11.02.2026
Brandherde der Königsklasse
Das Rennen um die Postseason in der EuroLeague läuft auf Hochtouren. Nach 26 Spieltagen trennen den zweiten und den zehnten Platz nur zwei Siege. Diese Ausgeglichenheit bringt aber auch Nervosität bei einigen ambitionierten Teams mit sich. An dieser Stelle werden die größten Brandherde beleuchtet.

Beim Titelträger von 2024 dominieren im Saisonverlauf die verbalen Attacken von Cheftrainer Ergin Ataman und Besitzer Dimitris Giannakopoulos die Schlagzeilen. Kürzlich wetterte Giannakopoulos nach einer Niederlage gegen Aris Saloniki in der griechischen Liga über Instagram: "Spieler, Trainer, Assistenten, ihr seid eine Schande! Wenn ihr nach Athen zurückkehrt, solltet ihr alle zurücktreten!"
Nach der Derby-Niederlage gegen Piräus Anfang Januar adressierte Ataman gegenüber EuroLeague-TV eine Kernproblematik: "Mit nur einem Spieler, Kendrick Nunn, kannst du Olympiakos nicht schlagen." Wenig später fiel der amtierende EuroLeague-MVP sogar aus. In den letzten sechs Spielen gab es ohne ihn drei Niederlagen statt vermeintlicher Pflichtsiege gegen Partizan, Bayern und Maccabi. Mit insgesamt nur vier Siegen aus neun Spielen geriet das Final Four in Athen für den Tabellenachten in Gefahr.
Selbst mit Nunn ruckelte das Athener Spiel. Von den EuroLeague-Siegern sind Kostas Sloukas (36 Jahre) und Jerian Grant (33) keine konstanten Leistungsträger mehr, auch wenn sie nach wie vor an manchen Abenden entscheidend sein können. Zudem läuft Konstantinos Mitoglou seit zwei Jahren seiner Form hinterher, und der verletzte Ex-MVP-Kandidat Mathias Lessort wartet weiterhin auf sein Saisondebüt.
| Spieler | PTS | FG |
|---|---|---|
| Kendrick Nunn | 17,3 | 55,8% |
| TJ Shorts | 11,7 | 56,9% |
| Omer Yurtseven | 10,9 | 62,1% |
| Nikos Rogkavopoulos | 10,4 | 48,5% |
| Cedi Osman | 10,2 | 38,5% |
Abgesehen vom zurzeit etwas schwächelnden Cedi Osman gesellte sich im Laufe der vergangenen Monate keine neue Konstante hinzu. Allen voran Startransfer T. J. Shorts entpuppt sich bisher eher als Minusfaktor. Der MVP-Kandidat der Vorsaison kommt nur auf 8,3 Punkte in 17:26 Minuten sowie auf wackelige Quoten aus allen Bereichen (48 Prozent Zweier, 27 Prozent Dreier, 70 Prozent Freiwürfe).
Erstmals in seiner Profilaufbahn empfahl sich Shorts bisher nicht als Fixpunkt der Offensive. Vorne beeinträchtigt der ehemalige BBL-Star in kleinerer Rolle mit seiner Wurfschwäche und häufigem Fordern des Balles den Offensivfluss. Defensiv weiß er anders als in den Vorjahren keine Defensivspezialisten wie Tyson Ward neben sich, weshalb der schmale 1,75-m-Wirbelwind neben weiteren versierten Offensivspielern wie Sloukas und Nunn oft selbst die stärksten gegnerischen Guards verteidigen muss.
Gemäß den Datendiensten 3StepsBasket und RealGM rangiert erstmals seit 2018 ein Ataman-Team nicht unter den sechs besten Teams im Offensiv-Rating (Platz zwölf). Ein Comeback von Nunn und eine Rückkehr zu einer kleineren Rotation könnten Lösungsansätze für einen erfolgreichen Endspurt sein.

Einen besonderen Fall stellt die Lage bei Hapoel Tel Aviv dar. Der finanzstarke EuroLeague-Neuling rangierte Ende Januar noch auf dem ersten Platz und schrieb eine der Erfolgsgeschichten der Saison. Zuletzt gab es in der EuroLeague aber vier Niederlagen in Folge, bei denen MVP-Kandidat Elijah Bryant ausfiel. Zudem wurde national zweimal gegen Jerusalem verloren, unter anderem im Pokal-Halbfinale.
Mit den Niederlagen gerieten jedoch Kontroverse an die Oberfläche, die lange übertüncht wurden durch die Siege und vielleicht durch die Tatsache, dass vor Dezember jahrelang keine internationalen Spiele auf israelischem Parkett stattfanden. Laut dem israelischen Reporter Josh Halickman entstand mit dem Einstieg von Besitzer Ofer Yannay, dem seit 2023 51 und seit 2024 81 Prozent der Anteile gehören, eine Kluft zwischen dem harten Fankern und dem Klub. Im Ursprung sei Hapoel (deutsch: Arbeiter) ein Arbeiterklub, dessen Werte große Teile der Fans unter Investor Yannay gefährdet sehen.
Daher boykottieren einige Fans sogar die Spiele. Zudem gab es kürzlich beim Spiel gegen Bayern Häme gegen Yannay und Dimitris Itoudis wegen der geringen Einsatzzeiten für israelische Spieler. Sportlich erschwert Itoudis, dass Startransfer Vasilije Micic schwächelt. Seit zwölf EInsätzen markiert der Spielmacher nur 8,5 Punkte pro Spiel; in den ersten zwölf Partien waren es noch fast doppelt so viele (14,4).
Ohne einen starken Micic und einen verletzten Bryant, der gegen Jerusalem wieder spielte, fehlen Itoudis zwei Schlüssel zu seinem Spiel, das auf Tempokontrolle und dem Kreieren von Mismatches basiert. Laut Medienberichten könnte ein Schlüssel nachgeordert werden in Person von Final-Four-MVP Nigel Hayes-Davis, für dessen Verpflichtung Hapoel vor Fenerbahce und Barcelona der Favorit sein soll.
Ähnlich abrupt wie bei Hapoel Tel Aviv entstand in Monaco ein Brandherd. Bis Mitte Januar cruisten Mike James und Co. mit sechs Siegen in Folge auf Platz zwei. Zu dem Zeitpunkt stellte der griechische Nationaltrainer Vassilis Spanoulis sowohl offensiv als auch defensiv eines der zwei effizientesten Teams.
Doch zuletzt wurde fünfmal in Serie verloren. Ähnlich wie in Tel Aviv dominiert ein außersportliches Thema die Schlagzeilen, und ähnlich wie Hapoel-Headcoach Itoudis (gegenüber dem Sender Sport5) konstatierte AS-Cheftrainer Spanoulis zuletzt auf der PK nach der 17-Punkte-Niederlage in Kaunas öffentlich, dass die aktuelle Lage nicht nur auf Basketballthemen zurückzuführen sei.
Im Falle der AS Monaco betrifft dies finanzielle Themen. Laut L’Équipe geriet der Besitzer Aleksej Fedoricsev wegen des russisch-ukrainischen Kriegs in eine finanzielle Schieflage. Das italienische Portal Corriere Fiorentino berichtete bereits im Juli 2024 von Korruptionsvorwürfen aus der Ukraine gegen Fedoricsev. Die französische Website BeBasket berichtete am 6. Februar davon, dass Spielergehälter aus Dezember noch ausstehen. Die L’Équipe vermeldete nun, dass das Fürstentum um Staatsoberhaupt Albert II. eine Lösung sucht und bereit sei, dem Klub übergangsweise, aber nicht dauerhaft zu helfen.
Konkret sportlich trifft die AS Monaco die finanziellen Probleme in Bezug auf Nachverpflichtungen. Mit nur 13 Spielern hat der EL-Vizesieger den kleinsten Kader der Liga. NBA-Veteran Cory Joseph konnte wegen einer Transfersperre nicht nachverpflichtet werden. Ironischerweise gab der Klub Ende Oktober mit Nick Calathes sogar einen nach Verletzungen enttäuschenden, aber sehr erfahrenen Spieler ab.
Schon nach der Niederlage gegen Baskonia im Dezember monierte Spanoulis bei EuroLeague-TV: "Wir haben nicht genügend Spieler." Bislang konnte die EL-Spielerlegende auf die Belastbarkeit seiner Spieler zählen. Aus der Zehner-Rotation verpasste niemand mehr als drei Partien. Zuletzt fielen aber mit Kevarrius Hayes und schon lange mit Yoan Makoundou zwei Back-up-Center aus. Gerade Nationalspieler Daniel Theis und Nikola Mirotic müssen im Frontcourt viel Last tragen und ließen zuletzt etwas nach.
Um eine lange vielversprechende Saison zu retten, braucht es schnellstmöglich finanzielle Gesundung und im besten Fall sogar eine Nachverpflichtung vor Transferschluss am 26. Februar. Als ein Trumpf könnte sich der Zusammenhalt erweisen. Fünf Leistungsträger spielen seit mindestens vier Jahren zusammen. Zudem gibt es für mehrere Akteure noch eine persönlich reizvolle Mission, denn inklusive den einstigen EL-MVPs James und Mirotic gewann noch kein Spieler oder Trainer die EuroLeague.
Lukas Feldhaus