07.07.2025
Die Deutschen bei der U-19-WM im Porträt
Nach EM-Gold im Vorjahr gewinnt der gleiche DBB-Jahrgang bei der U-19-Weltmeisterschaft 2025 historisch Silber. Wir stellen die Gesichter hinter dem größten deutschen Junioren-Coup auf WM-Ebene vor.

Die deutsche U19-Nationalmannschaft hat sich in Lausanne in die Geschichtsbücher gespielt. Nach sechs Siegen in Serie scheiterten die Jungs von Bundestrainer Alan Ibrahimagic erst im WM-Finale an den übermächtigen USA und nahmen mit der Silbermedaille die erste Edelmetallplatzierung einer deutschen U-19-Auswahl überhaupt mit nach Hause.
Besonders stark: Die Starting Five mit Jack Kayil, Christian Anderson, Declan Duru, Hannes Steinbach und Eric Reibe prägte das Turnier über weite Strecken. Zwei davon, Anderson und Steinbach, wurden sogar in die All-Star-Five der FIBA gewählt. Wir werfen einen Blick auf die Gesichter dieser Erfolgsmannschaft:

Der 19-jährige Point Guard war der Motor der deutschen Offensive und wurde folgerichtig als Top-5-Spieler des Turniers berufen. Mit durchschnittlich 17,3 Punkten, 4,9 Rebounds und 6,6 Assists (zweitbester Wert im gesamten Turnier) führte Anderson seine Mannschaft mit Übersicht, Ruhe und Effizienz an. Im Finale spielte er, trotz Niederlage, erneut stark: 18 Punkte, 5 Rebounds, 9 Assists.
Anderson lebt seit seinem fünften Lebensjahr in den USA, spielte Highschool-Basketball an der renommierten Oak Hill Academy und geht aktuell für Texas Tech in der NCAA auf Korbjagd. Schon 2022 wurde er MVP der U18-B-EM. Seitdem geht sein Weg konsequent nach oben. Sein Spielstil ist wendig, clever und trotz der Körpergröße von nur 1,88 m äußerst durchsetzungsfähig. Anderson ist längst im Fokus diverser NBA-Scouts, allerdings haben es kleine Guards traditionell schwer.
Er war die Rebound-Maschine des deutschen Teams: Hannes Steinbach, der ehemalige MVP der NBBL, überzeugte mit Physis, Einsatz und Vielseitigkeit. In Lausanne schnappte sich der 2,04 m große Forward zahlreiche Offensiv-Rebounds, verteidigte stark und punktete zuverlässig. Auch im WM-Finale, wo er als Topscorer der Partie 19 Punkten und 7 Rebounds auflegte.
Steinbach, der zuletzt noch bei den FIT/One Würzburg Baskets unter Vertrag stand und mit den Franken das Halbfinale in den Playoffs der BBL erreichte, wechselt zur neuen Saison in die NCAA an die University of Washington. Dort stehen die Chancen gut, dass Steinbach sich bald für den Draft anmelden wird. Vor dem Turnier rankte zum Beispiel ESPN den Würzburger auf Rang 26 im Mock Draft für 2026. Durch ein starkes Turnier dürften seine Aktien noch einmal gestiegen sein.

Duru punktete außer im Finale stets zweistellig, der jüngste Spieler im DBB-Kader beendete das Turnier mit durchschnittlich 11,4 Zählern und 5,3 Rebounds. Positiv hervorzuheben war vor allem seine Dreierquote von 36,4 Prozent, weil der Wurf stets das große Fragezeichen war. In Lausanne war Duru von draußen durchaus verlässlich und nahm seine Versuche mit Selbstvertrauen.
Der 18-Jährige gilt seit Jahren als riesiges Talent, stagnierte jedoch nach seinem Wechsel zu Real Madrid und scheint sich eher zu einem Rollenspieler auf dem Flügel zu entwickeln. Seine athletischen Tools sind noch immer beeindruckend, vor allem defensiv konnte Duru bei diesem Turnier Pluspunkte sammeln. Für die kommende Saison ist noch unklar, wo der Flügelspieler spielen wird, vermutlich wird aber auch er nach einem College Ausschau halten.
Für Kayil war es in Serbien gefühlt ein verlorenes Jahr, monatelang fehlte der Aufbauspieler verletzt. Zuvor hatte der 19-Jährige im November sein Debüt für die A-Nationalmannschaft gegeben und schon dort gezeigt, dass er durchaus mithalten kann. In Lausanne verbuchte der Guard 11,1 Punkte und 6,6 Assists im Schnitt, verwandelte aber nur 35,3 Prozent seiner Würfe. Dennoch: Das deutsche Team sah immer dann gut aus, wenn Kayil auf dem Feld war.
Zwar stand der Berliner etwas im Schatten von Anderson, doch Kayil war als Organisator der Deutschen sehr wichtig und es war erkennbar, dass der Aufbauspieler schon Erfahrungen im Profibereich sammeln konnte. Das nächste Jahr dürfte sehr spannend werden, wenn Kayil per Leihe zu Alba Berlin zurückkehrt und dort hoffentlich noch mehr Spielzeit auf höherem Niveau sammeln kann.

ESPN führte Reibe als zweitbesten High-School-Center in den USA, in der kommenden Saison wird der Big Man für UConn auflaufen. Reibe spielte zuletzt auch beim renommierten Nike Hoop Summit und konnte dort Akzente setzen. Gleiches galt für die WM, im Finale war er nach Anderson die zweitbeste Scoring-Option der Deutschen.
Vor einigen Monaten hatte Reibe sein Spiel mit dem von Kristaps Porzingis verglichen und es dafür gibt es durchaus Ansätze. Mit 15,4 Punkten und 5,0 Rebounds im Schnitt zeigte Reibe sein offensives Skillset. Er hat den Dreier in petto, er kann aus dem Eins-gegen-Eins aus diversen Lagen scoren. Verbesserungsbedarf gibt es in der Defense, hier ist der Center bisweilen noch zu langsam auf den Beinen, um den Korb gut genug zu beschützen.
Lukas Hetterich, Robert Arndt