vor 2 Stunden
20-Punkte-Führung bei seiner Auswechslung
Dennis Schröder erlebte beim historischen Kollaps seiner Cavaliers gegen die Knicks offensiv einen rabenschwarzen Abend. Trotzdem war der DBB-Kapitän längst nicht so schwach, wie es seine Wurfquote vermuten lässt und verschwand vom Feld, bevor Cleveland auseinanderbrach.

Mit nur drei Punkten bei 1/9 aus dem Feld erwischte Dennis Schröder offensiv zweifellos einen bitteren Abend. Besonders mehrere verlegte Layups und schwierige Abschlüsse verhinderten früh, dass der deutsche Guard offensiv Rhythmus aufnehmen konnte. Die rohe Statline liest sich entsprechend brutal und macht ihn automatisch zu einem auffälligen Teil der historischen Niederlage.
Die Zahlen erzählen allerdings nicht die komplette Geschichte. Schröder legte in nur gut 18 Minuten fünf Assists auf und leistete sich dabei keinen einzigen Ballverlust. Gerade in einem Spiel, in dem Cleveland insgesamt 19 Turnover produzierte, fiel Schröders sauberes Ballhandling auf.
Vor allem im so starken dritten Viertel (35:23) brachte der Guard Struktur ins Cleveland-Spiel. Er initiierte mehrere gute Aktionen im Two-Man-Game mit James Harden und attackierte nach dessen Blöcken konsequent die entstehenden Räume in der Knicks-Defense. Dadurch fand er immer wieder freie Mitspieler. Schröders Aufgabe bestand vor allem darin, Tempo zu bringen, Harden als zusätzlicher Ballhandler zu entlasten und sekundäres Playmaking zu übernehmen. Diese Aspekte funktionierten phasenweise durchaus ordentlich.
Auffällig war allerdings, dass der völlige Zusammenbruch der Cavaliers erst nach Schröders Auswechslung begann, bei einer 93:73-Führung, 7:16 Minuten vor dem Ende. Während Cleveland im Anschluss kollabierte und die New York Knicks einen irren Lauf hinlegten, saß der Deutsche bereits draußen.
Stattdessen rückte vor allem James Harden immer stärker in den Fokus. Die Knicks attackierten den ehemaligen MVP immer wieder gezielt im Eins-gegen-eins, besonders Jalen Brunson suchte konsequent das Matchup gegen den 36-Jährigen. Knicks-Coach Mike Brown bestätigte nach dem Spiel sogar offen: "Es war kein Geheimnis: Wir haben Harden attackiert."

Gleichzeitig warf die Rotation der Cavaliers im Schlussviertel Fragen auf. Cleveland verlor nach Schröders Auswechslung sichtbar an Kontrolle im Ballvortrag und im offensiven Aufbau. Gerade zuvor hatte die Offensive der Cavs mit nur einem Big Man und Schröder als zusätzlichem Ballhandler deutlich flüssiger und dynamischer gewirkt.
Defensiv wurde vor allem Harden immer wieder isoliert von Brunson. Hier hätte Schröder mit seiner deutlich aggressiveren Defense womöglich zumindest mehr Widerstand leisten können. Gerade deshalb wirkte seine fehlende Rolle in der Schlussphase rückblickend umso auffälliger.
Fast hätte Cleveland trotz des Kollapses aber sogar noch gewonnen. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit lief der entscheidende Angriff erneut über Harden, der zwei Verteidiger auf sich zog und Sam Merrill freispielte. Der Dreier des Scharfschützen sah bereits wie der Gamewinner aus, ähnlich spektakulär wie Tyrese Haliburtons legendärer Playoff-Wurf im Vorjahr.
Doch der Ball sprang wieder aus dem Ring. Stattdessen übernahmen die Knicks dann die Kontrolle, dominierten die Overtime mit 14:3 und vollendeten eines der größten Playoff-Comebacks der modernen NBA-Geschichte.
So bleibt für Schröder ein extrem komplizierter Abend zurück: statistisch schwach, offensiv ohne Rhythmus, aber eben auch längst nicht der Hauptgrund dafür, dass Cleveland eine 99,9-prozentige Siegchance noch aus der Hand gab.
Lukas Hetterich