03.04.2026
Womöglich erster deutscher NCAA-Champ seit 2014
Vor nicht einmal einem Jahr verabschiedete sich Ivan Kharchenkov aus München, jetzt steht der 19-Jährige mit den Arizona Wildcats im Final Four. Für das Programm ist es die erste Halbfinal-Teilnahme seit 2001. In Indianapolis, im NFL-Stadion der Colts, trifft Arizona auf Michigan. Für den deutschen Flügelspieler ist es der nächste Schritt in einer Karriere, die schon lange auf große Bühnen ausgerichtet ist.

Der Weg dorthin begann am Campus des FC Bayern München. Kharchenkov kam als Zwölfjähriger, durchlief jede Jugendmannschaft, oft als einer der Jüngsten, und entwickelte sich schnell zu einem der spannendsten deutschen Talente. In der zweiten Mannschaft (ProB) dominierte er als Topscorer, bei den Profis sammelte er früh Minuten. Mit gerade einmal 16 Jahren wurde er zum jüngsten Spieler und Punktesammler der BBL-Geschichte.
Spätestens in den Playoffs 2025 zeigte sich, dass er mehr als nur ein Perspektivspieler war. Im wichtigen vierten Spiel der Finalserie gegen Ulm brachte er Energie von der Bank, half dabei, die Serie auszugleichen, und trug seinen Teil zum späteren Titelgewinn bei. Sein wohl bestes Spiel im Bayern-Dress lieferte er 2024 gegen Frankfurt ab, als er 20 Punkte auflegte. Parallel sammelte Kharchenkov auch EuroLeague-Erfahrung, 2023 kam er gegen Partizan erstmals zum Einsatz.
Der Wechsel in die USA im vergangenen Sommer war deshalb kein Sprung ins Ungewisse, sondern der nächste logische Schritt. Bei den Arizona Wildcats fand Kharchenkov sofort seine Rolle - und vor allem: Minuten. Als Starter stand er in allen Spielen auf dem Feld, lieferte solide Zahlen und überzeugte mit seiner Vielseitigkeit.
| Team / Saison | PTS | REB | AST | STL | FG% | 3P% |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Arizona 2025/26 | 10.5 | 4.3 | 2.3 | 1.3 | 49.8 | 31.4 |
Statistisch liest sich seine Freshman-Saison auf den ersten Blick unspektakulär, doch der Impact geht weit darüber hinaus. Kharchenkov bringt bei 2,01 Metern und über 100 Kilogramm genau das Profil mit, das Teams in einem verlässlichen Rollenspieler suchen: physisch, defensiv aggressiv, mit Gefühl für das Spiel. Er verteidigt mehrere Positionen, läuft das Feld stark in Transition und trifft meist die richtigen Entscheidungen.
Gerade defensiv hat er sich schnell einen Namen gemacht. Seine Intensität, seine Physis und sein Wille machen ihn zu einem unangenehmen Gegenspieler, besonders gegen die besten Scorer des Gegners. Offensiv ist er kein spektakulärer Creator, aber ein effizienter Finisher und potenzieller Floor Spacer. Der Dreier fällt aktuell noch nicht konstant genug (31,4 Prozent), doch die Ansätze sind klar erkennbar.
Dass Kharchenkov auch auf der größten Bühne nicht nervös wird, überrascht in Arizona niemanden. "Er ist ein reifer, fokussierter Typ", sagte Head Coach Tommy Lloyd vor dem Final Four. "Er hat im Laufe der Saison viel gelernt und ist deutlich besser geworden." Dass der Deutsche bereits vor seiner College-Karriere wichtige Profierfahrung sammeln konnte, dürfte auch ein Grund für seinen sofortigen Impact beim Big-12-Champion sein. "Ich glaube nicht, dass ihn irgendeine Bühne aus der Ruhe bringt", fügte Lloyd hinzu.

Dass er trotz dieser Anlagen in vielen Mock Drafts noch außen vor ist, hat weniger mit seinem Talent als mit der Tiefe des aktuellen Jahrgangs zu tun. In einem schwächeren Draft würde Kharchenkov wohl längst als sicherer Zweitrundenpick oder sogar als Kandidat für die erste Runde gelten. So aber spricht vieles dafür, dass er noch ein weiteres Jahr am College bleibt, auch, um sich weiterzuentwickeln und seine Ausgangsposition für den kommenden Draft zu verbessern.
Für einen Verbleib spricht neben der sportlichen Entwicklung auch, dass Kharchenkov am College bereits von den inzwischen sehr lukrativen Rahmenbedingungen profitieren kann. Der Schritt in die NBA muss also nicht überstürzt kommen.
Mit dem Final Four in Indianapolis ergibt sich nun die perfekte Bühne für den Münchner, sich zu beweisen. In Indianapolis trifft Arizona im Halbfinale auf Michigan. Für jemanden, der seit Jahren auf den Zetteln der Scouts steht, hat Kharchenkov die Chance, sich endgültig auch international ins Rampenlicht zu spielen. Gleichzeitig hat er die Möglichkeit, als erster deutscher Spieler seit Niels Giffey (2014) National Champion zu werden.
Vom Münchner Campus ins größte College-Wochenende des Jahres. Kharchenkovs Reise ist noch lange nicht am Ziel. Aber sie zeigt schon jetzt, wohin sie führen kann.
Wer wird der 1. Pick? Steinbach und Anderson in der Lottery? NBA Mock Draft 2026 - Stand: 17.03.2026
Sam Müller