vor 7 Stunden
Mehrere Second-Round-Jackpots
Ein bisschen hat der Draft von einer Lotterie mit Vorwissen. Es kann gut laufen. Richtig gut. Beispielsweise, als die Nuggets in der zweiten Runden Nikola Jokic zogen oder die Warriors ebenfalls in Runde zwei den Grundstein für ihre Dynastie legten. Manche Draft-Entscheidung sitzt eben auch ohne Top-Pick so richtig. Hier sind einige der besten der letzten 15 Jahre, die dem jeweiligen Team nachhaltig weiterhalfen...

Heute würde vieles wohl anders laufen. Ein 2,01 Meter großer Wing mit einer Spannweite von 2,21 Metern, der exzellent verteidigt und reboundet, am College überzeugt hat, ginge unter dem Prädikat "Upside" sicher in der Lottery weg.
2011 war sich die Liga nicht sicher, was sie aus Kawhi Leonard machen sollte. Anders als Jimmer Fredette, Kemba Walker oder Brandon Knight konnte er nicht werfen. Anders als Enes Kanter, Jan Vesely, Jonas Valanciunas oder Tristan Thompson war ihm damit schwer eine Position zuzuordnen. 14 Teams entschieden sich unter anderem für die gerade genannten, ehe Indiana an 15 zuschlug. Die Pacers wollten jedoch unbedingt George Hill und tradeten Leonard gemeinsam mit den Rechten an Erazem Lorbek und Davis Bertans nach San Antonio.
Bereits zwei Jahre später spielte Kawhi in den Finals ein gute Rolle, doch die Spurs verloren. 2014 dominierte Leonard, sicherte sich den Finals MVP und San Antonio die Meisterschaft - und wer weiß, was noch möglich gewesen wäre, hätte Zaza Pachulia 2017 seinen Fuß nicht zu weit ausgefahren und hätte sich Kawhi keine komplizierte Oberschenkelverletzung zugezogen, an deren Ende er einen Trade forderte…
Wer konnte schon ahnen, dass sich in einem 1,98 Meter langen und beim Draft etwas zu schweren Körper einer der besten Verteidiger der Geschichte verbarg. Zumal Draymond Green aussah wie ein Wing, aber eher spielte wie Big. Anfang der zweiten Runde, mit dem 35. Pick, versuchten die Warriors ihr Glück - und fanden es.
Nachdem Green sich bereits während seiner Rookie-Saison erste Spielanteile verdiente und sie im zweiten Jahr steigerte, wurde er durch eine Verletzung von David Lee Anfang der Saison 2014/15 endgültig zum Starter, während der Finals einige Monate später immer wieder gern zum Center. Der Rest ist… genau.

Ein schmaler Grieche, der in der Vorsaison noch in der zweiten griechischen Liga gespielt hatte, der Basketball gerade erst so richtig kennenlernte, war 14 Teams dann doch zu heiß. Unter anderem Anthony Bennett, Cody Zeller, Ben McLemore, Alex Len und Shabazz Muhammad schienen die sicherer Wahl zu sein.
Die Bucks, so wirkte es, verschrieben sich an 15. Stelle einem Projekt mit unsicherem Ausgang. Ob dieser schmale Junge aus Athen jemals sein Potenzial nutzen würde? Und wie groß war es überhaupt? Ziemlich groß, zeigte sich bereits während Giannis’ Rookie-Saison.
13 Jahre später haben die Bucks immer noch einen zweifachen MVP, der ihnen die erste Meisterschaft seit Kareem bescherte. Gut, dass Milwaukees damaliger General Manager John Hammond 2012 nach Athen flog, um sich diesen schmalen Jungen mit dem großen Arbeitseifer genauer anzusehen…
| Saison | PTS | REB | AST | FG% |
|---|---|---|---|---|
| 2013/14 | 6,8 | 4,4 | 1,9 | 41,4 |
| 2014/15 | 12,7 | 6,7 | 2,6 | 49,1 |
| 2015/16 | 16,9 | 7,7 | 4,3 | 50,6 |
| 2016/17 | 22,9 | 8,8 | 5,4 | 52,1 |
| 2017/18 | 26,9 | 10,0 | 4,8 | 52,9 |
| 2018/19 | 27,7 | 12,5 | 5,9 | 57,8 |
| 2019/20 | 29,5 | 13,6 | 5,6 | 55,3 |
| 2020/21 | 28,1 | 11,0 | 5,9 | 56,9 |
| 2021/22 | 29,9 | 11,6 | 5,8 | 55,3 |
| 2022/23 | 31,1 | 11,8 | 5,7 | 55,3 |
| 2023/24 | 30,4 | 11,5 | 6,5 | 61,1 |
| 2024/25 | 30,4 | 11,9 | 6,5 | 60,1 |
| 2025/26 | 27,6 | 9,8 | 5,4 | 62,4 |
Ihren Franchise Center hatten die Nuggets theoretisch bereits in der ersten Runde bekommen. Durch einen Trade mit den Bulls wechselte Jusuf Nurkic nach Denver. Später, viel später holten die Nuggets außerdem einen großen, breiten Jungen aus Serbien. Keine große Sache.
Umso weniger, da sie beinahe komplett an der Weltöffentlichkeit vorbeigeschlichen wäre. Als ESPN damals den 41. Pick im Banner unten über den Bildschirm wandern ließ, lief gerade Werbung. Taco Bell pries seinen neuen Quesarito, eine Kreuzung aus Quesadilla und Burrito an.
Dass die Nuggets zeitgleich für eine Kreuzung aus Point Guard und Center gezogen hatten und damals ebenfalls zwei Dinge zusammenbrachte, von denen niemand geträumt hatte, sie würden jemals zusammengehören, ahnte damals natürlich niemand.
Jokic durfte dann auch erst noch die ABA League in Europa dominieren, ehe er 2015 endgültig nach Denver wechselte, um wenig später drei Mal den MVP-Titel zu holen, eine Meisterschaft zu gewinnen und der beste Basketballer des Planeten zu werden.

Heute ist Pascal Siakam hinter Jaylen Brown und Jamal Murray wohl der drittbeste Spieler des 2016er Drafts. Vielleicht sogar ein bisschen mehr. Damals fanden General Manager, die nicht auf den Namen Masai Ujiri hörten, beispielsweise Dragan Bender, Denzel Valentine, Henry Ellenson oder Brice Johnson interessanter.
26 Mal verkündete Adam Silver, wer da gerade wen gezogen hatte, ehe Siakam seinen Namen vernahm. Zugegeben, trotz guter Zeit am College bei New Mexico State war damals nicht abzusehen, dass er sich einmal zu einem der vielseitigsten und dynamischsten Forwards der gesamten Liga entwickeln würde.
Dass sein erstes Spiel beim Saisonauftakt als Rookie gegen die Pistons gleichzeitig das erste NBA-Spiel war, das er live sah, vergrößerte den Überraschungseffekt. Drei Jahre nach dem Draft schenkte Siakam den Warriors in Spiel sechs der Finals 26 Punkte und 10 Rebounds, traf zudem entscheidend über Draymond Green und sicherte so mit den ersten Titel der Raptors-Geschichte.
Jayson Tatum hätte so gern für die Lakers gespielt. Dort, wo einst Kobe Bryant, sein großes Idol spielte. Sein Traum. Das oder der Nummer-1-Pick. Angesichts einer Ansammlung an Forwards um Julius Randle und Brandon Ingram und einem Loch auf der Eins schielten die Lakers vor dem Draft aber auf einen Point Guard. Und da Lonzo Ball an der UCLA in Los Angeles spielte, zudem aus Anaheim kam, wusste vorab fast jeder, dass die Lakers mit ihrem zweiten Pick den Playmaker ziehen würden.
Also wurde Danny Ainge, Boss in Boston und stolzer Inhaber des ersten Pick, kreativ. Die Sixers hatten nicht nur an dritter Stelle das Wahlrecht, sondern vor allem große Augen für Markelle Fultz, einen großen, scorenden Point Guard. Boston wiederum wollte Jayson Tatum. Also griff Ainge zum Hörer.
Er sprach mit Bryan Colangelo, seinem Kollegen in Philadelphia, und vereinbarte einen Deal. Für den ersten Pick und damit die Sicherheit, Fultz zu bekommen - damals für viele ein recht klarer Nummer-1-Favorit - würden die Sixers ihren dritten Pick plus einen zukünftigen First-Rounder an die Celtics abtreten. Zudem würden sie garantieren, Fultz und nicht Tatum zu ziehen, schreibt ESPN. Am Ende waren alle glücklich. Für den Moment. Langfristiges Glück brachte nur Tatum…

Oft sind es die kleinen Dinge. Beispielsweise, sich 30 Sekunden vor Ende von Spiel 5 der Finals nach einem Freiwurf von Josh Hart zwischen Victor Wembanyama und Stephon Castle den Offensivrebound zu schnappen, damit OG Anunoby die Führung von der Linie kurz darauf weiter ausbauen kann und die Knicks ihre erste Meisterschaft seit 53 Jahren gewinnen.
All das passiert nicht, wenn irgendein Team 2018 beschließt, doch einen hart reboundenden Center zu brauchen. Bis zu den Knicks an Position 36 denkt das jedoch keiner - oder denkt nicht, dass Mitchell Robinson die Antwort auf gewissen Probleme sein kann. Also schlagen die Knicks zu und holen sich damit bereits einen wichtigen Baustein ihres Meisterschaftsteams 2026.
Eigentlich ist im November 2020 - wegen der Covid-verzögerten Saison findet der Draft erst im Winter statt - noch vieles in Ordnung in Philly. Zwar schieden die Sixers in der Bubble mit 0-4 in der ersten Runde gegen Boston aus. Joel Embiid und Ben Simmons versprechen jedoch immer noch viel.
Dass Simmons wenige Monate später beim Playoff-Aus gegen die Hawks einen karriereverändernden Moment durchleben wird, wissen die Sixers da noch nicht. Ebenso wenig, dass sie den Ersatz bereits gefunden haben. Andere denken es wohl ebenfalls nicht. Mit Killian Hayes und Kira Lewis finden zwei Point Guards weit vor Maxey ein neues Team, können sich später aber nicht in der Liga etablieren.
Maxey spielt sich dagegen schnell in die Rotation und zählt sechs Jahre später zu den besten Guards der Liga…

Es muss nicht immer der Star sein. Kurz nach den Sixers sind 2020 die Celtics an der Reihe. Auch sie ziehen einen kleinen Guard. Der nimmt wenige Jahre später zwar nicht ganz so regelmäßig gegnerische Defenses auseinander, dafür bekommt Boston einen der verlässlichsten Bank-Scorer der Liga.
Payton Pritchards Arsenal ist fast so gut ausgestattet, wie das des Jalen Brunson. Sein Ballhandling? Elitär. Angst hat er sowieso keine, weshalb Pritchard auch defensiv häufig deutlich besser aussieht als es seine Statur, vor allem seine Größe, vermuten lassen würde.
Zwei Mal standen die Celtics auch dank Pritchard seit 2020 in den Finals. Einmal gewannen sie. Weil sie sich 2020 gut entschieden…
Man stelle sich vor, die Indiana Pacers hätten Jalen Johnson interessanter gefunden als Chris Duarte, den sie an 13. Stelle wählten: Tyrese Haliburton baut die erste Welle auf, Johnson attackiert aus der Bewegung, Bälle fliegen, Spieler cutten, fliegen, etwas Schönes entsteht. Das gibt es nun in Atlanta.
Als Johnson an 20. Stelle noch zu haben war, schlugen die Hawks zu. Fünf Jahre später haben sie einen All-NBA Forward, der, das zeigten die Playoffs, zwar noch zu lernen hat, der als Teil des Post-Trae-Young-Fundaments aber sehr viel mitbringt.
| Saison | PTS | REB | AST | FG% |
|---|---|---|---|---|
| 2021/22 | 2,4 | 1,2 | 0,1 | 53,7 |
| 2022/23 | 5,6 | 4,0 | 1,2 | 49,1 |
| 2023/24 | 16,0 | 8,7 | 3,6 | 51,1 |
| 2024/25 | 18,9 | 10,0 | 5,0 | 50,0 |
| 2025/26 | 22,5 | 10,3 | 7,9 | 48,9 |
Theoretisch könnte Jalen Williams auch neben Victor Wembanyama spielen. Theoretisch. Die Dinge wären sicher anders gelaufen, hätten die Spurs 2022 statt Jeremy Sochan an Position 9 J-Dub gewählt. Womöglich hätten sie diesen schicksalhaften ersten Pick im Jahr darauf niemals bekommen. Am Ende schlug ohnehin OKC zu.
Ein Team, das auf Länge, Defense und Vielseitigkeit setzt, sah in Williams einen exzellenten Partner für Shai Gilgeous-Alexander. Und wie so oft behielt Thunder-Boss Sam Presti Recht. J-Dub verteidigte, attackierte, half defensiv überall aus und gewann bereits in Jahr drei seine erste Meisterschaft.
Max Marbeiter