09.07.2025
Künftig steht weniger finanzielle Flexibilität zur Verfügung
Restricted Free Agents haben es per se schwer. Sie dürfen Angebote anderer Franchises annehmen, jedoch kann ihr Team alles mitgehen und sie damit halten. In diesem Jahr wirkt der Markt besonders kompliziert. Doch weshalb? Und wie ist der Stand bei Jonathan Kuminga, Josh Giddey, Quentin Grimes und Cam Thomas?

Vor gerade einmal drei Jahren lockten die Pacers Phoenix. Nach einem maximal bitteren Playoff-Aus war Deandre Ayton Restricted Free Agent. Atmosphärisch schrammten Center, Coach Monty Williams und das gesamte Team längst am Optimum vorbei. Ohne Gegenwert verlieren wollte Phoenix seinen ehemaligen Nummer-1-Pick dennoch nicht.
Umso ärgerlicher, dass Indiana Ayton das damals höchste Offer Sheet der Ligageschichte unterbreitete. Vier Jahre. 133 Millionen Dollar. Plötzlich mussten die Suns unangenehme Entscheidungen treffen. Zwei Tage blieben, um den Center noch zu halten, obwohl vieles längst nicht mehr in Ordnung war. Phoenix zog mit, Ayton blieb - um gut ein Jahr darauf via Trade nach Portland zu wechseln.
Andere Teams durch Restricted Free Agent Angebote an der Schwelle zum Unmoralischen ins Grübeln zu bringen, gehörte lange zur Offseason. Im Sommer 2025 warten Josh Giddey, Jonathan Kuminga, Cam Thomas und Quentin Grimes immer noch auf ein Offersheet, das ihre Vorstellung erfüllt. Obwohl sich alle vier gewinnbringend einbringen können.
Dass sich die Restricted Free Agency in die Länge zieht wie die letzten Minuten eines engen Spiels, hat diverse Gründe. Der offensichtlichste: Mit den Nets ging ein einziges Team mit größerem Cap Space in die Free Agency. Zeiten, in denen diverse Teams so unvorstellbar große Mengen an Geld zur Verfügung hatten, dass Free Agents durchs Land reisten, um sich vor Ort überzeugen zu lassen, dass diese oder jene Franchise genau die richtige für die unmittelbare Zukunft sei, sind Geschichte. Das liegt auch am aktuellen Collective Bargaining (CBA).
First und Second Apron schrecken ab. Die Restriktionen - Trades werden verkompliziert, Picks bei "Wiederholungstätern" eingefroren - sind schlicht zu groß. Gleichzeitig lockerte die NBA bereits im vorangegangen CBA Restriktionen bei Verlängerungen und führte den Super-Max-Vertrag ein.
Die ganz interessanten Spieler sind damit häufig bereits vor dem offiziellen Beginn der Free Agency vom Markt und wechseln eher via Trade (zumal gerade Superstars bei Trade-Forderungen häufig auch ohne freie Entscheidungsgewalt beim favorisierten Team landen). Für Restricted Free Agents bleibt damit weniger Geld. Dazu kam zuletzt die Planungssicherheit der gesamten Liga durcheinander.
Statt um 10 Prozent soll der Salary Cap für kommende Saison nur um 7 Prozent steigen. Luxussteuer- und Aprongrenzen sinken mit. Weniger finanzielle Flexibilität in Zukunft bedingt weniger finanziellen Mut heute. "Das, glaube ich, hat den Markt ein wenig abgekühlt", sagt ESPN-Reporter Brian Windhorst im Hoops-Collective-Podcast. Eigentlich würde der neue TV-Vertrag, der die bisherigen Einnahmen nahezu verdoppelt, einen jährlichen Anstieg von 10 Prozent - mehr ist nicht erlaubt - garantieren. Gestört wurde die Logik laut Windhorst durch die Schwierigkeiten lokaler TV-Anstalten. Wie ist also der Stand bei Kuminga, Giddey, Grimes und Thomas?
Jonathan Kuminga, Golden State Warriors
Dass die Warriors 2021 Kuminga unmittelbar vor Franz Wagner wählten, wirkt auch mit Abstand noch etwas sonderbar - unterstreicht jedoch die Hoffnung, die die Franchise in den Forward setzte. Gerade Besitzer Joe Lacob gilt als großer Bewunderer Kumingas. Golden State entschied sich für Potenzial, kitzelte es jedoch nie ganz aus Kuminga heraus. In einem Team, das viel auf Intuition setzt, fand einer, dessen Basketballinstinkte noch in der Entwicklung stecken, schwer seine Rolle.

In den Playoffs fiel Kuminga sogar komplett aus der Rotation - bis sich Curry verletzte und der Forward den Timberwolves nacheinander 18, 30, 23 und 26 Punkte einschenkte. Irgendwo in Kuminga könnte ein konstant potenter NBA-Spieler schlummern, ebenso einer, der in überschaubar erfolgreichen Teams gute Zahlen auflegt. Das finale Kapitel ist längst nicht geschrieben - was Kuminga durchaus interessant macht.
Dennis Schröders neues Team, die Kings, sollen die Warriors laut The-Athletic-Reporter Anthony Slater am intensivsten bearbeiten. Im Gespräch ist ein Sign-and-Trade-Deal. Dabei erhofft sich Golden State laut Slater einen vielversprechenden jungen Spieler plus einen First-Round Pick. Sacramentos Eröffnungsangebot aus Devin Carter, Dario Saric und zwei Second-Round Picks führt daher noch nicht zum gewünschten Ergebnis.
Eventuell eine Möglichkeit für die Heat, Nets, Bulls und Bucks, die ebenfalls interessiert sein sollen. Gleichzeitig berichtete Slater, über das Wochenende habe sich nicht wirklich etwas entwickelt. "Die Restricted Free Agency in der NBA bleibt eiskalt", schreibt er. Das gilt für Kuminga, ebenso für die anderen Kandidaten.
Josh Giddey, Chicago Bulls
Viel durften sich die Bulls anhören, als sie Alex Caruso für Josh Giddey nach Oklahoma City tradeten. Hier einer, der eines der finalen Puzzlestücke zur ersten Meisterschaft der Thunder sein könnte - und am Ende auch war -, dort einer, der klare Schwächen hat und einem Team auf dem Sprung daher eher Ketten als Flügel anlegte. Vor allem, so der Tenor, hätte Chicago einen von OKCs unzähligen First-Round Picks einfordern müssen; was wohl immer noch gilt.
Gleichzeitig wurden die Bulls über die Saison immer glücklicher mit Giddey. In 19 Spielen nach dem All-Star-Break servierte der Point Forward 21,2 Punkte, 10,7 Rebounds, dazu 9,3 Assists, traf 50 Prozent seiner Würfe, vor allem 45,7 Prozent seiner gut 4 Dreier pro Spiel und kam knapp 6 Mal pro Spiel an die Linie (80,9 Prozent FT). Giddey führte ein aufregendes letztes Saisonviertel der Bulls an, das sie noch ins Play-in brachte.

Indem er seinen Wurf deutlich verbesserte, öffnete Giddey das Spiel für sich und das Team. Defenses konnten ihn nicht mehr einfach stehen lassen. Stattdessen brachte er sie immer häufiger in Bewegung und kreierte so gute Wurfgelegenheiten für sich und seine Teamkollegen. Ein Dauerzustand? Die entscheidende Frage.
Laut Joe Cowley von der Chicago Sun-Times führen Franchise und Spieler gute Gespräche. Derzeit bestünde Giddey jedoch noch auf ein Jahresgehalt von 30 Millionen Dollar. Ihm schwebe ein ähnlicher Vertrag vor, wie ihn Jalen Suggs bei den Magic erhielt. Beide entstammen demselben Draft, und Suggs erhält über 5 Jahre 150,5 Millionen Dollar. Die Bulls wären offenbar auch mit weniger zufrieden. Zumal mangels Cap Space noch kein anderes Team ein Konkurrenzangebot abgegeben hat.
Quentin Grimes, Philadelphia 76ers
Was auf Kuminga und Giddey zutrifft, gilt auch für Quentin Grimes: Die Restricted Free Agency ist "eiskalt". So eiskalt, dass Grimes auch sein beeindruckendes Saisonfinish (24,5 Punkte, 37,5 Prozent 3FG bei 9,3 Versuchen, 5,4 Rebounds, 5,5 Assists) wenig nutzt. Rund 25 Millionen hätte der Guard angeblich gern. Philly ist davon offenbar weniger überzeugt. Laut Kelly Iko und Tony Jones von The Athletic habe es zwischen Grimes und den Sixers zuletzt wenig Bewegung gegeben. Gleichzeitig, so heißt es, hofften beide Seiten, die Gespräche in den kommenden Tagen fortsetzen.
Zögern könnten die Sixers, weil sie der Echtheit von Grimes’ Endspurt womöglich nicht ganz trauen. Legte der Guard nach dem Trade in Philly insgesamt 21,9 Punkte auf, waren es für die Mavs zuvor nur 10,2 Punkte. Was hatte mit einem deutlich erhöhten Volumen - Grimes nahm für die Sixers entscheidend mehr Würfe als in Dallas (16,4 vs. 7,8) - zu tun? Was ist echt? Dass Grimes offensiv Druck auf den Ring ausüben, vielseitig scoren, zudem auf die Drei ausweichen und verteidigen kann, macht ihn, gerade im Paket mit Tyrese Maxey, Nummer-3-Pick VJ Edgecomb sowie Jared McCain, wiederum wertvoll für Philly.

Ein Trumpf für die Sixers: Sowohl Detroit als auch Brooklyn, die Grimes mehr hätten bezahlen können, haben bereits Deals abgewickelt, die ein großes Angebot an den Guard unwahrscheinlich bis unmöglich machen. Laut Tony Jones von The Athletic sind die Sixers angesichts des nahezu nicht existenten Restricted-Free-Agent-Markts optimistisch, Grimes halten zu können. Bewegung könnte der Drei-Team-Trade zwischen den Jazz, Clippers und Heat bringen.
Utah gab dabei John Collins nach LA ab und erhielt zwei Second-Round Picks sowie Kyle Anderson und Kevin Love. Entlassen die Jazz nun Jaden Springer und KJ Martin, deren Verträge nicht garantiert sind, könnten sie theoretisch 22 Millionen Dollar Cap Space sowie eine 8,8 Millionen Dollar große Room Mid Level Exception kreieren. Ein Angebot an Grimes oder einen der anderen drei großen Restricted Free Agents wäre damit möglich und würde die jeweiligen Teams unter Druck setzen.
Cam Thomas, Brooklyn Nets
Ginge es einzig und allein darum, den Ball immer von überall durch den Ring zu streicheln, hätte Cam Thomas wohl längst einen neuen Vertrag. Scoren kann Brooklyns Guard. 24 Punkte legte er vergangene Saison aus, war damit Topscorer der Nets. Der Dreier dürfte konstanter fallen, auch 57 Prozent am Ring sind ausbaufähig. Scoring-begabt ist Thomas dennoch. Zudem legt er immer häufiger (wenngleich nicht oft) die Scheuklappen ab und findet Teamkollegen. 3,8 Assists pro Spiel sind nicht viel. Nach zuvor 1,2, 1,4, und 2,9 stimmt jedoch die Richtung.

Thomas scheint in einem Team, das mitten in der Entwicklung steckt, das viel ausprobiert, Schritte zu gehen. Ein guter Anfang. Gleichzeitig fordert er laut NetsDaily bis zu 100 Millionen Dollar für 4 Jahre. NBA-Insider Jake Fisher sprach im Zusammenhang mit Thomas kürzlich daher von einem nicht existenten Markt. Findet sich kein passendes Angebot - das gilt auch für die anderen Restricted Free Agents -, könnte Thomas das Qualifying Offer seiner aktuellen Franchise annehmen, kommende Saison für die Nets spielen, um sein Team als Unrestricted Free Agents danach frei zu wählen.
Max Marbeiter