04.07.2025
Wunderkind scheiterte bei Real Madrid
Declan Duru wurde früh als kommender NBA-Profi gehandelt, doch einige Jahre schien sich der Forward nicht wie gewünscht zu entwickeln. Bei der U-19-WM zeigt der gebürtige Münchner aber, warum er schon seit Jahren in den Notizbüchern der NBA steht.

Es ist beinahe unwirklich, wenn man sich die deutsche U19 bei der WM in der Schweiz so anschaut. Viele Jahre war für den DBB die reine Qualifikation ein Ding der Unmöglichkeit, überhaupt sind die Deutschen in dieser Altersklasse erst zum vierten Mal mit dabei.
Und nun? Da zählt das Team von Bundestrainer Alen Ibrahimagic zu den Turnierfavoriten und als vielleicht größter Herausforderer der USA. Hannes Steinbach spielte eine überragende Saison in der BBL, Christian Anderson überzeugte auf dem College, Jack Kayil setzte bereits beim A-Team Akzente und Eric Reibe galt als einer der besten High-School-Center in den USA.
Und dann ist da noch Declan Duru, das Küken im Kader, aber vermutlich der Spieler, über den in Basketball-Deutschland schon am längsten philosophiert wird. Schon als 14-Jähriger kreierte der Forward einen kleinen Hype, vor allem seine enorme Physis und damit einhergehende körperliche Überlegenheit stachen hinaus.
Auch vier Jahre später ist das noch der Fall, Duru sieht aus wie ein NBA-Spieler. Massiv, bullig, flink auf den Beinen und eine echte Waffe im Fastbreak. Dennoch gab es zuletzt ein paar Zweifel an Duru. Er habe sich seit seinem Wechsel zu Real Madrid nicht weiterentwickelt, merkte ein NBA-Scout an.
Mit 14 Jahren wechselte Duru aus der IBAM in München zunächst auf Empfehlung von Dennis Schröder nach Braunschweig, wenig später rief Real Madrid an und Duru wurde ein Königlicher. Ein König war der Forward dort aber nicht, eher einer unter vielen, der kaum noch herausstach. Auch andere Scouts sahen dies ähnlich. Er habe in diesem Ensemble keine Rolle, weil er eigentlich den Ball in den Händen halten müsse und ohne Wurf sei sein Einfluss auf das Spiel in der Offense zu gering.

Zwar feierte Duru dank einiger Verletzungen bei Real Ende des Kalenderjahres 2024 sowohl in der ACB als auch in der EuroLeague sein Debüt, beim renommierten adidas Next Gen EuroLeague Tournament blieb der Münchner blass (4,7 Punkte, 3,9 Rebounds, 3/11 Dreier). Duru schien zu stagnieren, fast schon folgerichtig gab der Juniorennationalspieler kurz vor dem Start der U-19-WM seinen Abschied aus Madrid bekannt.
Wie es weitergeht, ist noch bekannt, dafür betreibt Duru im Schatten der Guards und Steinbach mächtig Eigenwerbung. 13,3 Punkte und 6,5 Rebounds verbucht Duru im Schnitt, dazu nimmt er 3,5 Dreier pro Partie und trifft die Hälfte davon. Beim DBB-Team hat der Jüngste im Kader wieder mehr Freiräume, darf den Ball im Fastbreak pushen und nimmt seine Würfe sichtbar mit Selbstvertrauen.
Vielleicht ist das auch die Vision von Duru, ein sehr athletischer Rollenspieler für den Flügel, der hier und da auch den Ball bringen kann. Das sind wichtige Eigenschaften im heutigen Basketball und in dieser Woche zeigt Duru als Klebstoff den Wert für sein Team. Im Fokus stehen nun zwar andere. Duru wurde von einigen gefühlt überholt, doch diese deutsche Mannschaft funktioniert derzeit als Einheit, vor allem mit der exzellenten Starting Five. Vor vielen Jahren wäre Duru wohl DER Mann im deutschen Team gewesen, doch diese Zeiten scheinen für den Moment vorbei.
Robert Arndt