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MBC-Guard gibt Playoff-Prognose für seinen Bruder ab
Die namhaften Ausfälle der Lakers trüben die ambitionierten Playoff-Pläne der Kalifornier. Im Interview erklärte Spencer Reaves, der seit Jahren in der BBL aktiv ist, warum die Mannschaft seines Bruders dennoch längst nicht chancenlos ist.

Nur ein halbes Dutzend Mannschaften feierten von All-Star-Pause bis zum Saisonende mindestens 20 Siege. Die Los Angeles Lakers, die bis dahin lange nach einer konstanten Form suchten, waren eine davon. Doch anstelle von Euphorie macht sich in Los Angeles vor dem Playoff-Auftakt Nervosität breit. In Luka Doncic und Austin Reaves sind gleich zwei Schlüsselspieler der Purple-and-Gold verletzt. Rückkehr? Unklar!
Während beim Slowenen mit einem Comeback während der ersten Runde zu rechnen ist, könnte Reaves die gesamte Serie gegen die Rockets fehlen. Bruder Spencer Reaves - Guard bei Bundesligist Syntainics MBC - fühlt mit ihm: "Im Sport geht es häufig um Glück. Manchmal läuft es positiv. Manchmal - wie in seinem Fall - aber eben auch nicht."
Wenngleich Austin ihm in einem kürzlichen Gespräch versichert habe, zurechtzukommen, sei allen Beteiligten klar: "Für die Lakers ist es einfach ein furchtbares Timing."
Bereits in der Nacht auf Sonntag (2.30 Uhr) empfangen die Lakers die Houston Rockets zu Spiel 1 in der Serie. Für die Kalifornier komme es nun vor allem darauf an, die offensivlastigen Ausfälle zu kompensieren. "Ohne so viel Scoring wird es einfach schwer. Letztens hat es jemand treffend formuliert: Es ist tough, wenn einem plötzlich 60 Punkte pro Spiel verloren gehen."

Tatsächlich hatte Doncic die gesamte Liga mit 33,5 Zählern pro Partie angeführt. Auch Austin Reaves stellte mit 23,3 Punkten einen neuen persönlichen Bestwert auf. Besonders zusammen schien das Guard-Duo exzellent zu harmonieren.
Dennoch zeigt sich Austins drei Jahre älterer Bruder zuversichtlich: "Sie haben gute Chancen, wenn sie es schaffen, die Serie in die Länge zu ziehen. Dann hätten Austin und Luka über eine Woche Zeit zurückzukommen." Gerade in den Playoffs würden Spieler schneller versuchen, nach einer Verletzung wieder "ans Limit zu gehen."
Als Favorit in den Playoffs sieht der große Reaves-Bruder dennoch Titelverteidiger OKC. "Der Titel muss über die Thunder gehen. Sie sind der amtierende Champion und haben immer noch so ziemlich denselben Kader." Wenn es nach dem 30-Jährigen geht, dann wird sich noch eine weitere Titelvergabe wiederholen: die MVP-Wahl. Diese sollte Reaves‘ zufolge zum dann zweiten Mal in Folge an Shai Gilgeous-Alexander gehen.
Etwas sauer stoße ihm in der Debatte allerdings auf, dass das Austauschen von Argumenten in diesem Jahr etwas zu kurz gerate. Viel zu viel Platz würde stattdessen die Debatte um die 65-Spiele-Marke einnehmen. "Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wer überhaupt zur Verfügung steht."
Dass Doncic und Cunningham zwischenzeitlich als ausgeschlossen galten, nannte Reaves "unfassbar": "Man hört mehr darüber, als tatsächlich über die Spieler selbst. Die Leute regen sich über die Regel auf, sodass man keine Ahnung mehr hat, wer eigentlich gewinnen sollte."
Weiterhin ausgeschlossen sind allerdings Spieler wie LeBron James oder Anthony Edwards. Letzterer war kürzlich mit seinem Versuch gescheitert, von einer Ausnahmeregelung Gebrauch zu machen. "Die NBA muss da etwas machen. Vielleicht sollte man die Zahl auf 60 herabsetzen."
Gegen eine ähnliche Einführung in der Basketball-Bundesliga hätte Reaves allerdings nichts Grundsätzliches einzuwenden. Angesichts der wenigeren Spiele sei es hierzulande viel einfacher gesund zu bleiben. Parallel zur 65-Spiele-Marke der NBA, die sich auf eine Teilnahme in 80 Prozent der Fälle bezieht, sei in der BBL die Verpflichtung von 27 Partien denkbar. "Ich denke, das wäre eine gute Zahl. Besonders die MVP-Kandidaten würden diese Zahl in der Regel erreichen."
Julius Ostendorf