06.04.2026
Deutscher Center spielt nur Nebenrolle
In der kommenden Nacht kämpft unter anderem Eric Reibe mit UConn um die College-Krone. Der Teamerfolg ist da, allerdings lief die erste Saison in Connecticut nur bedingt für den deutschen Junioren-Nationalspieler.

Was hatten die deutschen Junioren für einen Spaß bei der U19-WM im Sommer in der Schweiz? Die DBB-Auswahl stürmte bis ins Finale und gewann erstmals Edelmetall bei einer Junioren-WM. Die Starting Five aus Christian Anderson, Jack Kayil, Declan Duru, Hannes Steinbach und Eric Reibe begeisterte, erst die USA waren im Finale zu stark - und mit Ivan Kharchenkov fehlte sogar noch ein Schlüsselspieler.
Anderson, Kayil und Steinbach waren die dominierenden Spieler, aber auch Reibe spielte als Center mit durchschnittlich 15,4 Punkten und 5,0 Rebounds ein starkes Turnier. Schon da war klar, dass sich Reibe den UConn Huskies anschließen würde, die unter Coach Dan Hurley in den vergangenen Jahren fast alles abräumten.
Ein mutiger Schritt des Big Man, der sich nach guten Leistungen an der High School sein Team quasi aussuchen konnte. Reibe wurde ins McDonald’s All-American Team gewählt, war also einer der besten High Schooler des Landes und wurde auch für das prestigeträchtige Nike Hoop Summit nominiert. Erste Prognosen sahen Reibe als einer der besten Center und als möglichen Erstrundenpick für den Draft 2026.
Und warum auch nicht? Reibe ist ein moderner Center, der von allen Positionen des Feldes gefährlich sein kann. Er passt den Ball, stellt solide Blöcke, hat den Dreier im Repertoire, kann aus dem Dribbling einen Wurf kreieren. Nur: Bei UConn werden diese Qualitäten derzeit nicht benötigt.
"Er setzt das um, was wir von ihm verlangen", lobte UConn-Coach und Trainerlegende Dan Hurley im Dezember. "Natürlich kann er auch andere Dinge, aber wir wollen, dass er viel in der Zone ackert. Er macht das, obwohl er am Perimeter viel mehr kann." Hier liegt die Crux. Jeder weiß, dass Reibe mehr kann, doch der 19-Jährige muss sich unterordnen und eine komplett andere Rolle akzeptieren.
Am College sind die Coaches die Stars, sie haben die Entscheidungsgewalt, um ihren Willen durchzusetzen, erst recht Hurley, der in UConn nach seinen beiden NCAA-Titeln eine lebende Legende ist. Was zählt, ist der Erfolg - und der stimmt für die Huskies auch in dieser Saison.
Reibe spielt dagegen nur 14 Minuten im Schnitt, verbucht dabei durchschnittlich 6,1 Punkte sowie 3,4 Rebounds - und nahm über die gesamte Saison gerade einmal 13 Dreier. Zur Einordnung: Bei der U-19-WM waren es 18 Versuche in gerade einmal sieben Spielen.

Gleichzeitig muss sich Reibe hinten anstellen hinter Senior Tarris Reed, einem bulligen Big Man, der mit seiner Physis die Zone dominiert. Dass Reed bessere Karten haben würde, war abzusehen, umso eher stellt sich die Frage, ob der Wechsel nach UConn die beste Entscheidung war.
Bislang hatte Reibe einen logischen Weg, immer unterstützt von Vater Carsen, der in der Geschäftswelt sehr erfolgreich ist und zudem als Präsident des Schweizer Erstligisten Starwings Basket fungiert. In Basel erlernte Reibe, dessen Familie von Hannover aus in die Schweiz zog, auch das Basketballspielen. „Hier habe ich die Grundlagen erlernt”, erinnerte sich Reibe, der neben Dirk Nowitzki auch Kevin Garnett und Kristaps Porzingis als seine Vorbilder nennt.
Nach einem Zwischenstopp in Ulm ging es auf eine US-amerikanische High School. Das Thema College wurde dann kontrovers diskutiert, neben UConn standen auch Kansas, Creighton, Indiana und Oregon zur Auswahl. Die Familie wählte die Huskies, doch hat es Reibe geholfen?
| Spiele | MIN | PTS | FG% | REB | BLK |
|---|---|---|---|---|---|
| 39 | 14,0 | 6,1 | 65,8 | 3,4 | 0,7 |
"Ich wollte der bestmögliche Spieler werden und es in die NBA schaffen", erklärte der Big Man in einem Interview mit ESPN. Gemeinsam mit seiner Familie sei die Entscheidung gefallen, sich bei UConn mit "den besten Talenten seines Jahrgangs zu messen" und sich sowohl "sportlich als auch persönlich weiterzuentwickeln".
Trotz des Finales in der Nacht auf Dienstag ist der Hype dennoch kleiner geworden, die NBA ist in diesem Sommer kein Thema. So oder so wird zumindest Reed das Team verlassen, für Reibe könnte das im kommenden Jahr mehr Spielzeit bedeuten, ein Wechsel ist im heutigen College-Basketball ohnehin jederzeit möglich.
In Reibes Gedanken sollte das in diesen Tagen aber keine Rolle spielen - trotz der ein wenig enttäuschenden Spielzeit. Schließlich geht es in der Nacht auf Dienstag um etwas Handfestes - um nichts Geringeres als die College-Krone.
Robert Arndt