vor 1 Stunden
Kürzere Spiele in der NBA?
NBA-Commissioner Adam Silver denkt laut darüber nach, die Spiele von 48 auf 40 Minuten einzukürzen. Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee, wird aber nicht die Probleme lösen. Ein Kommentar.

Es ist kein neues Konzept, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass der Commissioner laut darüber nachdenkt, die Spielzeit in der NBA von 48 auf 40 Minuten zu senken und sich damit dem weltweiten Spiel anzupassen. Doch ist das ein Ansatz, um Verletzungen zu minimieren? Möglich ist das, allerdings greift der Gedanke zu kurz. Ja, NBA-Spiele dauern viel zu lange und 40 Minuten wäre in der Tat die bessere Länge, doch die Probleme werden damit nicht beseitigt.
Diese liegen weiterhin klar beim Spielplan. 82 Saisonspiele ohne Playoffs in einer weiterhin verrückten Taktung zwischen Ende Oktober und Mitte April sind schlichtweg zu viel und das weiß auch in der NBA jeder. Ob ein Spiel nun 20-30 Minuten weniger Nettospielzeit hat, macht den Kohl nicht fett. Spieler haben weiterhin kaum Möglichkeiten, um zu regenerieren. Das ständige Reisen, die unzähligen Nächte in Hotelzimmern, all das zehrt an den Spielern, die nach Auswärtsspielen zumeist direkt in den nächsten Flieger steigen und dann vielleicht erst um drei Uhr nachts auf ihren Zimmern sind.
Darüber hinaus ist der 40-Minuten-Vorschlag mal wieder ein Anbiedern an die jüngere Generation, der nicht zugetraut wird, ein komplettes Spiel zu verfolgen. Wer aber nicht zweieinhalb Stunden Basketball sehen will, der wird vermutlich auch nicht zwei Stunden Basketball am Stück konsumieren. Und überhaupt: Die Stars werden deshalb nicht weniger spielen. Betroffen dürften dann eher die hinteren Kaderspieler sein, für die dann weniger Minuten übrig bleiben. Wenn das Spiel kürzer wird, gibt es weniger Ballbesitze, entsprechend zählen die Possessions mehr und Coaches werden geneigt sein, eher auf das vertraute Personal zu setzen.
Ob es überhaupt umsetzbar ist, ist die andere Frage und wie immer geht es hier um das liebe Geld. Weniger Spielzeit, bedeutet wahrscheinlich weniger Auszeiten und damit weniger Möglichkeiten für Werbeblöcke. Wer nun die NBA unter Silver studiert hat, der weiß, dass die Liga auf eine Sache auf gar keinen Fall verzichten möchte - auf das liebe Geld.

Wenn dem doch so wäre, könnte man aber gleich darüber nachdenken, einfach den Spielplan zusammen zu kürzen oder aber die Saison zu strecken. Letzteres scheint in Verbindung mit dem FIBA-Kalender, Stichwort Länderspiel-Fenster oder große Turniere, keine Option.
Letztlich dreht man sich in der NBA seit Jahren im Kreis. Das Tempo wird höher, die Spieler athletischer und damit steigt die Gefahr für Verletzungen - und seit Jahren wird immer wieder die gleiche Diskussion geführt. Geändert hat sich wenig und das wird auch so bleiben, solange niemand gewillt ist, signifikant auf Geld zu verzichten.
Robert Arndt