vor 1 Stunden
Die Spitze ist hart umkämpft
Nach der Eastern Conference in der Vorwoche blicken wir in dieser Saison auf den Westen, die in dieser Saison womöglich seit einer Ewigkeit mal wieder die schwächere Conference ist.

Die Kings fangen quasi bei Null an, Nr.7-Pick Darius Acuff Jr. dürfte alle Freiheiten der Welt bekommen. Gleichzeitig sind mit Zach LaVine und Domantas Sabonis noch zwei Großverdiener im Kader, die aber eigentlich keine Zukunft haben. Vieles spricht dafür, dass man sich irgendwie noch trennen wird im Laufe der Saison. Kings-Fans werden sich dennoch erst einmal in Geduld üben müssen (mal wieder).
Mit Ja Morant und Santi Aldama sind auch die letzten Eckpfeiler der vergangenen Jahre weg, der Umbruch kann beginnen. Mit Nr.3-Pick Cam Boozer, dem letztjährigen Rookie Cedric Coward sowie Zach Edey hat man auch schon ein Fundament, auf das sich aufbauen lässt. In Richtung Playoffs wird es noch nicht gehen, aber eine Vision ist erkennbar. Memphis ist wieder jung, wird vermutlich schnell spielen und sicherlich nicht nur eine Siegelieferant für die anderen Teams sein.
Solange die Situation rund um Kawhi Leonard nicht geklärt ist, sind die Clippers schwer einzuschätzen. Auf Grund bilden zumindest Darius Garland und Nr.5-Pick Keaton Wagler den Backcourt der Zukunft, auch wenn die Summer League von Wagler nur bedingt vielversprechend war. Einen kompletten Umbruch gab es auch nicht, so wurde ein Vet wie Rui Hachimura verpflichtet und Brook Lopez ist auch noch da. Vermutlich werden die Clippers wieder unangenehm sein, doch für mehr recht das nicht.

Die Mavs haben noch immer Kyrie Irving im Team, dazu ein neues Regime und mit Dusty May einen neuen Coach. Cooper Flagg geht in sein zweites Jahr, dazu sind weiter gute Rollenspieler wie P.J. Washington, Daniel Gafford oder Dereck Lively II da. Gleiches gilt aber zum Beispiel auch für Klay Thompson, der im türkischen Nationalspieler Tarik Biberovic eigentlich schon seinen Nachfolger im Nacken hat. Die Mavs werden um die Play-Ins kämpfen, dennoch offeriert der Kader noch zu viele Fragezeichen.
Fast unverändert ist der Kader der Pels, mit Jamahl Mosley gibt es aber einen neuen Coach. Verletzungen waren im Vorjahr wieder eines der Probleme, wird es diesmal anders? Dejounte Murray hatte zumindest einen ganzen Sommer, um vollständig fit zu werden. Zion Williamson ist auch noch da, aber die große Baustelle Center wurde noch nicht adressiert. Um Trey Murphy III ranken sich weiter Trade-Gerüchte. Letztlich sind es die Pelicans, irgendwas geht eigentlich immer schief.
Ein Team, welches auf mehreren Ü35-Spielern aufgebaut ist? Das geht historisch gesehen selten gut, erst recht nicht in der heutigen Zeit. Jimmy Butler wird noch mehrere Monate fehlen, der Ex-All-Star ist quasi der einzige (verfügbare) Forward mit einer gewissen Klasse. Die Warriors müssen auf die Gesundheit von Stephen Curry, Draymond Green und Kristaps Porzingis zählen und hoffen, dass Rookie Yaxel Lendeborg wirklich sofort helfen kann. Und dann wäre da noch das alte Problem: Sobald Curry mal fehlt, gibt es keinerlei Guard-Play im Kader. Es riecht mal wieder nach Play-Ins.
| Jahr | Conference-Champion | Regular Season |
|---|---|---|
| 2026 | San Antonio Spurs | Oklahoma City Thunder |
| 2025 | Oklahoma City Thunder | Oklahoma City Thunder |
| 2024 | Dallas Mavericks | Oklahoma City Thunder |
| 2023 | Denver Nuggets | Denver Nuggets |
| 2022 | Dallas Mavericks | Phoenix Suns |
Phoenix setzt auf Kontinuität, diverse Rollenspieler wurden mit neuen Verträgen ausgestattet. Dazu kamen mit Luke Kennard und via Trade Miles Bridges weitere Rollenspieler in den Valley. Ob das für mehr reicht, ist fraglich. Im Vorjahr waren die Suns eine der Überraschungen mit einer Playoff-Teilnahme, das dürfte auch in der neuen Saison das Höchste der Gefühle sein.
Auch Portland hatten die meisten in den Playoffs nicht auf dem Zettel. Nun ist Coach Tiago Splitter weg, dafür tradeten die Blazers für Ja Morant - und haben plötzlich fast nur noch Point Guards im Kader! Nun, ganz so schlimm ist es nicht, aber Morant, Damian Lillard, Scoot Henderson und Jrue Holiday wollen sicher alle ihre Minuten. Bekommt Deni Avdija dann noch genügend Bälle? Dazu ist Shooting weiter die Spezialdisziplin der Blazers, womöglich agiert Lillard ja auch mehr abseits des Balles. Rookie-Coach Micah Nori ist gefordert, um das viele Talent passend zu einem Team zusammenzuschweißen.

Der Rebuild der Jazz geht endlich in die nächste Phase. Der Frontcourt mit Lauri Markkanen und Jaren Jackson Jr. ist exquisit, nun wird sich zeigen, ob die jungen Guards um Keyonte George und Nr.2-Pick Darryn Peterson schon höheren Ansprüchen gerecht werden. Die Jazz haben nach vier Jahren Umbruch endlich ein Team, welches um die Playoffs mitspielen kann und wird. Letztlich wird aber vermutlich noch einen erfahrenen Guard brauchen, um wirklich eine Gefahr im Westen zu sein.
LeBron ist weg, nun dreht sich bei den Lakers alles um Luka Doncic. Dafür versuchte GM Rob Pelinka im Sommer vieles, komplett geglückt ist der Umbruch aber nicht. Gleichzeitig ist das eine Frage der Zielstellung. Mit einem Doncic ist jedes Team ein Kandidat für die Playoffs, doch zum Kreis der Titelanwärter ist es zu wenig. Für die Lakers gilt es, erstmal in die Postseason zu kommen - und dort trifft sicherlich kein Team gerne auf einen Doncic in dessen Prime.
Die Zeichen verdichten sich, dass die Nuggets RFA Peyton Watson ziehen lassen werden, nach Tim Hardaway Jr. und Jonas Valanciunas wäre es der dritte Rotationsspieler. Watsons Athletik war eine wichtige Komponente, die Neuen Marvin Bagley, Lonnie Walker oder EuroLeague-Star Alpha Diallo haben wenig bis keine Erfahrung in den Playoffs. Ja, die Starting Five ist weiterhin intakt, doch es muss schon vieles richtig laufen, damit Denver noch einmal im Westen ganz oben mitmischen kann.
LaMelo Ball und Anthony Edwards - kann das wirklich gut gehen? Grundsätzlich haben die Wolves viele Elemente, dass es funktionieren kann. Sie sind ein hervorragendes Defensiv-Team, welches Ball schützen kann. Der Abgang von Julius Randle könnte in der Regular Season schmerzen, ansonsten werden die Wolves vermehrt mit kleineren Lineups spielen. Zünglein an der Waage könnte Donte DiVincenzo sein, der nach seinem Achillessehnenriss nach der All-Star-Pause wieder spielen will und als Shooter eine sehr wichtige Rolle einnimmt.

Houston so weit oben? Nun, der Kader der Texaner ergibt nun mehr Sinn. Nicht nur wurde mit Marcus Smart ein Spielmacher mit Defense geholt, sondern es kehrt auch Fred VanVleet zurück. Somit könnte Houston in der kommenden Saison auch mal wieder eine vernünftige Offense laufen, die immer noch von Kevin Durant getragen werden kann. Dazu kehren auch die Offensiv-Rebounds von Steven Adams zurück, das fehlte in der zweiten Saisonhälfte. Das Playoff-Aus gegen die Lakers war brutal, könnte auf lange Sicht aber auch hilfreich gewesen sein.
Fast unverändert gehen die Spurs in die neue Saison. Heißt auch, dass De’Aaron Fox unter dem Brennglas steht, erst recht wenn Dylan Harper sich weiter steigert. Die Verpflichtung von Tobias Harris als scorenden Forward ist sinnvoll, seine defensiven Mängel sollte man verstecken können. Erst recht, wenn Victor Wembanyama sich in der kommenden Saison zum womöglich besten Spieler der NBA aufschwingt. Das ist absolut im Bereich des Möglichen, wenn der Franzose wieder fit bleibt. Das Potenzial der Spurs ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
Und doch sehen wir OKC etwas stärker - trotz der Abgänge von Lu Dort, Isaiah Joe und Aaron Wiggins. Was gerne vergessen wird: Die Thunder hatten Verletzungssorgen, vor allem Jalen Williams‘ Impact war durch seine Verletzung minimal. Und auch mit den Abgängen haben die Thunder weiterhin neun, zehn Spieler für die Playoffs plus den MVP der Liga in Shai Gilgeous-Alexander. OKC wird womöglich ein bisschen anders spielen, doch auf dem Papier ist das wieder das beste und kompletteste Team der Western Conference.
Robert Arndt