine Wadenzerrung zugezogen. Rückkehr? Ungewiss.
Defensiv konnte Orlando das Fehlen Wagners allerdings nicht ausgleichen. Der 24-Jährige war in der laufenden Erstrundenserie gegen Detroit schließlich der primäre Bewacher von Cade Cunningham. Dessen Ausbeute in den vergangenen beiden Spielen dürfte ein Mitgrund für die (weiterhin) bestehende Serienführung der Magic sein. In den beiden Auswärtsspielen in Orlando verwandelte der Pistons-Guard lediglich 15 seiner 46 Wurfversuche und leistete sich zudem 17 Ballverluste.

Wagner ist für den MVP-Kandidaten ein schwieriges Matchup. Cunningham operiert gern in der Zone, kann sich vor allem gegen gleichgroße oder kleinere Gegenspieler hervorragend Platz verschaffen. Gegen den deutschen Nationalspieler war das nur selten möglich. Wagner hat physische Vorteile gegenüber dem US-Amerikaner, ist aber zugleich auch flexibel genug, um Cunningham vor sich zu halten.
Das Fehlen Wagners legte die Schwachstelle nun auf brutale Art und Weise offen. Orlando-Trainer Mosley entschied sich stattdesen Senkrechtstarter Jamal Cain in die Startaufstellung zu beordern. Der Forward sah gegen Cunningham aber über weite Strecken kein Land. Vor allem im Post hatte er mehrfach das Nachsehen gegen einen Gegenspieler, der teilweise "bully ball" mit ihm spielte. Cains Plus/Minus-Wert von -9 war der mit Abstand schlechteste aller Starter.
Nun hat auch Franz Wagner keine Wunder bewirken können. In keinem der Spiele der bisherigen Serie erzielte Cunningham weniger als 25 Punkte. Dennoch war im fünften Aufeinandertreffen ganz offensichtlich, wie leicht es der Guard in Teilen hatte, an seine Spots zu kommen - wie in die Mitteldistanz oder direkt unter den Korb.

Um die Lücke offensiv zu füllen braucht es auch fortan einen ähnlich aggressiven Banchero. Wagner ist bekannt für seine überragende Fähigkeiten im Fastbreak. Banchero hingegen mangelt es hier manchmal an Zielstrebigkeit. In Spiel 5 war von diesen Defiziten allerdings nichts zu sehen.
Auch defensiv könnte dem 23-Jährigen Star der Magic fortan eine Schlüsselrolle zukommen. Im vierten Viertel stand Banchero Cunningham zunehmend im direkten Duell gegenüber. Zwar fehlte es ihm hier etwas an Mobilität, im Teamvergleich hatte das aber durchaus Hand und Fuß. In jedem Fall: Orlandos Trainerstab steht unter Zugzwang eine Lösung zu finden. Eine kurzfristige Rückkehr Wagners ist nämlich nicht zu erwarten.
Julius Ostendorf