23.02.2026
Nach Düsseldorf-Drama
Das BMW TOP FOUR stand zunächst unter keinem guten Stern, letztlich entpuppte sich das Wochenende aber doch zu einem echten Highlight - auf und neben dem Feld, gekrönt mit der Wiederauferstehung der BMA365 Bamberg Baskets.

Spannung bis zur letzten Sekunde, Favoritenstürze und ein Außenseiter als Sieger. All das lieferte die 60. Auflage des BBL-Pokals im BMW TOP FOUR. Die ausgelassen feiernden Bamberger Spieler im Fanblock brachten tolle Bilder, Emotionen und damit auch wie schon im Vorjahr im Falle des Syntainics MBC eine echte Cinderella-Story.
Bamberg, der Goliath vergangener Jahre, setzte sich diesmal als krasser Außenseiter ausgerechnet in München gegen die Bayern und Alba durch, die nach den Franken den deutschen Basketball prägten und dominierten. Beide Male gewannen die Bamberger dramatisch, beide Male liefen sie im vierten Viertel einem Rückstand hinterher und gewannen dennoch.
Dieses Pokalwochenende lieferte Geschichten und verdrängte komplett den Hickhack im Vorfeld des Events. Düsseldorf? War kein Thema mehr. Fehlende Neutralität wegen Bayern als Gastgeber? Der haushohe Favorit strich bereits im Halbfinale sensationell die Segel. Und wer danach befürchtet hatte, dass die Halle für das Finale ohne Münchner Beteiligung nicht gefüllt werden könne, wurde auch eines Besseren belehrt.

Man meldete 11.500 Zuschauer - ausverkauft. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Bayern nach dem Ausscheiden einige Freikarten freischalteten und hier und da ein paar Lücken zu sehen waren, doch dies ist bei einem solchen Format eben mit eingepreist. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch, da sowohl die Fanlager aus Bamberg und Berlin ihre Mannschaften lautstark unterstützten.
Das sorgte in der modernsten Arena Deutschlands für eine schöne Atmosphäre, auch wenn das Niveau bisweilen zu wünschen übrig ließ. Klar, das vierte Viertel und die Verlängerung im ersten Halbfinale zwischen Bayern und Bamberg war Entertainment, doch das zweite Halbfinale und große Teile des Finales waren eher schwere Kost mit vielen Ballverlusten und vielen Fehlwürfen. Man nehme Berlin, die in 80 Minuten 44 Turnover produzierten, am Ende fehlten nur wenige Sekunden für den Triumph, weil Demarcus Demonia einen schweren Floater über Justin Bean traf und Jack Kayil beim möglichen Dreier zum Sieg geblockt wurde.
Dazu wurde auch neben dem Feld einiges geboten. Am Freitag luden die Bayern zur "Night of the Legends", wo sich das Who is Who des deutschen Basketballs die Klinke gab. Ein kleiner Auszug: Norbert Thimm, Didi Keller, Michael Pappert, Patrick Femerling, Marlies Askamp, Tibor Pleiß, Henrik Dettmann, Alex Mumbru, Svetislav Pesic, uvm. Legenden wie BBL-Topscorer Mike Jäckel (wurde aus Vancouver eingeflogen), die Rekord-NationalspielerInnen Patrick Femerling und Martina Kehrenberg wurden geehrt, dazu wurde Nowitzki-Förderer Holger Gschwindner für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Es war fast ein wenig schade, dass der große Teil der Öffentlichkeit dies nicht sehen konnte, vor allem den Auftritt von Ex-Nationalspieler Heiko Schaffartzik. Mit einer Mischung aus Rap, Tanz und Gesang beendete der Paradiesvogel des deutschen Basketballs den offiziellen Teil der Veranstaltung auf seine Art und Weise - und eröffnete so gewissermaßen dieses Wochenende.
Für den Schlusspunkt waren dann die Bamberger verantwortlich, wo sich Spieler-Legende Anton Gavel als Coach laut Geschäftsführer Philipp Höhne "unsterblich" machte und der Veranstaltung noch einmal einen Push verlieh, der dem "Leuchtturm-Event" der BBL den letzten Spin gab. Es war ein Wochenende, das die Bundesliga mal wieder dringend nötig hatte.
Robert Arndt