02.06.2025
DBB-Trainerin im Gespräch
Eine starke Frieda Bühner, vier tolle Debütantinnen, eine deutliche Niederlage und eine schlimme Verletzung: Die Bilanz nach dem ersten Testspiel der DBB-Frauen ist durchwachsen. Und mit dem Ausfall von Kapitänin Marie Gülich muss die Mannschaft bei der EuroBasket nach der Absage von Satou Sabally auf die zweite Leistungsträgerin verzichten.

Wenige Sekunden standen im ersten Viertel gegen Tschechien noch auf der Uhr, als Marie Gülich nach einem Angriff der deutschen Damen am Boden liegen blieb. Die DBB-Kapitänin, die erst eine Woche zuvor aus Taiwan zurückgekehrt war, musste verletzt aus der Halle getragen werden. Schon bei diesem Anblick sah man die Sorgenfalten auf der Stirn von Bundestrainerin Lisa Thomaidis und ihren Staff-Mitgliedern. Am Tag danach, als die Mannschaft nach Heidelberg reiste, wo am kommenden Freitag das nächste Testspiel gegen die Türkei stattfinden soll, kam dann die Schreckensbotschaft: Gülich erlitt bei der Aktion unter dem Korb einen Riss des vorderen Kreuzbands.
Nach einer - zumindest im Ergebnis - deutlichen Testspiel-Niederlage kein guter Start für die DBB-Frauen. Denn Gülich wird die in weniger als drei Wochen startende EuroBasket in Hamburg verpassen und ist nach der Absage von WNBA-Star Satou Sabally die zweite Leistungsträgerin, auf die das Team verzichten muss. "Es ist wirklich verheerend für das Team, sie für die EuroBasket zu verlieren", sagte Thomaidis gegenüber basketball-world. Es gebe niemanden, der sie direkt ersetzen könne. Daher will die Bundestrainerin die Spielweise anpassen und die Rollen und Positionen der Spielerinnen etwas verändern.
Wie genau das aussehen soll und wer Gülich als Kapitänin ersetzen wird, war am Tag nach dem ersten Testspiel noch unklar. Doch Thomaidis zeigte sich kämpferisch: "Wir werden uns etwas einfallen lassen und weiter nach vorne schauen." Optionen hat sie einige und blickt man nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf die Performance im ersten Testspiel, sieht der Weg zur EuroBasket gar nicht so düster aus. Ein besonderer Lichtblick: Frieda Bühner, die mit 19 Punkten Topscorerin im deutschen Team war und sich nicht nur im Wurf stark präsentierte. "Frieda war ausgezeichnet, aber das überrascht mich nicht. Sie spielt für ihr Alter auf einem tollen Niveau und hat eine wirklich gute Profi-Saison hinter sich", sagt Thomaidis über die 20-Jährige, die zuletzt in der ersten spanischen Liga bei Movistar Estudiantes in Madrid spielte.
Auch sonst ging Thomaidis - abgesehen von Gülichs Verletzung - mit einem guten Gefühl aus der Partie. "Das Spiel war wirklich gut für die gesamte Mannschaft und die jungen Spielerinnen, die Deutschland erstmals in einem Spiel der A-Nationalmannschaft vertreten haben." Mit Hilke Feldrappe (Columbia University), Elea Gaba (USC Eisvögel Freiburg), Mailien Rolf (University of Arizona) und Clara Bielefeld (Herner TC) schickte Thomaidis gleich vier Debütantinnen aufs Parkett.
Und die machten ihre Sache gut. "Sie haben sich wirklich gut geschlagen und haben hart gekämpft. Sie haben mit Ruhe gespielt und nicht ängstlich gewirkt", resümierte die Bundestrainerin die Leistung ihrer Youngsters. Und noch bleibt Zeit bis zum Start der Europameisterschaft. Vor dem Spiel gegen das tschechische Team, das fast schon in kompletter EM-Besetzung antreten konnte, hatte die DBB-Auswahl gerade mal vier Tage gemeinsam trainiert.

Und von voller Besetzung kann man beim Kader von Thomaidis auch nicht sprechen. Sie muss aktuell auf die WNBA-Spielerinnen Luisa Geiselsöder (Dallas Wings), Leonie Fiebich und Nyara Sabally (beide New York Liberty) verzichten, die noch in der US-Liga gefordert sind. Sie werden kurz vor der Gruppenphase in Hamburg zur Mannschaft stoßen - anders als Satou Sabally, die vor wenigen Wochen ihre Teilnahme abgesagt hatte, um sich auf ihr neues WNBA-Team Phoenix Mercury zu konzentrieren. "Wenn man auf eine Spielerin von Satous Kaliber verzichten muss, ist das ein schwerer Schlag für die Mannschaft", sagt Thomaidis dazu. Sie könne aber die Entscheidung verstehen.
Schon seit November stand diese Entscheidung im Raum, sodass die endgültige Absage im Mai nicht plötzlich gekommen war. "Wir arbeiten daher hart mit den Spielerinnen, die uns zur Verfügung stehen, und werden uns weiter verbessern", sagt Thomaidis. Auch Marie Gülich hatte vor dem Start der Vorbereitung betont, hinter der Entscheidung Saballys zu stehen. Und obwohl es für die Mannschaft schade sei, eine Spielerin mit ihrem Talent nicht im Team zu haben, würde die Absage neue Möglichkeiten für andere Spielerinnen bieten. Spielerinnen wie Frieda Bühner, die im ersten Testspiel gezeigt hat, dass sie es sich verdient hat, mehr Spielminuten zu bekommen. Thomaidis stellte sie auch erneut in die Starting Five.
Wer Marie Gülichs Platz in der Startaufstellung am Freitag gegen die Türkei und bei den beiden Spielen gegen Belgien (12. und 14. Juni) einnehmen wird, ist offen. Eine Option für Thomaidis ist Alina Hartmann, die zum zweiten Testspiel zur deutschen Mannschaft stoßen wird. Sie fehlte zu Beginn der Vorbereitung, da sie mit ihrem italienischen Team Della Fiore Broni in der Serie A2 die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die erste Liga holte. Mit 13 Punkten war Hartmann dabei eine wichtige Spielerin. "Sie ist eine sehr gute Werferin und das hat uns vielleicht im Spiel gegen Tschechien etwas gefehlt", sagt Thomaidis, die mit Freude auf das Spiel gegen die Türkei blickt. Auch wenn Gülichs Fehlen schmerzen wird.
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Nina Probst