03.02.2026
Theis mittendrin
Bei der AS Monaco um Nationalspieler Daniel Theis rumort es. Der Besitzer wird ausgetauscht, Gehälter werden verspätet gezahlt, der Fürst muss eingreifen. Was ist los bei letztjährigen Finalisten der EuroLeague?

Basketball in Europa ist nicht rentabel - dieser Satz wird immer wieder hervorgekramt, wenn es um den möglichen Einstieg der NBA in Europa geht und was die Liga ändern möchte. Das trifft nicht überall zu, doch die derzeitige Situation der AS Monaco ist ein weiteres Beispiel dafür, dass selbst erfolgreiche EuroLeague-Teams nur bedingt stabil sind.
Vergangenen Mai spielte Monaco noch gegen Fenerbahce um die Krone Europas und unterlag in einem teils hochklassigen Finale knapp, acht Monate später drohte sogar ein Spielerstreik in der französischen Liga, weil die Gehälter aus dem November Mitte Januar noch immer nicht bezahlt wurden, wie die L’Equipe berichtete.
Hinweise darauf gab es schon länger. Die französische Liga belegte Monaco im Herbst mit einer Transfersperre, weil Beratergebühren nicht bezahlt wurden. Ein Problem, welches nicht gelöst wurde und weswegen Point Guard Cory Joseph nicht registriert werden konnte. Die Monegassen haben einen der kleinsten Kader in der EuroLeague, zuletzt platzte sogar Coach Vassilis Spanoulis der Kragen.
Nach der Niederlage gegen Bologna äußerte sich der Grieche erstmals und nahm kein Blatt vor den Mund. "Ich bin stolz auf meine Spieler, aber ich kann das nicht mehr ignorieren. Wir müssen eine Lösung finden", meinte Spanoulis. "Eigentlich ist das nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren, aber auch die Spieler kriegen das mit."
Vor allem der kleine Kader stößt "Kill Bill" sauer auf. "Wir haben zwölf Spieler, die in der französischen Liga und in der EuroLeague spielen müssen. Wo gibt es sowas sonst? Nirgends. Manche Teams haben 18, 19 Spieler, aber wir müssen für neun Monate mit den gleichen Jungs spielen und da ist es nicht leicht, immer konstant und fokussiert zu spielen."
In Frankreich führen die Monegassen die Liga zwar souverän an (16-2), doch in der EuroLeague setzte es zuletzt drei Niederlagen am Stück. Der Vorjahresfinalist ist mit ähnlichem Personal derzeit nur Siebter, was aber in dieser engen Liga nicht viel bedeuten muss. Dennoch ist die Unruhe spürbar, so wurde unter anderem der Vertrag von Star-Spieler Mike James angepasst und um ein Jahr verkürzt.
Die L’Equipe meldet, dass die Situation so prekär ist, dass das Fürstentum selbst die Besitzerschaft übernehmen muss. Derzeitiger Besitzer ist Aleksey Fedoricsev, dem auch die Fedcom Group gehört, die auch die Trikots der Fußballer ziert. Der Russe mit ungarischem Pass hat aber durch den Ukraine-Krieg finanzielle Probleme bekommen, zahlreiche Konten in Europa wurden eingefroren.
Die Zahlungsprobleme sollen so weit gehen, dass bestimmte Hotels sich weigern, das Team zu beherbergen, weil es aus früheren Zeiten immer noch offene Rechnungen gibt. Auch viele Banken wollen keine Kredite mehr geben, weswegen ein Verkauf die einzige Lösung zu sein scheint.

Das deutete der Verein selbst mit einer Pressemitteilung an. "Die AS Monaco wird derzeit umstrukturiert. Wir sind stabil und der sportliche Betrieb läuft weiter wie gewohnt. Alle Stakeholder unterstützen den Kurs und arbeiten an einer langfristigen Lösung, die die Organisation stärker machen wird."
Dazu wird geschrieben, dass die Regierung in Monaco es schätze, was in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde und welche Werte der Verein vermittle. Allerdings soll das kein Dauerzustand sein. Das Fürstentum wird die Kontrolle nur übernehmen, um den Verein vor dem Bankrott zu retten. Ist das gelungen, soll ein neuer Besitzer gefunden werden.
Wer das sein wird, ist noch unklar. Gleiches gilt für die Zukunft der Mannschaft. Monaco besitzt keine A-Lizenz in der EuroLeague und ist somit nur Gast. Während Dubai, Valencia, beide Belgrader Teams und Bologna eine neue Lizenz über mehrere Jahre erhielt, ging Monaco leer aus. Ein Grund dafür könnte weiter die viel zu kleine Halle sein, aber eben auch die finanziellen Engpässe.
Im Sommer laufen dann die Verträge von mehreren Schlüsselspielern aus, darunter auch die von Daniel Theis, Elie Okobo, Jaron Blossomgame oder eben James. Ob Monaco ein Top-Team bleiben kann, das steht in den Sternen.
Vielmehr zeigt der Fall, dass erfolgreicher Basketball sich finanziell oft nicht lohnt und es ein Zuschussgeschäft bleibt. Monaco ist wegen der kleinen Arena gewissermaßen ein Sonderfall, doch die finanziellen Verluste sind mit Sicherheit kein Einzelfall in Europas bester Basketballliga.
Robert Arndt