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    NBA

    vor 2 Stunden

    Starker Auftakt für Golden States Neuling

    Lendeborg bei den Warriors: Kann dieser Rookie eine Dynastie retten?

    Yaxel Lendeborg ist in der NBA eingeschlagen wie ein Komet - und hat es binnen weniger Wochen geschafft, einer tot geglaubten Dynastie wieder Leben einzuhauchen. Warum der ungewöhnliche Rookie genau der Spieler ist, nachdem die Warriors seit Jahren gesucht haben.

    Yaxel Lendeborg wurde mit dem elften Pick von den Warriors gezogen.
    Yaxel Lendeborg wurde mit dem elften Pick von den Warriors gezogen. Kelley L Cox

    Vergangene Woche spielte Yaxel Lendeborg erstmals gegen die Minnesota Timberwolves. Und traf dabei auf Jonathan Kuminga - also seinen Vorgänger, den vorigen talentierten Power-Wing, der den Warriors eigentlich eine zweite "Timeline" verschaffen sollte. Der ihm wohl einiges hätte darüber erzählen können, wie hart das Leben und Spielen in der Bay Area sein kann.

    Über die kurze Leine von Head Coach Steve Kerr etwa, der seinen Veteranen traditionell wesentlich mehr vertraut als den Jungen. Oder das komplizierte, frei fließende System, das in Golden State gelaufen wird, um Stephen Curry zu maximieren - ein System, das gerade jungen Spielern kognitiv sehr viel abverlangt.

    Sicherlich wären Kuminga auch noch mehr Gründe eingefallen, warum es für ihn trotz etlichen Versuchen nie so richtig geklappt hat, in Golden State seinen Platz zu finden, weshalb er nach der Zwischenstation Atlanta mittlerweile in Minnesota sein Ding macht. Lendeborg allerdings könnte nach gut zwei Wochen in der NBA eine ganz andere Geschichte erzählen.

    Eine von grünem Licht - er nimmt aktuell mehr Würfe pro Spiel (14), als es Kuminga in viereinhalb Saisons jemals durfte. Lendeborg räumt gerade im Alleingang mit dem Vorurteil auf, dass Rookies unter Kerr per se sehr wenig dürfen. Was sich allerdings auch aufdrängt, bei diesen Resultaten. Und bei dieser Situation des Teams.

    Lendeborg: Besser als angekündigt

    Als Kuminga 2021 in der NBA debütierte, waren die Warriors noch mittendrin in der Verlosung und wurden am Saisonende sogar Meister, auch wenn das damals durchaus überraschend kam. Heute hingegen pfeift diese stolze Dynastie auf dem letzten Loch, holte vergangene Saison 37 Siege und galt als heißer Kandidat dafür, in diesem Jahr sogar das Play-In zu verpassen.

    Dieses Team verzehrte sich nach Hoffnung, nach einem Heilsbringer. Lendeborg wurde im Vorfeld eigentlich nicht als solcher verkauft - sondern als "bereiter" Do-it-All-Wing, der weiterhelfen, an der Quintessenz des Teams aber nicht sonderlich viel verändern würde. Mittlerweile werden da ganz andere Töne angeschlagen.

    "Es ist bemerkenswert, was er schon in den ersten Saisonwochen für einen Einfluss auf die Spiele ausübt. Das verändert alles", sagte Kerr am Montag, nachdem Lendeborg gegen die Clippers mit 37 Punkten gerade einen neuen Karrierebestwert aufgelegt hatte.

    Da ließ sich ihm nur beipflichten. Lendeborg ist etwas anderes als das, was angekündigt wurde.

    Yaxel Landeborg: Seine NBA-Stats

    SpieleMINPTSFG%3P%REBAST
    831,921,550,040,07,03,9

    Lendeborg: Die zweite erste Option

    Ein einziges Mal legte der Forward in seiner College-Karriere 30 Punkte auf. In der NBA hat er das in acht Spielen bereits zweimal geschafft. Lendeborg fungiert bei den Warriors als zweite Option, oder sogar als erste, wenn Curry auf der Bank sitzt oder mal geschont wird, wie gegen die Clippers geschehen. Das frei fließende System wird dann sogar mal über den Haufen geworfen, damit der Rookie im Post isoliert werden kann.

    "Wenn Steph nicht im Spiel ist, ist das meine Chance, der Anführer zu sein und voranzugehen", sagte Lendeborg nach dem Clippers-Spiel. Keine gewöhnliche Ansage für einen Rookie, aber sie ist bisher problemlos belegbar; in 171 Minuten ohne Curry auf dem Court schießen Lendeborgs ohnehin schon gute Zahlen durch die Bank nach oben.

    Das Spiel gegen die Clippers demonstrierte dies besonders eindrucksvoll - während Curry und Draymond Green zusahen, zeigte Lendeborg unmittelbar nach dem bisher schwächsten Spiel seiner Laufbahn (6 Punkte gegen die Lakers) sein bestes, dominierte gegen kleinere Gegenspieler inside und versenkte überdies sechs Dreier.

    Über acht Spiele legt Lendeborg bisher 21,5 Zähler bei herausragenden Quoten (50/40/77) auf, hinzu kommen 7 Rebounds und 3,9 Assists. Es sind Rookie-of-the-Year-würdige Zahlen, ohne Wenn und Aber. Was automatisch immer wieder zu der Frage führt, warum so ein Spieler den Warriors an Draft-Position 11 noch in die Hände fallen konnte.

    Lendeborg: Ein alter Rookie

    Kerr hat vergangene Woche seine Antwort dazu abgegeben. "Es ist schwer zu glauben. Wenn du den Jungen siehst und denkst: Moment, der ist 2,06m groß, 109 Kilo schwer, kann dribbeln, passen und werfen und hat keine Angst", sagte Kerr. "Und dann erinnerst du dich daran, dass wir in der NBA Spieler dafür bestrafen, wenn sie 23 Jahre alt sind. Er war selbst sein schlimmster Feind. Er hätte einfach vor vier Jahren vollkommen unvorbereitet in die Liga kommen sollen, dann wäre er der zweite Pick im Draft gewesen."

    Tatsächlich ist das Alter ein Faktor - Lendeborg ist 24 und genau eine Woche älter als Kuminga, der gerade seine sechste NBA-Saison absolviert. Anders als von Kerr angedeutet stand es für Lendeborg vor vier Jahren indes noch gar nicht zur Debatte, in die NBA zu wechseln. 2025 meldete er sich schon einmal vorläufig zum Draft an, zog aber zurück, weil er dort eher Richtung Ende der ersten Runde projiziert wurde.

    Lendeborg hat einen sehr speziellen College-Weg hingelegt, er war ein absoluter Spätstarter. Drei Jahre spielte er am Junior College Arizona Western und war da noch keineswegs NBA-Material; es folgten Stationen bei der University of Atlanta Birmingham, wo er zwei Jahre spielte, und zuletzt ein Jahr bei den Michigan Wolverines, die er 25/26 als Spieler des Jahres in der Big Ten zum NCAA-Titel führte.

    Lendeborg hat sich auf seinem Weg mit insgesamt 112 College-Spielen stetig verbessert, neue Facetten hinzuaddiert - dieser Reifeprozess, diese Erfahrung verschafft ihm derzeit zweifellos Vorteile, die 19-jährige Rookies wie Kuminga (oder Cameron Boozer, oder Caleb Wilson, oder …) schlichtweg nicht haben. Der Prozess ist gleichzeitig auch noch nicht abgeschlossen.

    Nicht auf den Mund gefallen: Rookie Yaxel Lendeborg
    Nicht auf den Mund gefallen: Rookie Yaxel Lendeborg Darren Yamashita

    Lendeborg: Der Lernprozess läuft

    Körperlich ist Lendeborg definitiv bereit für die NBA, und kann physisch nicht nur dagegenhalten, sondern dominieren. Er macht auf der anderen Seite selbst noch mehr als genug Fehler und lernt Lektionen. Etwa die Privatfehde mit Luka Doncic, die er direkt in seinem ersten NBA-Spiel anzettelte und im zweiten Duell mit den Lakers noch immer im Kopf hatte.

    Auch das Spiel gegen die Clippers diente als Lektion, weil er sich in der Schlussphase zum Statchasing hinreißen ließ und dafür von Kerr gebencht wurde, ehe Golden State seinen 20-Punkte-Vorsprung in den Schlussminuten noch verloren hätte; Lendeborg hat sich direkt im Anschluss dafür entschuldigt, seinen Fehler eingestanden.

    Positiv ist, dass er selbstkritisch ist und die Lektionen schnell verarbeitet. Gegen Minnesota und die Lakers überdrehte er zum Teil und verlor insgesamt zwölfmal den Ball (noch ein Indiz, dass er zu den Warriors passt!) - gegen die Clippers und Suns agierte er viel kontrollierter, schenkte den Ball bloß je zweimal her. Und auch die Fehler halten ihn eben nicht davon ab, Einfluss zu haben.

    "Es gibt wahrscheinlich immer noch zehn Plays, die ich raussuchen könnte, bei denen er offensiv oder defensiv einen Fehler gemacht hat und etwas nicht richtig gelesen hat", sagte Kerr nach dem Denver-Spiel, in dem Lendeborg 31 Punkte, 12 Rebounds und 6 Assists aufgelegt hatte. "Und trotzdem hat er sein viertes NBA-Spiel dominiert und an sich gerissen."

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    Lendeborg: Noch nicht vorbei

    Es ist angesichts seines Alters eine Frage, wie viel Upside noch da ist, wo Lendeborgs Entwicklung ihn noch hinführen kann. Derzeit ist diese Frage aber nicht entscheidend, weil er schon jetzt zum Teil ein Niveau erreicht, auf das viele Spieler gar nicht erst kommen. Und weil diese "Ankunft" Lendeborgs noch eine weitere sehr wichtige Entwicklung bedingt hat.

    Dieses Team wirkte seit der schweren Verletzung von Jimmy Butler im Vorjahr abgemeldet, ohne Spielraum oder Moves, um noch einmal wirklich gut zu werden. Lendeborg ist ein Rettungsanker, der insbesondere Curry neues Leben eingehaucht hat, der endlich wieder ein echtes Scoring-Gegengewicht neben sich hat und dadurch neue Freiräume findet.

    Vor seiner Pause gegen die Clippers legte der 38-Jährige 24 (bei 100-prozentiger Quote), 44 und 31 Punkte auf, spielte befreit und hungrig, mit diesem Leuchten in den Augen, das ihn nach wie vor zu einer der gefährlichsten Waffen macht, die in der NBA rumlaufen. Nach drei Pleiten zum Saisonstart haben die Warriors ihre letzten fünf Spiele allesamt gewonnen, auch gegen die Suns war Curry mit 34 Zählern wieder der Hauptgrund dafür.

    Eine gewisse Euphorie ist zurück in der Bay Area. Alter hin oder her - diesen Effekt hatten die Lottery-Picks der Warriors in den vergangenen Jahren allesamt nicht. Die Curry-Ära mag auf ihr Ende zugehen, aber noch ist ihr letztes Kapitel nicht fertiggeschrieben. Und mit Lendeborg ist endlich auch wieder ein interessanter Epilog denkbar.

    Ole Frerks