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    NBA

    vor 4 Stunden

    "Hätte fast geweint"

    Nicht Anunoby? Wieso Alvarado New Yorks eigentlicher Matchwinner ist

    Die New York Knicks sind infolge einer furiosen Aufholjagd gegen die San Antonio Spurs nur noch einen Sieg von ihrer ersten Meisterschaft seit 53 Jahren entfernt. Während alle Welt über OG Anunobys Heldentaten in den Schlusssekunden spricht, hat ein sonst kleines Licht das Comeback überhaupt erst in die Wege geleitet.

    Jose Alvarado beendete Spiel 4 mit acht Punkten (3/4) sowie drei Assits und zwei Rebounds.
    Jose Alvarado beendete Spiel 4 mit acht Punkten (3/4) sowie drei Assits und zwei Rebounds. Brad Penner

    Weniger als neun Minuten stand Jose Alvarado in den ersten 16 Playoff-Spielen mit den New York Knicks durchschnittlich auf dem Feld - nicht selten auch in der Garbage Time, also in jenen Minuten, in denen die Spiele de facto bereits entschieden waren. Auch in der ersten Hälfte von Spiel 4 der Finalserie änderte sich daran wenig. Drei Einsatzminuten hatte der Puerto Ricaner auf dem Konto, als seine Mannschaft mit dem desaströsen Pausenstand von 49:76 in die Kabinen marschierte.

    In den ersten zwei Vierteln war allerdings etwas passiert, das Alvarado in die Karten spielen sollte. So blieben die Knicks gegen Spurs-Star Victor Wembanyama lange eine Antwort schuldig. Center-Gegenspieler Karl-Anthony Towns hängte er zwei schnelle Fouls an. Dessen Ersatzmann Mitchell Robinson war defensiv wie offensiv völlig überfordert. Selbiges galt wohl auch für Knicks-Coach Mike Brown, der schließlich Ariel Hukporti zu seinen ersten Finals-Minuten verhalf. Doch: Funktionieren wollte auch das nicht!

    In der Kabine nahm Brown dann eine folgenschwere Änderung vor: Anstelle von Mikal Bridges, der einmal mehr eine No-Show ablieferte, vertraute er auf Alvarado. Die Idee: Defensiv könne der Guard, trotz des massiven Größenunterschieds von 41 Zentimetern, gegen Wembanyama Unruhe stiften. Offensiv würde er zudem Ballhandler Jalen Brunson entlasten, der bereits im zweiten Viertel die ansonsten kaum stattfindende Knicks-Offensive am Leben gehalten hatte.

    Knicks-Trainer Brown: "Er bestraft dich, wenn du ihn offen lässt"

    Der Plan ging auf. Alvarado behakelte Wembanyama permanent und bot damit zumindest keine Angriffsfläche. Mehrwert leistete er hingegen besonders offensiv. "Jose war heute unglaublich", sagte Knicks-Trainer Mike Brown später euphorisch: "Er hat das Spiel mit seinem Tempo und seiner Fähigkeit, in die Zone zu kommen, verändert."

    Tatsächlich war Alvarado, der im vergangenen Sommer für schlappe 4,5 Millionen Dollar verpflichtet wurde, der große belebende Faktor für die Ballbesitzphasen der Knicks. "Er hat hart an seinem Wurf gearbeitet und bestraft dich, wenn du ihn offen lässt. Wenn man ihn allerdings zu nah verteidigt, dann ist er schnell genug, um an dir vorbeizugehen und seine Mitspieler zu finden."

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    Auch Mitspieler Towns, der die PK zusammen mit seinem Point Guard absolvierte, fand - fast - nur warme Worte für diesen: "Als Dominikaner ist es schwer für mich, so gut über einen Puerto Ricaner zu reden", witzelte er, um dann völlig ernst hinterherzuschieben: "Spieler, die über ihre Emotionen kommen, verlieren sich oft darin. Jose hingegen wird von diesen Emotionen angetrieben; sie hieven ihn auf das nächste Level."

    Alvarado: "Kann es kaum in Worte fassen"

    So war es auch kein Wunder, dass Alvarado das Schlussviertel nahezu durchspielte und auch in der Crunchtime komplett auf dem Feld stand. "Ich möchte nichts beschönigen: Ich hätte fast geweint", antwortete Alvarado auf die Frage, was es ihm bedeutet, zum Erfolg seines Heimatvereins (als gebürtiger New Yorker) entscheidend beizusteuern. "Ich bin im Madison Square Garden, am Ende des vierten Viertels, und habe die Chance, mit diesen Jungs etwas Besonderes zu erreichen", sagte er sichtlich gefasst. "Ich war einfach nur überwältigt. Es ist wirklich etwas, das ich kaum in Worte fassen kann."

    Alvarado blieb in den Schlusssekunden cool: Nach Fox' Ballverlust brachte er den Ball nach vorn und zog das Foul, das das spieltentscheidende Play nach sich zog.
    Alvarado blieb in den Schlusssekunden cool: Nach Fox' Ballverlust brachte er den Ball nach vorn und zog das Foul, das das spieltentscheidende Play nach sich zog. Brad Penner

    Alvarados Einfluss war letztlich nicht nur an den netten Worten der Kollegen oder seiner Einladung zur Pressekonferenz abzulesen, sondern auch statistisch. Mit ihm auf dem Feld outscorten die Knicks die Spurs in den zwölf Schlussminuten um 17 Punkte. Alvarado verwandelte alle seiner drei Würfe, inklusive eines bedeutenden Dreiers rund drei Minuten vor Spielende, mit dem er nicht nur zwei Wembanyama-Punkten von zuvor trotzte, sondern seine Knicks auch auf vier Zähler heranbrachte.

    Alvarado avancierte damit zum heimlichen Matchwinner bei einem Sieg, der die erste New Yorker Meisterschaft seit mehr als einem halben Jahrhundert in greifbare Nähe bringt. Sich zu sehr darauf ausruhen wolle er aber nicht: "Wir können jetzt ganz heiter sein und es genießen. Aber wir haben noch einen weiteren Sieg vor uns."

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    Julius Ostendorf

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