09.05.2025
DBB-Kapitänin in Taiwan
Mit ihrem Schritt nach Taiwan sorgte Nationalspielerin Marie Gülich im Januar für Aufsehen. Nun verriet sie Basketball-World.news, ob sich Europa auf neue Konkurrenz einstellen muss und wie sie mit der militärischen Bedrohung durch China umgeht. Zudem erklärt die 30-Jährige, ob sie sich einen Verbleib auf der Insel vorstellen kann.

Es war eine Überraschung für die deutsche Basketballgemeinde. Nach ihrem Triple mit dem Valencia Basket Club kehrte Nationalspielerin Marie Gülich Europa im Januar den Rücken. Stattdessen wechselte sie überraschend zum taiwanesischen Verein Taiyuan Textile.
| Marie Gülich im Steckbrief | |
|---|---|
| Geburtstag | 28.05.2994 (30) |
| Größe | 1,95 Meter |
| Position | Center |
| WNBA-Draft | 2018 (12. Stelle von Phoenix Mercury) |
| Länderspiele | 46 |
| Letzter Verein | Taiyuan Textile (Taiwan) |
Neben der sportlichen Umstellung und nahm sie dabei bewusst auch das sicherheitspolitische Risiko in Kauf. Taiwan ist seit Jahren Opfer ständiger militärischer Drohgebärden durch Nachbar China. "Ich habe auf jeden Fall darüber nachgedacht und natürlich macht es einem Angst", sagte Gülich. "Die Spannungen existieren aber schon sehr, sehr lange. Deshalb habe ich mir einfach gesagt: Ich mache es jetzt und hoffe, dass alles gutgeht."
Und so kam es auch - sowohl sicherheitspolitisch als auch sportlich. Bereits in der regulären Saison schaffte es ihre Mannschaft auf Anhieb auf den ersten Platz. Derzeit steht das Team im Finale, liegt aber gegen Serienmeister Cathay Life mit 1-2 hinten. Womöglich ist schon am Samstag das Abenteuer Taiwan für Gülich beendet.
Die 1,95 Meter große Center-Spielerin verriet Basketball-World.news bereits zuvor, dass danach Schluss in Asien sei: "Ich kann mir nicht vorstellen, zwei Saisons in Folge hier zu spielen." Grund dafür seien insbesondere die kleineren Strukturen der Liga: "Ich glaube, zwei Jahre nacheinander würde mich basketballerisch ein bisschen frustrieren."
Dennoch zieht sie ein positives Fazit aus ihrer Zeit auf der Insel: "Mir hat es gutgetan, grünes Licht zu haben und auf dem Spielfeld zu machen, was man möchte." Mit 14,3 Punkten und 10,4 Rebounds in 25 Spielen avancierte die gebürtige Rheinland-Pfälzerin zur Schlüsselspielerin ihrer Mannschaft.
| Jahr | Team | Land |
|---|---|---|
| 2011-2014 | SG BBZ Opladen | GER |
| 2013-2014 | New Basket Oberhausen | GER |
| 2014-2018 | Oregon State (College) | USA |
| 2018 | Phoenix Mercury | USA |
| 2018-2019 | Reyer Venezia | ITA |
| 2019 | Atlanta Dream | USA |
| 2019-2020 | Arka Gdynia | POL |
| 2020 | Los Angeles Sparks | USA |
| 2020-2024 | Valencia Basket Club | ESP |
| 2025 | Taiyuan Textile | TWN |
Was Gülich mit kleinen Strukturen meint: Die taiwanesische "Women Super Basketball League" zählt derzeit nur vier Mannschaften. Im Vergleich zu ihrer vorherigen Station im Basketball-Mekka von Valencia war das eine große Umstellung: "Natürlich vermisse ich die ganzen Fans, die Stimmung, die Atmosphäre". Dennoch habe man in Taiwan eigene Wege gefunden, die teils leeren Zuschauerränge auszugleichen. "Bei unseren Spielen läuft die ganze Zeit Musik. So hat man trotzdem Lärm und nicht einfach nur Stille." Während der Finals kamen dann sogar knapp 2.000 Zuschauer in die Halle.
Nichtsdestotrotz kann man auch in Deutschland etwas von der "WSBL" lernen: "Das Faszinierendste ist die Art und Weise, wie die Spiele vermarktet werden", stellt Gülich fest. "Es findet ein super professioneller Stream über YouTube statt. Überall in der Halle sind Kameras angebracht. Es gibt Slomos und Replay" - Voraussetzungen, von denen die hiesige DBBL oft nur träumen kann.

Wo in Deutschland solche Projekte häufig des Geldes wegen auf der Strecke bleiben, ist die Finanzierungsbereitschaft in Taiwan deutlich stärker ausgeprägt. Einerseits werden die Mannschaften staatlich gefördert. Dazu betrachten viele wohlhabende Besitzer ihre Mannschaften weniger als gewinnbringendes Projekt: "Das sind sehr, sehr reiche Leute, die den Sport einfach lieben und deshalb Geld investieren."
Das macht den asiatischen Markt auch zunehmend konkurrenzfähiger zu den Platzhirschen aus Amerika und Europa. "Die taiwanesische Männerliga ist riesig", erklärt Gülich. "Die Ausländer, die hierherkommen, verdienen eine Menge Geld." Erst im vergangenen Jahr sorgte der Wechsel von Nationalspieler Johannes Thiemann nach Japan für Aufmerksamkeit, für den er auch Angebote aus der EuroLeague ausschlug.
Sportlich gesehen klaffen aber dennoch weiterhin große Lücken zur europäischen Konkurrenz. "Wenn man ein Spieler ist, der auf dem höchsten Niveau spielen will, muss man nach wie vor in Europa und der EuroLeague spielen", sagt Gülich. "Aber finanziell ist der Unterschied nicht mehr groß."
Wie es für die 30-Jährige nun weitergeht, ist erstmal unklar. "Mein Ziel ist es, noch bis zu den Olympischen Spielen in Los Angeles 2028 zu spielen." Auf Vereinsebene sei die Rückkehr nach Europa nun ihr primäres Ziel. Vorerst ist die Nationalspielerin allerdings mit dem DBB bei der EuroBasket 2025 gefordert. Die Vorrunde mit den deutschen Basketballerinnen findet ab dem 19. Juni in Hamburg statt.
Julius Ostendorf