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    NBA

    vor 10 Stunden

    Stärken und Schwächen des Nationalspielers

    Der Fluch der kleinen Guards: DBB-Talent Anderson vor dem Draft in der Analyse

    Christian Anderson ist einer von zwei Deutschen, die sich realistische Chancen auf einen Pick in den Top 20 ausrechnen. Der DBB-Spieler hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der besten College-Guards des Landes entwickelt. Dies aber in die NBA zu übertragen, wird aber kein leichtes Unterfangen.

    Christian Anderson Jr. könnte es in die Lottery (Top 14) schaffen.
    Christian Anderson Jr. könnte es in die Lottery (Top 14) schaffen. Getty Images

    In Deutschland gilt Christian Anderson schon seit vielen Jahren als Nachfolger von Dennis Schröder, sollte dieser eines Tages seine DBB-Karriere beenden. Das hat auch der Braunschweiger schon mehrfach bestätigt. Auch unter Alex Mumbru durfte er sich bereits dreimal im Sommer 2025 beweisen, den Cut für die EM verpasste er allerdings haarscharf.

    Diese Schlappe nahm er allerdings als Anlass, um noch weiter an seinem Spiel zu feilen. Nach einem starken Freshman-Jahr für die Texas Tech Red Raiders packte er als Sophomore noch mal eine merkliche Schippe drauf. Als Superstar JT Toppin sich Mitte Februar eine schwere Verletzung zuzog, nahm der Guard sein Team auf die Schultern und führte sich nahezu im Alleingang ins NCAA-Turnier.

    Dort war zwar sehr früh Schluss (2. Runde gegen Alabama), an den Leistungen des 20-Jährigen lag es aber nicht. Über 33 Saisonspiele hinweg legte er 18,5 Punkte, 7,4 Assists und 3,6 Rebounds pro Spiel auf und brach mit seinen Offensivzahlen gleich mehrere Teamrekorde. Das brachte ihm auch die Auszeichnung als Most Improved Player der Big 12 ein.

    Christian Anderson Jr. im Steckbrief

    Alter20 Jahre (2. April 2006)
    GeburtsortAtlanta, USA
    Größte186 cm
    CollegeTexas Tech University
    PositionPoint Guard
    Länderspiele3 (seit 2025)
    ErfolgeGold bei U18- und U16-EM, Silber bei U19-WM

    Christian Anderson: Seine Stärken

    Schaut man auf die Stärken des Deutsch-Amerikaners, der in Atlanta aufgewachsen ist, muss man zuallererst bei seinem Shooting beginnen. Er hat eine tolle Wurfform und kann sich problemlos von jedem Spot des Floors einen Abschluss erarbeiten. Egal, ob Stepback, Pullup oder Midrange-Jumper - sein offensives Arsenal scheint lückenlos. Und auch seine Zahlen sind gut: In seiner letzten College-Saison traf er überragende 41,5 Prozent seiner Dreier bei 7,9 Versuchen pro Spiel.

    "Ich war mein ganzes Leben lang ein elitärer Schütze", erklärte Anderson gegenüber Reportern beim NBA Draft Combine: "In der achten Klasse habe ich 90 von 100 Dreiern getroffen. Ich bin schon immer ein elitärer Schütze gewesen." Dieses Selbstvertrauen merkt man ihm auch im Spiel an, selten wirken seine Würfe forciert oder außer Balance.

    Dabei darf man nicht denken, dass Anderson ein reiner Shooter á la Cam Thomas ist. Vielmehr ist es sogar ein Guard, der lieber den freien Mitspieler sucht, als selbst einen überhasteten Abschluss zu nehmen. Sein Spiel wirkt erwachsen, er trifft gute Entscheidungen und hat ein außergewöhnliches Gefühl für das Spiel. Hier merkt man ihm deutlich seine Erfahrung als langjährigen Anführer der erfolgreichen DBB-Jugendmannschaften an.

    Er versteht sich darauf, seit Jahren das Spiel als primärer Ballhandler aufzubauen, was sich auch in seinem starken Pick-and-Roll-Game bemerkbar macht. Dazu passt er stets gut auf den Ball auf und hat in seiner College-Karriere stets eine gute Assist-to-Turnover-Ratio.

    Gleichzeitig kommt er dank deiner guten Athletik auch gut zum Ring, auch wenn er kein überragender Athlet ist. Dies macht er dabei regelmäßig durch Finesse und Einsatz wett. Er ist ein absolutes Workhorse und hat in der vergangenen Saison die zweimeisten Minuten landesweit abgerissen (über 38 pro Spiel bei 40 Minuten Gesamtspielzeit!).

    Auch defensiv zeigt sich sein hoher Basketball-IQ: Er hat gute Instinkte für gegnerische Passwege und flinke Hände (1,5 Steals pro Spiel). Wie auch sonst trifft er hier zumeist gute Entscheidungen und verschlägt selten eine Rotation.

    Anderson spielte bereits für die deutsche Nationalmannschaft an der Seite von Dennis Schröder.
    Anderson spielte bereits für die deutsche Nationalmannschaft an der Seite von Dennis Schröder. IMAGO/Eibner

    Christian Anderson: Seine Schwächen

    Während es an seinem Spiel wenig zu meckern gibt, könnte die fehlende Größe und Physis für ihn zum Problem werden. Mit einer Größe von 1,86 Metern (ohne Schuhe) gehört er zu den kleineren Guards der Liga. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass er noch ein paar Zentimeter drauflegt (er ist ein Spätstarter, der mit 15 noch 1,76 Meter groß war), Idealmaße für den modernen NBA-Aufbauspieler wird er aber nie erreichen.

    Auch in Sachen Physis kann er noch lange nicht mit den kräftigen NBA-Guards mithalten, auch wenn er im Vergleich zu seiner Freshman-Saison ordentlich Muskelmasse draufgepackt hat.

    Hoffnung macht allerdings, dass seine Werte beim Combine ausgezeichnet waren und seine Wingspan mit 1,91 Metern ordentlich daherkommt. Dennoch stellen sich bei ihm die gleichen Fragen wie bei vielen anderen kleinen Guards vor ihm: Wie schlägt er sich im Eins-gegen-Eins gegen physische Guards? Schafft er es, defensiv kein Minusfaktor zu sein, um in der Crunchtime auf dem Feld zu stehen? Was passiert, wenn gegnerische Offensiven ihn pausenlos attackieren?

    Auf dem College hatte er auch offensiv öfters Probleme, wenn die Gegner physische Defensiven gegen ihn stellten. Da er auch kein Überathlet ist, verlässt er sich dann (zu) oft auf seinen Dreier, anstatt in die Zone zu ziehen, da er es dort gegen lange Verteidiger ebenfalls schwer hat.

    Christian Anderson: Worauf es für ihn ankommt

    Es wird spannend zu sehen, wie er den "Fluch" der kleinen Guards löst. Seine Vorbilder werden hier sicherlich Stephen Curry, Damian Lillard und Jalen Brunson sein, die alle ähnlich groß sind und ihre fehlende Größe durch überragendes Shooting wettmachen. Das ist natürlich eine riesige Anforderung, das Selbstvertrauen dafür hat er aber allemal.

    Defensiv muss es für ihn allerdings zunächst über den Einsatz gehen. Chris Paul, Gary Payton II oder natürlich auch Dennis Schröder sind alle in der Größenklasse von Anderson und dabei absolute Plusspieler in der Defensive. Hier wird ihm auch sein gutes Spielgespür helfen, um das Vertrauen der Coaches zu gewinnen. Viele Stunden im Kraftraum sind allerdings unverzichtbar.

    Genau diese Punkte werden dann auch im Endeffekt darüber entscheiden, wie Andersons Karriere ablaufen wird. Im Draft wird er um Position 20 über den Tresen gehen und vielleicht sogar bei einem Team landen, bei dem er direkt eine wichtige Rolle beim Rebuild einnehmen wird. Wenn sein Spiel so reift, wie man sich wünscht, kann er ein langfristiger Starter auf der Eins sein. Sollten die Anpassungsprobleme dennoch größer sein, wird er als zweiter Ballhandler und Anführer der zweiten Garde einen Platz in der Association finden.

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    gfr