vor 11 Stunden
Lendeborg zeigt ungeahnte Qualitäten
Mit 37 Punkten erzielte Yaxel Lendeborg gegen die Los Angeles Clippers die meisten Punkte eines Warriors-Rookies seit Stephen Curry. Sein bereits zweites 30-Punkte-Spiel, wodurch er früh in der Saison auch ein Anwärter auf den Rookie des Jahres sein dürfte.

37 Punkte, dazu 13 von 19 aus dem Feld, sechs Dreier - im Spiel gegen die Los Angeles Clippers legte Yaxel Lendeborg die höchste Punktzahl eines Warriors-Rookies seit über 16 Jahren auf. Damals hatte ein gewisser Stephen Curry gegen die Portland Trail Blazers 42 Zähler gemacht. Es war bereits das zweite 30-Punkte-Spiel von Lendeborg im siebten NBA-Einsatz. Die beiden Warriors-Rookies, denen das zuvor gelang, waren Wilt Chamberlain und Rick Barry.
Zwei spätere Hall of Famer also. Dass Lendeborg bereits so früh zweimal die 30er-Marke knackte überraschte auch seinen Coach Steve Kerr: "Wir wussten, dass er ein guter Werfer ist", sagte Kerr. "Aber was ich heute Abend gesehen habe, hätte ich nicht erwartet." In 112 Spielen am College hatte Lendeborg zuvor nur einmal mehr als 30 Punkte erzielt.
Dabei profitierte der Rookie auch vom Fehlen Currys, der am ersten Tag des Back-to-Backs genau wie Draymond Green geschont wurde. Schließlich geht es für Golden State bereits in der Nacht zum Dienstag weiter mit der Partie gegen die Phoenix Suns. "Immer wenn Steph nicht im Spiel ist, ist das meine Chance, zu versuchen, die Führung zu übernehmen und der wichtigste Spieler im Team zu sein", erklärte Lendeborg.
Für Michigan scorte er zuletzt 15,1 Punkte im Schnitt und wurde NCAA-Champion. In den Vorjahren an der UAB waren es durchschnittlich 13,8 bzw. 17,7 Punkte gewesen für Lendeborg. Seine Fähigkeiten als Scorer stehen den Warriors gut zu Gesicht, fehlt mit Jimmy Butler nach seinem Kreuzbandriss doch eine potente Option in der Offensive.
Gerade als Schütze galt Lendeborg aber lange nicht, nahm während seiner Zeit bei UAB beispielsweise nur einen Dreier pro Spiel. In Ann Arbor steigerte der gebürtige Puerto Ricaner sein Volumen dann auf 4,5 Versuche - mit einer ordentlichen Quote von 37 Prozent. "Letztes Jahr hätte ich, wenn ich drei Dreier verfehlt hätte, im gesamten Spiel keinen weiteren mehr geworfen. In Denver habe ich mit 0 von 5 angefangen und trotzdem weitergeworfen", sagte Lendeborg nach dem Sieg gegen die Clippers. "Mein Umgang mit den Dreipunktewürfen ist eine Sache, auf die ich stolz bin."
Gegen die Franchise aus LA hätte er dabei am Ende aber fast ein wenig zu viel geworfen. Auf den Hinweis von De’Anthony Melton und Will Richard, dass ihm nur noch drei Zähler bis zur 40-Punkte-Marke fehlen würden, versuchte es Lendeborg weiter von außen. Seine drei schweren Versuche gingen aber allesamt daneben - und die Clippers verkürzten auf acht Zähler.

Nach der folgenden Auszeit war der Abend für Lendeborg dann beendet, sein Coach nahm ihn vom Feld. "Ein NBA-Spiel kann sich heutzutage so schnell ändern", erklärte Kerr. "Fast jeden Abend wird ein 25-Punkte-Vorsprung aufgeholt." Was die Warriors erst kürzlich gegen die Lakers selbst zeigten. Gegen Luka Doncic zahlte Lendeborg aber Lehrgeld - und zeigte sich danach selbstkritisch.
Für seinen unerwarteten Ego-Trip gegen die Clippers entschuldigte sich Lendeborg im Anschluss ebenfalls. "Ich war noch nie in meinem Leben ein Statistikjäger. Dem Gruppendruck nachzugeben, wie ich es gerade getan habe, war mein Fehler." Den vierten Sieg in Serie retteten seine Teamkollegen auch ohne den Youngster ins Ziel. Der ist mit seinen Leistungen und Spielen mit 26, 26, 31 und nun 37 Zählern früh in der Saison dennoch ein Anwärter auf den Rookie des Jahres. Seine durchschnittlichen Statistiken: 22,7 Punkte, 7,3 Rebounds und 3,7 Assists. An Konkurrenz mangelt es aber nicht: Cameron Boozer etwa legt bei den überraschend stark gestarteten Memphis Grizzlies 17,3 Punkte, 10,5 Rebounds und 5,7 Assists auf, während Top-Pick AJ Dybantsa nach seiner Verletzung erst zweimal zum Einsatz kam.
"Es ist bemerkenswert, welchen Einfluss er in den ersten Wochen der Saison auf diese Spiele hat", sagte Kerr über Lendeborg. "Das verändert alles. An einem Abend wie heute, an dem Steph fehlt, erzielen wir 124 Punkte, und Yax ist der Hauptgrund dafür, dass wir so schlagkräftig sind."
Amadeus Wolff