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    NBA

    vor 2 Stunden

    DBB-Star im Interview

    "Überhaupt nicht spielen": Wagner exklusiv über DBB-Pläne

    Franz Wagner hat die schwerste Saison seiner bisherigen NBA-Karriere hinter sich. Anhaltendes Verletzungspech und monatelange Reha kulminierten im dritten Playoff-Ausscheiden in Folge in der ersten Runde. Im Interview mit basketball-world sprach der 25-Jährige ausführlich über sein schweres Jahr.

    Franz Wagner verzichtet in diesem Sommer auf Länderspiele, um sich auszukurieren.
    Franz Wagner verzichtet in diesem Sommer auf Länderspiele, um sich auszukurieren. IMAGO/Steinbrenner

    Dazu gibt der Berliner einen Ausblick auf die kommende Saison unter dem neuen Head Coach Sean Sweeney und spricht über die nächste Welle an deutschen Spielern, die gerade in die NBA drängt.

    Anmerkung der Redaktion: Dieses Gespräch fand vor dem Wechsel von Bruder Moritz Wagner zu den Brooklyn Nets statt, deswegen wird dies auch nicht thematisiert.

    Herr Wagner, das Offensichtliche gleich vorneweg: Werden Sie in diesem Sommer in irgendeiner Kapazität für die deutsche Nationalmannschaft zur Verfügung stehen?

    Franz Wagner: Nein. Der Plan ist und bleibt, überhaupt nicht zu spielen und mich voll darauf zu konzentrieren, erstmal komplett gesund zu werden, um dann fresh in die neue Saison zu gehen.

    Es wird also Ihre erste freie Offseason seit 2022 werden, komplett ohne irgendwelche internationalen Verpflichtungen. Wie fühlt sich das an? Was haben Sie geplant?

    Wagner: Es fühlt sich ein bisschen komisch an, aber es ist auch schön, mal ein bisschen Zeit zu haben. Ich habe gerade ein, zwei Wochen Urlaub auf Sizilien gemacht, gutes Essen, bisschen Kultur, und einfach mal komplett abschalten vom Basketball.

    Nach dem ganzen Stress in den letzten Monaten sicher auch mal bitter nötig?

    Wagner: Ich genieße die Zeit schon ein bisschen, versuche mich mental zu erholen, werde aber natürlich den Rest des Sommers nutzen, um körperlich wieder voll fit zu werden und an meinem Spiel zu arbeiten für die kommende Saison.

    Wagner: "Mental ein sehr, sehr anstrengendes Jahr für mich"

    Mit dem Luxus von mehr als einem Monat Reflektionszeit nach dem Ausscheiden in den Playoffs: Wie würden Sie die Saison 2025/26 beschreiben? Für Sie persönlich, mit den ganzen Verletzungen, als auch als Ganzes im Hinblick auf das Team.

    Wagner: Für mich persönlich war es ein sehr schwieriges Jahr. Hauptsächlich aufgrund der ganzen Verletzungen. Eigentlich hauptsächlich eine einzige Verletzung, die sich dann aber monatelang hingezogen hat und mit der ich dann drei, vier Monate zu kämpfen hatte.

    Orlando war Anfang Dezember nach 14-9 Start eines der vier besten Teams im Osten, Sie waren zu jenem Zeitpunkt mit 23,4 Punkten und 6,2 Rebounds im Schnitt auf dem Weg zum All-Star. Dann haben Sie sich im Luftkampf mit Ariel Hukporti schwer verletzt. Ging ab da alles den Bach hinunter?

    Wagner: Ja, und das ist natürlich sehr frustrierend, wenn man zum einen sieht, wie das Team ohne dich so ein bisschen struggelt, und zum anderen selbst nicht das Resultat in der Reha sieht, das man haben möchte. Von daher war das auch mental ein sehr, sehr anstrengendes Jahr für mich.

    Wagner absolvierte aufgrund von Verletzungen in der vergangenen Saison nur 34 Spiele.
    Wagner absolvierte aufgrund von Verletzungen in der vergangenen nur 34 Spiele. IMAGO/Marty Jean Louis

    Im Nachklapp natürlich müßig, aber hätten Sie das NBA Europe Game in Berlin vielleicht aussitzen sollen?

    Wagner: Ja, vielleicht hätte ich da nicht spielen sollen. Aber ich bereue es nicht. Es war ein ganz besonderer Moment für mich und meine Familie - auch wenn das Timing vielleicht nicht optimal war.

    Wagner über Playoff-Aus: "Haben nicht alles aus dieser Mannschaft herausgeholt"

    Sie haben sich dann nach Monaten endlich wieder zurückgekämpft. Das Team ist im April ein klein wenig ins Rollen gekommen - mit neun Siegen aus 13 Partien und der 3-1 Führung gegen Detroit in Runde eins. Dann kam wieder eine Verletzung, drei Niederlagen in Serie und die Saison war vorbei. Was ging Ihnen durch den Kopf in dem Moment?

    Wagner: Das war natürlich mega ernüchternd. Vor allem weil ich mich richtig gut gefühlt habe. Alles hat sich sehr gut angefühlt, gerade auch in meinem letzten Spiel, in dem ich mich dann aber wieder verletzt habe. Dass das alles dann so zu Ende gegangen ist in den Playoffs gegen Detroit, war dann irgendwo auch bezeichnend, irgendwie so wie das komplette Jahr für mich lief. Also im Kleinen quasi eine Wiederholung dessen, wie es im Großen auch war.

    Bei allem Talent und Potenzial in Orlando: Das war jetzt unterm Strich das dritte Erstrundenaus in Folge. Sie haben in Ihrer Karriere mit dem Team noch nie eine Serie gewinnen können. Das kann eigentlich nicht der Anspruch sein, oder?

    Wagner: Das stimmt. Resümierend muss man sagen, dass der #8-Seed auf keinen Fall das war, was wir wollten oder erwartet hatten. Klar wären wir um ein Haar weitergekommen, und du musst auch Niederlagen einstecken als junges Team und deine Lektionen lernen. Aber generell lässt sich sicher sagen, dass wir nicht alles aus dieser Mannschaft herausgeholt haben.

    Trainerwechsel? Wagner: "Stimme des Trainers nutzt sich irgendwann ab"

    Es gibt zahlreiche Metriken, die sagen: Orlando war eines der Top-Teams, wann immer Franz Wagner auf dem Parkett stand, aber höchstens Mittelmaß, wenn er nicht dabei war. In den Playoffs zum Beispiel waren Sie der einzige Spieler im gesamten Team, der ein positives On-Court-Net-Rating zustande bekam. Wie bewerten Sie so etwas?

    Wagner: Ich weiß nicht, ob ich es so übersimplifizieren würde. Ich glaube, man kann aber schon sagen, dass wir als Kollektiv nicht alles aus dieser Mannschaft rausgeholt haben. Wir haben immer noch ein sehr talentiertes Team, das sich rein vom Talentlevel überhaupt nicht verstecken muss und sich sehr gut vergleichen lässt mit vielen der anderen Top-Teams.

    Franz Wagner: Stats der letzten drei Saisons

    SaisonGPPTSREBAST
    2023/247219,75,33,7
    2024/256024,25,74,7
    2025/263420,65,23,3

    Mit Sean Sweeney, dem bisherigen Assistenten der San Antonio Spurs, gibt es einen neuen Head Coach. Was erwarten und erhoffen Sie für neue Impulse von ihm, nach all diesen Jahren unter Jamahl Mosley?

    Wagner: Generell ist es ja immer ein bisschen so, dass sich die gleiche Stimme und Message eines Coaches, dieselbe Herangehensweise, über viele Jahre irgendwann abnutzen. Das war nicht nur bei unserem Team so, sondern das sieht man bei verschiedenen Sportteams, dass so ein frischer Wind manchmal einfach für alle gut ist. Ich hoffe, dass das bei uns auch so wird.

    Wo wird oder kann er Ihrer Meinung nach den größten Unterschied machen?

    Wagner: Ein großes Thema bei uns ist "accountability", also Verantwortungsbewusstsein, und dass man "urgency" hat, nicht unbedingt mit Druck, aber dass es eben eine bestimmte Art und Weise geben muss, wie man jeden Tag zur Arbeit kommt. Und dass es da keine Unterschiede geben kann zwischen bestimmten Charakteren, sondern dass das eben für alle gleichermaßen gilt. Es muss eine klare Kultur geben. Und eben Disziplin. Das sind alles genau die Dinge, die ich bisher über Sweeney gehört habe.

    Sean Sweeney ist neuer Cheftrainer der Magic.
    Sean Sweeney ist neuer Cheftrainer der Magic. Mike Watters-Imagn Images

    Hatten Sie schon Gelegenheit, sich mit Sweeney intensiver auszutauschen?

    Wagner: Wir haben ein paar Mal hin und her getextet, bevor wir dann in den nächsten Tagen und Wochen sicherlich mehr miteinander sprechen werden. Da war er zuletzt wegen der NBA Finals einfach zu beschäftigt, da wird künftig jetzt mehr Zeit sein. Aber das gesamte Team freut sich aus genau diesen Gründen auf ihn und ist schon positiv aufgeregt.

    Und wie sieht es bei den Xs & Os, also im taktischen Bereich aus? In dem Teil war Orlando zuletzt auch nicht unbedingt für seine Extraklasse berüchtigt...

    Wagner: Shooting und Offense waren und sind ja bei uns immer so die offensichtlichsten Sachen. Insgesamt ist es, finde ich, fair zu sagen, dass wir eher ein Team sind, mit dem man nicht einfach den normalen NBA-Basketball spielen kann. Stattdessen muss man sich schon eine gute Strategie aussuchen. Wir haben viele Jungs, die einen spezifischen Spielstil haben und die aber auch alle ein bisschen ähnlich spielen. Da kann man sich aber auch viele coole, kreative Sachen ausdenken und dann, glaube ich, gehen wir auch in eine gute Richtung zusammen.

    Wagner über deutsches Draft-Trio: "Sehr cool, was gerade passiert"

    Apropos NBA Finals: Da stand mit Hukporti nicht nur ein anderer deutscher Nationalspieler, sondern auch ein alter Kumpel und Weggefährte von Ihnen. Haben Sie die Finals verfolgt, und wie sehr kribbelt es Sie, da selbst eines Tages mal mit Ihrem eigenen Team zu stehen und um die Meisterschaft mitzuspielen?

    Wagner: Ich habe die Finals-Spiele hier in Europa immer nur am nächsten Morgen verfolgen können, aber ich freue mich natürlich sehr für Ariel. Und das Kitzeln war natürlich so groß, wie es nur sein kann. Aber das ist jedes Jahr der Fall. Darum hoffe ich, dass schon bald wir da stehen können mit Orlando. Vielleicht ja schon nächste Saison...

    Lassen Sie uns zum Schluss noch kurz über die Entwicklung im deutschen Basketball sprechen. Welt- und Europameister bei den Herren, viertgrößtes Kontingent von Nicht-US-Amerikanern in der NBA nach Kanada, Frankreich und Australien, und jetzt mit den Draft-Picks Hannes Steinbach, Christian Anderson Jr. und Jack Kayil bald drei weitere deutsche Spieler in der besten Liga der Welt... Wie ist es, Teil dieser neuen Bewegung im deutschen Basketball zu sein und als Vorzeigespieler quasi voran zu gehen?

    Wagner: Es ist schon sehr cool, was im deutschen Basketball gerade passiert. Ich glaube, dass sich viele sehr gute Sachen in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt haben. Es ist wichtig, dass wir dieses Momentum, das wir international mit der Nationalmannschaft gerade haben, nutzen und darauf aufbauen. Für die nächsten Jahre wollen wir weiter einen guten Nachwuchsplan haben und umsetzen, um weiterhin große Erfolge feiern zu können.

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    Interview: Seb Dumitru