12.09.2026
Erinnerungen haben sich "ins Gehirn gebrannt"
Schon jetzt ist das Erreichen des WM-Halbfinals ein historischer Meilenstein. Doch nun stehen Deutschlands Basketballerinnen vor der wohl größten Prüfung der Verbandsgeschichte. In Frankreich kämpft das DBB-Team jedoch gegen keinen Gegner wie jeden anderen - und auch gegen die Geister der Vergangenheit.

Die Hände in die Hüften geschlagen, ratlose Gesichter. Als die deutschen Basketballerinnen am 7. August 2024 am Ende ihrer Olympia-Reise waren, überragte zunächst die Ahnungslosigkeit. Wie konnte man nach einem so historisch guten Turnier so deutlich verlieren?
Die Antwort war freilich mehrschichtig. Damals, vor knapp zwei Jahren, waren die DBB-Frauen noch längst nicht jenes Team dieser Tage, das durch Kadertiefe und eine unvergleichliche Chemie glänzt. Gleichwohl war Frankreich bereits damals einen Schritt voraus.
Mit Marine Johannes und Gabby Williams verfügen Les Bleues früher wie heute über zwei waschechte Superstars, die auch in der WNBA ihr Zuhause wissen. Das Team galt schon bei ihrem Heimturnier in Paris als das wahrscheinlich talentierteste nach der Übermacht USA.
Über Deutschland fegte Frankreich locker hinweg. Im Halbfinale musste der spätere Europameister Belgien dran glauben. Im Finale musste sich das Frauen-Team unseres Nachbarlandes denkbar knapp und nach langer Führung den Amerikanerinnen geschlagen geben. Es hatte keinen Zweifel daran gegeben, dass sie zur absoluten Weltspitze gehören.
"Für mich ist dieses Spiel in mein Gehirn gebrannt. Es ist einfach etwas, woran man oft denkt", erinnert sich DBB-Kapitänin Marie Gülich an das verlorene Olympia-Viertelfinale. "Aber ich glaube auch, weil es einfach ein so emotionaler Moment für uns alle war und man sich so hilflos auf dem Feld gefühlt hat. Ich glaube, morgen wird das anders aussehen!"
In der Tat hat Deutschland im Zweijahresvergleich einen satten Schritt nach vorn gemacht. Mit der Dominanz der Französinnen beim laufenden Turnier hat das aber noch nichts zu tun. Alle vier bisherigen Spiele gewann das Team um Kapitänin Gabby Williams mit mindestens 26 Punkten Vorsprung. Im Schnitt gewannen sie ihre Spiele sogar mit überragenden 39 Zählern Abstand.
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Auch das WM-Viertelfinale gegen China war längst kein Prüfstein. Nach umkämpftem Anfangsviertel setzte sich Frankreich bereits im zweiten Durchgang klar ab und zog sich letztlich mit +29 ins WM-Halbfinale ein. Die französische Sportzeitung "L'Équipe" titelte: "Die Anomalie ist behoben!" Warum? Auch für Frankreich, das doch im Gegensatz zu Deutschland bereits auf viele erfolgreiche Jahre des Frauenbasketballs zurückblicken kann (inklusive drei Olympiamedaillen seit 2012), markierte der Erfolg die erste Teilnahme der Runde der besten Vier bei einer Weltmeisterschaft.
Dass die Erwartungen dennoch riesig sind, betonte Dominique Malonga - eine der vielen Leistungsträgerinnen im Team - nach Spielende: "Ich würde nicht sagen, dass ich erleichtert bin. Es ist ein weiterer Schritt. Es wäre eine Enttäuschung gewesen, wenn wir das [Halbfinaleinzug, Anm. d. Red.] ]nicht geschafft hätten. Wir waren noch nie in dieser Situation, deshalb müssen wir jetzt alles geben!"

Der Fokus für die DBB-Frauen und das Trainerteam um die Französin Julie Barennes liegt insbesondere auf den Stars Williams (17,5 PPS) und Johannes (16 PPS), die auch im laufenden Turnier in Höchstform auflaufen: "Williams ist ja ihre Topscorerin und auch diejenige, die das Team trägt. Johannes ist eine Spielerin, die immer heißlaufen kann", erklärt Gülich. Fiebich fügt hinzu: "Es kann aber an jedem Abend auch jede der anderen viele Punkte scoren."
Vorteile sieht Deutschland vor allem im Bereich unter dem Korb, wo das Team mit Nyara Sabally und Luisa Geiselsöder über zwei profilierte WNBA-Spielerinnen verfügt: "Nur wird die Herausforderung sein, mit dem Ball dahin zu bekommen", ordnet Bundestrainer Olaf Lange ein. "Und da müssen wir schon ein paar Anpassungen vornehmen. Es geht ja immer darum, mit dem Druck klarzukommen - im Ganzfeld, aber auch im Halbfeld."
Zwei Jahre nach Frankreichs Realitätscheck fürs deutsche Team bei den Olympischen Spielen hat sich viel getan. "Wir sind ein anderes Team als damals", betont Gülich. Youngster Frieda Bühner fügt keck hinzu: "Frankreich ist ein richtig gutes Team. Aber wir sind auch unter den besten vier Teams der Welt, also sind wir auch richtig gut."
jos