20.01.2026
Bayern-Coach äußert sich auch zur NBA Europe
Knapp einen Monat nach seiner Anstellung in München hat Svetislav Pesic erstmals ein längeres Interview gegeben. Dabei übte der Serbe scharfe Kritik an der EuroLeague-Entwicklung und schätzte die Chancen der NBA Europe ein. Darüber hinaus erklärte er den Abgang von Spencer Dinwiddie.

Neun Siege, zwei Niederlagen. Die Bilanz des FC Bayern unter Rückkehrerer Svetislav Pesic kann sich sehen lassen. Während der amtierende Meister unter der Regie des 76-Jährigen seine Erfolgsserie in der BBL ausbauen konnte, fand man auch in der EuroLeague zurück auf die Siegesstraße.
Dabei trotzten die Münchner dem durchweg straffen Spielplan, der auch zum Jahreswechsel keine Pause kannte. Allein seit Silvester absolvierte der FCBB acht Spiele, heute Abend steht das neunte auf dem Programm. Bereits in der vergangenen Saison klagten Teams über den vollen Terminkalender, die EuroLeague-Erweiterung auf 20 Mannschaften heizte diese Kritik weiter an.
"Jeder weiß, dass das eine katastrophale Entscheidung war", legte Pesic gegenüber Mozzartsport nun nach. "Dieses System mit 20 Vereinen sollte abgeschafft werden, es ergibt keinen Sinn. Die Zahl der Spiele muss reduziert werden, dasselbe gilt für die nationalen Ligen, obwohl es in der EuroLeague viel einfacher ist, ein neues System zu schaffen."
Eine viel diskutierte Möglichkeit ist die Einführung zweier Divisionen, wie es bereits im Eurocup der Fall ist. Dafür müsste die EuroLeague aber voraussichtlich weiter expandieren. "Damit hätten in Europa mehr Teams die Möglichkeit, an einem hochkarätigen Wettbewerb teilzunehmen", erklärt Pesic den Vorteil. "Die Gesamtzahl der Spiele würde sich erhöhen, aber die Belastung der Vereine sinken." Möglich sei das deshalb, weil nur Teams innerhalb einer Division gegeneinander spielen. Erst in den Playoffs käme es dann zum Aufeinandertreffen.
Gegenüber dem europäischen Projekt der NBA zeigt sich der Bayern-Coach zwar einerseits offen, andererseits wünscht er sich eine gemeinsame Lösung mit der EuroLeague. "Es wäre am besten, wenn alle - FIBA, NBA und EuroLeague - auf einen gemeinsamen nenner fänden. (...) Es ist für mich schwer vorstellbar, dass ein neuer Wettbewerb ohne den Einfluss und die Zustimmung der EuroLeague entstehen könnte."
Im Interview äußerte sich Pesic auch zum laufenden Saisonbetrieb seiner Bayern und betonte, in der Königsklasse weiterhin große Pläne zu haben. "Ich glaube, dass diese Mannschaft noch besser sein kann. Wir haben die EuroLeague nicht aufgegeben - im Gegenteil. Wir wollen jedes Spiel gewonnen, dann können wir weiterreden."

Dabei helfen soll auch Neuzugang Neno Dimitrijevic, der kurzfristig für den abgewanderten NBA-Star Spencer Dinwiddie verpflichtet wurde. "Ich mag ihn sehr", sagt Pesic, der den nordmazedonischen Nationalspieler aus seiner Zeit in Spanien kennt. "Ich glaube an Dimitrijevic. Er arbeitet hart und möchte sich so schnell wie möglich ins Team integrieren."
Einblicke gewährte der ehemalige serbische Nationaltrainer auch in die Umstände Dinwiddies Abgang. Aufgrund eines familiären Notfalls war der langjährige NBA-Veteran nach Weihnachten in seine Heimat gereist und danach nicht mehr zurückgekehrt. "Seine Frau war über Weihnachten nach München gekommen, musste aber wegen der Krankheit ihres Vaters sofort wieder abreisen. Auch er musste wegen der Krankheit seiner Mutter abreisen." Eine Rückkehr nach München war daher auch nicht möglich.
jos